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Julia Klöckner (re.) und Annegret Kramp-Karrenbauer gelten aktuell als Mit-Favoritinnen für die Nachfolge Angela Merkels

Statt Spahn und Kramp-Karrenbauer

Merkels Nachfolge: Gibt es eine neue Geheimfavoritin?

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Vorerst hat Angela Merkel das Ruder wieder fest in der Hand. Aber die Spekulationen über ihre Nachfolge blühen - dabei gerät eine Parteifreundin unerwartet immer mehr in den Fokus.

Berlin - Es ist eine der wenigen gefühlten Gewissheiten in der Politik der Bundesrepublik: Mit dem Ende der laufenden Legislaturperiode wird wohl eine Ära zu Ende gehen - sei es nun zum regulären Wahltermin 2021. Oder aber mit vorgezogenen Neuwahlen. 

Wer übernimmt ihre Nachfolge? Angela Merkel.

Denn dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine fünfte Wiederwahl und damit womöglich volle zwei Jahrzehnte an der Macht anstrebt, es erscheint fast ausgeschlossen: Fast drei Amtszeiten lang war Merkel die unangefochtene Galionsfigur der CDU. Zuletzt rumorte es aber in der Partei. Laut und vernehmbar etwa in Person des konservativen Shootingstars Jens Spahn - in leiseren Zwischentönen zum Beispiel auch aus dem Munde des grundseriösen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther.

Wie eine CDU und ein Kanzleramt ohne Merkel aussehen könnte - das ist eine Frage, die schon jetzt die Fantasie der Kommentatoren anregt. Zumal Merkel den gegenwärtigen Burgfrieden in der Partei auch mit einem alten Kniff garantiert hat: Sie hat ihre Kritiker einfach mit ins Boot geholt.

Ist Merkels Nachfolger(in) unter den neuen CDU-Amtsträgern?

Durchaus denkbar, dass die neue Führungsfigur der CDU in diesem Frühjahr (wieder) ein Amt bekommt: Langzeit-Favoritin Ursula von der Leyen würde wieder Verteidigungsministerin in der GroKo werden. Spahn könnte als Gesundheitsminister an den Kabinettstisch rutschen. Und Merkels bisheriges Regierungschefinnen-Pendant aus dem Saarland, Annegret Kramp-Karrenbauer, darf sich nun als Generalsekretärin der CDU profilieren.

Möglich ist auch, dass es am Ende eine lachende Vierte gibt, die noch vor ein paar Wochen im Hintergrund stand: Julia Klöckner nämlich. Bislang führte die 45-Jährige unfallfrei Partei und Fraktion in Rheinland-Pfalz - wenn auch ohne Wahlsieg. Nun ist sie designierte Landwirtschaftsministerin und könnte auf die große Berliner Bühne rutschen.

Über alle Neuigkeiten zur Regierungsbildung halten wir Sie in unserem GroKo-Ticker auf dem Laufenden.

Julia Klöckner in Berlin: Wohin geht die Reise für die CDU-Frau

Für so einige Beobachter ist Klöckner schon jetzt eine Geheimfavoritin als Merkel-Nachfolgerin: Der Nachrichtensender n-tv kürte Julia Klöckner jüngst zur „Person der Woche“, Focus Online mahnt, man dürfe die Rechnung „nicht ohne Klöckner machen“.

Julia Klöckner: Hat sie schon jetzt die beste Ausgangsposition?

Tatsächlich gibt es einige Argumente, die für Klöckner zu sprechen scheinen: Ursula von der Leyen wurde bereits als Nato-Chefin ins Gespräch gebracht. Und anders als ihre anderen mutmaßlichen Konkurrenten im Nachfolgerennen hat sich Klöckner augenscheinlich in eine komfortable Ausgangslage zwischen den Parteiflügeln gebracht.

Denn während Kramp-Karrenbauer als eine Art „Mini-Merkel“ gilt (ein Attribut, das ihr nach möglichen 16 Jahren Merkel Kanzlerschaft auf die Füße fallen könnte) und Spahn mit markigen Äußerungen zum Vertreter des rechten Parteiflügels mutierte, fiel Klöckner auf Bundesebene eher durch das „Wie“ ihres Auftretens auf: Verbindlich, präzise und ohne großes Gepolter ist die CDU-Vize zuletzt immer häufiger in den einschlägigen TV-Talkshows aufgetreten. Für große Schlagzeilen reichte das selten - für ein positives Image allemal.

Zwischen Homo-Ehe und Burka-Verbot

Und auch inhaltlich ist Klöckner wohl breit genug aufgestellt, um bei der CDU-Basis und vielleicht auch beim Wahlvolk gut anzukommen. Denn die Tochter einer Winzerfamilie ist einerseits bekennende Katholikin und fordert schon mal ein Burka-Verbot - andererseits ist sie aber auch liberal genug, um die Homo-Ehe zu tolerieren, womöglich sogar mit kirchlichem Segen. Vielleicht eine Variante für eine Art „großstädtischen Konservativismus“.

Wie Spahn hat sich übrigens auch Klöckner in der Flüchtlingskrise von Merkel abgegrenzt - aber um einiges subtiler, mit konkreten Vorschlägen für eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen und der Forderung nach einer Pflicht zu Sprachkursen und Gesetzes- und Verfassungstreue für Neuankömmlinge. Das klang gleich wesentlich moderater oder auch staatstragender als bei Spahn, taugte aber immer noch als Anlass für eine Kontroverse.

Alle Kandidaten müssen neue Qualitäten zeigen

Wie der Wettkampf um Merkels Nachfolge im Hintergrund ausgeht, bleibt freilich abzuwarten. Schließlich hat die Kanzlerin die Kandidaten allesamt in interessante Positionen gepackt: Die eher zahme Annegret Kramp-Karrenbauer wird als Generalsekretärin eine krawalligere Seite zeigen müssen. Spahn dürfte als Minister etwas staatstragender agieren müssen. 

Und Julia Klöckner darf sich im heiklen Amt als Landwirtschafts- und Vebraucherschutz-Ministerin als Vermittlerin zwischen widerstreitenden Interessen ausprobieren. Hier die Landwirte als klassisches Klientel der CDU - dort die kritischen Verbraucher, die sich von einer Ministerin und möglichen Kanzlerin in spe gut vertreten fühlen wollen. Ein Balanceakt. Aber immerhin kein völlig neues Gefühl für eine Politikerin, die in ihrem Bundesland das großstädtische Rhein-Main-Neckar-Gebiet und Hunsrück und Westerwald unter einen Hut bekommen muss.

Für Spahn, Kramp-Karrenbauer und auch Klöckner gilt jedenfalls: Wer in einer möglichen GroKo an Profil gewinnen will, muss als vielseitiger Politiker überzeugen. Oder, wie es Merkel selbst bei der Vorstellung ihrer designierten Ministerriege formulierte: Die Newcomer müssen sich „bewähren“ und ihren „Erfahrungsschatz erweitern“. Fast klingt es nach einem Contest aus einer Castingshow für Kanzlerkandidaten - handfeste Dschungelprüfungen nicht ausgeschlossen.

Lesen Sie auch: SPD-Mitgliederentscheid als letzte GroKo-Hürde - wann gibt es ein Ergebnis?

fn

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