Bundeskanzlerin Angela Merkel und Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.
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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur mit einem Kommentar zur Corona-Notbremse.

Kommentar

Digitaler Impfpass - nächste Blamage für Merkels Regierung

  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Der Lockdown für Geimpfte fällt. Die Bundesregierung ist mit ihrem digitalen Impfpass in Verzug. Ein Versäumnis mit Vorsatz, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Deutschland freut sich, dass die Impfkampagne Fahrt aufnimmt – und Merkels Koalition sich endlich herbeibequemt, Geimpften und Genesenen einen Teil ihrer Rechte zurückzugeben. Doch um die Ecke lugt schon die nächste Blamage: Zu spät hat die Regierung den digitalen Impfpass in Auftrag gegeben, mit dem die Bürger per Handy nachweisen können, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Fertig sein soll er erst Ende Juni. Die Folge: die nächste Zettelwirtschaft, diesmal mit den gelben Impfheften, Angst vor massenhaften Fälschungen und die Sorge, dass Deutschland die europäische Reisefreiheit ab Juni verstolpert.

Der Kanzlerin ist’s recht. Sie bremste beim EU-Impfpass, dass es quietschte. Kanzleramtsminister Braun wollte den Deutschen Urlaub sogar erst wieder im August erlauben. Aber mal im Ernst: Soll so der Alltag nach Corona organisiert werden, in dem das Leben wieder hochgefahren wird, Biergärten und Hotels öffnen, aber nur mit Tests plus Anmeldung plus endlosem Papierkrieg?

Digitaler Impfpass - und das auch nur auf Druck der EU

Ausgerechnet aus Brüssel, wo auch nicht nur Könner am Werk sind, gibt’s dafür spitze Bemerkungen: Spahns Idee, dass nun Apotheken (womöglich gefälschte) Daten aus dem gelben Impfheft in den digitalen Impfpass übertragen sollen, stamme nicht von der EU. Andere Länder haben ihre nationalen Gesundheitssysteme längst digitalisiert. Da flutscht die Sache. Es ist zum Genieren, dass man in Berlin erst im achten Monat der Pandemie, als andere Länder bereits mit Elan die Nach-Corona-Zeit managten, über einen Handy-Impfpass sinnierte, und auch das nur auf Druck aus der EU.

Doch man kennt das Muster und die digitale Blindheit unseres Landes: Die Kontaktnachverfolgungs-App gibt’s bis heute nicht. Dafür wurde der Dauerlockdown für alternativlos erklärt. Es stimmt: Dieses Virus brachte alle an ihre Grenzen, auch die Politik. Aber bei allem „Fahren auf Sicht“ wäre es nicht verboten gewesen, schon mal ein paar Gedanken daran zu verschwenden, wie wir unser Leben organisieren, wenn Corona nach und nach verschwindet.

Video: Der EU-Impfpass soll kommen

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