Angela Merkel setzt sich eine FFP2-Maske auf, daneben Kommentator Georg Anastasiadis
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Ein Kommentar von Georg Anastasiadis

Merkur-Kommentar

Nord Stream 2: Merkels geostrategisches Desaster

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Russlands Präsident Putin hat mit Nord Stream 2 erreicht, was er wollte. Kanzlerin Merkel hingegen ist die große Verliererin. Bezahlen müssen am Ende andere. Ein Kommentar.

München - Gleich nach dem Durchbruch in den Verhandlungen mit den USA über die Fertigstellung der Ostseepipeline habe die Kanzlerin Präsident Wladimir Putin angerufen, wurde in Berlin verbreitet. Angela Merkel dürfte einen gut gelaunten Kremlchef erlebt haben. Schließlich hat Putin alles erreicht, was er wollte: Deutschland hängt energiepolitisch künftig am Tropf Russlands, Europa ist sicherheitspolitisch zerbrochen und die Ukraine als nicht mehr benötigtes Transitland fortan mehr denn je den Launen des Autokraten in Moskau ausgeliefert.

Der Stratege im Kreml ist der Gewinner eines geopolitischen Spiels, aus dem die – nur vermeintlich stets vom Ende her denkende – Kanzlerin als große Verliererin hervorgeht: Merkels rein wahltaktisch motivierte Entscheidung, nach Fukushima überstürzt aus der Kernenergie auszusteigen, warf nicht nur die Klimapolitik Deutschlands um Jahre zurück. Sie zerstörte die energiepolitische Unabhängigkeit der europäischen Hegemonialmacht und trieb sie in die offenen Arme Putins. Berlin hat damit sämtlichen Kredit, den es bei seinen Verbündeten hatte, aufgebraucht: Besonders die Länder Ostmitteleuropas werden Deutschland seinen Alleingang nicht verzeihen. Und in den USA wird Präsident Joe Biden noch eine Rechnung aufmachen für seine Nachgiebigkeit, die ihn gegenüber dem Trump-Lager massiv unter Druck bringt.

Nord Stream 2: Merkel brachte Deutschland mit ihrer Haltung in unhaltbare Lage

Merkels jahrelange Halsstarrigkeit, das Projekt gegen jede Vernunft auf Biegen und Brechen durchzudrücken, hat Deutschland in eine unhaltbare Lage gebracht. Zuletzt gab es nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera: Ein Stopp der Pipeline auf den letzten Metern hätte Milliarden vernichtet und das Verhältnis zu Moskau zerstört. Doch auch ihre Vollendung verschlingt horrendes politisches Kapital. Bezahlen müssen den Preis für Merkels geostrategisches Desaster die Stromkunden und ihre Nachfolger im Kanzleramt. Die Milliardenentschädigung für die Ukraine ist nur die erste kleine Anzahlung.

Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

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