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Merkels Corona-Papier: Eine Passage gibt Rätsel auf - geht das überhaupt?

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Von: Florian Naumann

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Angela Merkel mit Rede-Unterlagen - hier bei einer Pressekonferenz Ende 2019.
Angela Merkel mit Rede-Unterlagen - hier bei einer Pressekonferenz Ende 2019. © Christian Spicker/www.imago-images.de

Zum Lachen war beim Lesen der Beschlussvorlage des Corona-Gipfels am Dienstag wohl niemanden. Trotzdem: Eine Passage bot Gelegenheit für ein wenig Amüsement.

Berlin - Nach einigen zähen Verhandlungen in 2020 ist es mittlerweile Usus: Schon bevor die großen Corona-Gipfel starten, verhandeln Kanzleramt und Staatskanzleien auf eine grobe Einigung hin. Am Ende des Vorspiels kann dann eine mehr oder mundfertige Beschlussvorlage stehen - so, wie am Dienstag bei den jüngsten Bund-Länder-Gesprächen in der Pandemie-Krise.

Erfreuliches stand in dem - schon kurz nach Start der eigentlichen Videokonferenz durchgesickerten - Dokument nicht. Ein verlängerter Lockdown, neue Test-Regeln bei der Einreise. Aufmerksame Beobachter konnten auch fortgesetzten Streit beim Punkt der Einschränkung des Bewegungsradius‘ der Bürger in Hotspots herauslesen. Das Wort-Interpunktions-Konstrukt „[ergreifen]/[prüfen]“ deutete weiteren Gesprächsbedarf an. Marke: „Unzutreffendes bitte streichen.“

Doch so ernst die Lage ist: Eine kleine Passage in dem Papier bot doch Anlass für ein wenig Erheiterung.

Corona-Gipfel: Beschlussvorlage schon vor Start durchgesickert - eine Passage provoziert Stirnrunzeln

Unter Punkt 2 der Vereinbarungen zwischen Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten war zu lesen: „In Erweiterung der bisherigen Beschlüsse werden private Zusammenkünfte nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet.“

Private Zusammenkünfte „nur alleine“? Ja, das nannten die Verhandlungsteilnehmer tatsächlich als eine der verbleibenden legitimen Formen des Soziallebens. Verwechslungen und Fehlinterpretationen nahezu ausgeschlossen: Denkbar wäre beim ersten Lesen gewesen, dass mit „Zusammenkunft alleine“ ein Treffen ausschließlich mit den Mitgliedern des eigenen Haushalts gemeint wäre. Aber diese Variante wird am Ende der Passage noch einmal gesondert genannt.

Corona in Deutschland: Seltsame Regel in Merkels Beschlussvorlage - Erklärung scheint recht naheliegend

Ist es also soweit, dass das Alleinsein als gerade noch tragbares Rest-Risiko in der Pandemie explizit erwähnt werden muss? Ungeachtet der Frage, ob ein Abend alleine Zuhause überhaupt als „Zusammenkunft“ gewertet werden kann? Wahrscheinlicher ist eine andere Erklärung.

In einer früheren Verordnung des Landes Baden-Württemberg etwa hieß es: „Der Betrieb von Sportanlagen und Sportstätten im Freien ist für den Freizeit- und Amateurindividualsport allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstands zulässig.“ In anderen amtlichen Schriftstücken war in der ersten Corona-Welle vom Aufenthalt im Freien „nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands“ die Rede.

Es handelt sich also um ein in der Pandemie bereits weidlich verwendetes Satzgerüst. Nur, dass „Sport alleine“ oder „Aufenthalt im Freien alleine“ ein recht lebensnahes, wenn schon nicht lebensfrohes Szenario darstellen - eine „Zusammenkunft alleine“ hingegen sogar in der Corona-Krise ein Paradoxon bleiben wird. Immerhin: Solange das Alleinesein erlaubt bleibt, wird die kleine sprachliche Unschärfe das für die Corona-Bekämpfung wichtige Dokument wohl nicht anfechtbar machen. (fn)

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