Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konnte sich 2020 über hohe Umfragewerte freuen.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) konnte sich 2020 über hohe Umfragewerte freuen.

Kanzlerin in der Corona-Krise

Erstaunliche Corona-Studie: Sie beweist, was Kanzlerin Merkel immer unterschätzt hat

  • Philipp Fischer
    vonPhilipp Fischer
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Angela Merkel verzeichnet seit der Corona-Krise ein neues Umfragehoch. Studienergebnisse zeigen auf, warum die Kanzlerin ausgerechnet in ihrem letzten Amtsjahr so beliebt ist.

  • Am 26. September sind Bundestagswahlen in Deutschland - Merkel steht dann nicht mehr zur Wahl.
  • Am 16. Januar wird auf dem CDU-Parteitag ein neuer Parteivorsitzender gewählt.
  • Zuletzt konnte sich Merkel über hohe Zustimmungswerte freuen.

Berlin - Angela Merkel wird dieses Jahr das Kanzleramt verlassen. Am Ende ihrer Amtszeit kann Merkel auf grandiose Umfragewerte blicken. Eine neue Studie zur Bedeutung politischer Kommunikation erklärt, warum die Bundeskanzlerin ausgerechnet mit ihrer vermeintlich größten Schwachstelle im letzten Jahr bei den Deutschen punkten konnte.

Angela Merkel: Letzte Legislaturperiode von vielen Rückschlägen geprägt

Merkels Amtszeit war von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Besonders zu Beginn ihrer letzten Legislaturperiode musste die Kanzlerin viele Rückschläge einstecken. Die politischen Folgen der sogenannten Flüchtlingskrise und das stetig sinkende Vertrauen der Bevölkerung in die Kanzlerin zählten zu den Gründen, warum Merkel im Jahr 2018 ihren Verzicht auf den Parteivorsitz der CDU verkündete. Auch 2019 war ein Jahr der Niederlagen für die Bundeskanzlerin. Ihre Partei erreichte einen neuen Tiefpunkt und lag in Umfragen nur noch bei 27 Prozent - ein Minus von fast 6 Prozentpunkten im Vergleich zur Bundestagswahl 2017. Zusätzlich erschwerten die Spekulationen über den Bruch der Großen Koalition sowie politische Erdbeben wie die Wahl von Thomas Kemmerich als neuen Ministerpräsidenten von Thüringen die Regierungsgeschäfte.

Die Corona-Pandemie macht Angela Merkel zum Krisengewinner

Ausgerechnet das Krisenjahr 2020, das Jahr, das für Regierungen weltweit zur Bewährungsprobe werden sollte, bescherte Angela Merkel ein ungeahntes politisches Comeback. Entgegen ihrem gewohnten Führungsstil positionierte sich Merkel deutlich und kommunizierte die Corona-Maßnahmen über verschiedene Plattformen. Eine Studie aus dem Frühjahr 2020, die im „Journal of Publich Health“ veröffentlicht wurde, hat die Auswirkungen politischer Kommunikation auf das Depressionsniveau in Deutschland untersucht. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Merkel durch ihr offenes Auftreten und ihre Ansprachen zu „einer Reduzierung von Angst und Depressionen in der deutschen Bevölkerung“ beigetragen haben könnte. Zuerst griff der Spiegel diese im Dezember auf.

Merkels Worte lindern Depressionswerte in der Bevölkerung

Als ein Beispiel führten die Wissenschaftler Merkels außerplanmäßige Fernsehansprache am 18. März an. In dieser ungewöhnlichen Rede stimmt Merkel die Bevölkerung auf die ersten Wochen in der Corona-Krise ein und spricht von der größten Herausforderung „seit dem Zweiten Weltkrieg“. Die Forscher konstatieren einen Zusammenhang zwischen dem Angst- und Depressionsniveau und der Fernsehansprache von Merkel. Demnach stieg die Kurve ab dem 10. März infolge der Schließung öffentlicher Einrichtungen und Grenzschließungen bis zum 18. März an und flachte nach der Ansprache stark ab. „Bemerkenswert ist, dass nach der öffentlichen Ansprache der Bundeskanzlerin am 18. März die Angst- und Depressionswerte deutlich zurückgingen“, erklärte der Leiter der Studie, Martin Teufel.

Angela Merkel: Bevölkerung findet Gefallen an Merkels neuem Regierungsstil in der Corona-Krise

Die Ergebnisse dürften auch Merkel verblüffen, die vor der Corona-Krise nicht aufgrund ihrer großen Visionen oder langen Reden aufgefallen war. Vielmehr kommunizierte sie nur die nötigsten Informationen und hielt sich in ihren Ansprachen immer sehr bedeckt. Der ehemalige Vizekanzler Sigmar Gabriel beschreibt Merkels Regierungsstil während der Corona-Krise folgendermaßen: „Grundsätzlich habe sich Merkel in der Krise nicht verändert, aber anders als früher sage sie jetzt öfter, wo es langgeht.“ Mittlerweile befinden sich die Unionsparteien mit 37 Prozent in einem absoluten Umfragehoch und auch Merkels Zustimmungswerte sind laut dem ARD-Deutschlandtrend so hoch wie schon lange nicht mehr. (phf)

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