Angela Merkel
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Angela Merkel bei einem Podiumsgespräch im Schauspielhaus Düsseldorf.

Kanzlerin über den Tod ihrer Mutter

Merkel wird bei Podiumsdiskussion ungewohnt privat – und spricht über ihre Pläne nach der Kanzlerschaft

  • VonClara Marie Tietze
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Nach 16 Jahren als deutsche Bundeskanzlerin tritt Angela Merkel nun ab. Doch Privates weiß man von ihr auch nach den vielen Jahren kaum. Nun spricht sie offen.

Düsseldorf - Bei einer Podiumsdiskussion im Düsseldorfer Schauspielhaus war neben der renommierten nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie, der Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel und der Journalistin Léa Steinacker auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel vertreten. Und die überraschte mit besonders privaten Einblicken in ihre Kindheit, ihre bisherige Karriere und auch in ihre Zukunftspläne nach der Kanzlerschaft.

Denn als Kind habe sie besonders geprägt, dass sie mit geistig Behinderten zusammen aufgewachsen ist. Dadurch konnte sie später ohne Berührungsängste an diese Themen rangehen. Auch ihr Physikstudium hinterließ Spuren bei der 67-Jährigen. Denn gerade in einem Feld, in dem laut eigener Aussage 80 Prozent der Studierenden Männer sind, musste sie sich als Frau oft beweisen und habe gelernt, sich ihren Platz zu erkämpfen.

Merkel ungewöhnlich privat bei Podiumsdiskussion: „Das find ich schon schwer“

Auch Ausschweife in die politische Richtung kann die Kanzlerin nicht lassen. So resümiert sie nochmal die schwierigste Zeit ihrer Kanzlerschaft: Bei der Eurokrise habe sie den Menschen in Griechenland zu viel zugemutet. Besonders gut in Erinnerung wird die scheidende Kanzlerin große Kompromissfindungen behalten. Beispielsweise den Punkt, an dem die europäische Gemeinschaft doch noch auf einen Nenner bei den Corona-Hilfen kam.

Doch auch privat war es gerade in den letzten Jahren schwer: Merkels Mutter starb im April 2019 im Alter von 90 Jahren. Die beiden sollen ein besonders vertrautes Verhältnis zueinander gehabt haben. Wahrscheinlich ein Grund, warum die Bundeskanzlerin zu dieser Zeit nicht sehr gerne in die Öffentlichkeit tritt: „Wenn man dann immer angeguckt wird: Sieht man was? Das find ich schon schwer. Da muss man sich seinen Raum bauen.“

Merkel korrigiert Feminismus-Standpunkt: „Wir sollten alle Feministen sein“

Dann wird ein Thema angesprochen, welches viele Gäste scheinbar schon sehnsüchtig erwartet haben: Feminismus. Bereits 2017 äußerte sich Merkel zu dem Thema, wollte damals aber nicht als Feministin bezeichnet werden. In Düsseldorf korrigierte sie diese Aussage nun. Mit dem Hinweis, es ginge dabei darum, dass Männer und Frauen in gleichen Maße am gesellschaftlichen Leben teilnähmen, kann sich die Kanzlerin durchaus mit dem Begriff identifizieren.

„In diesem Sinne kann ich heute bejahend sagen: Dann bin ich Feministin. Das habe ich damals auf der Bühne schon etwas schüchtern vorgebracht. Heute ist das besser durchdacht. In diesem Sinne kann ich sagen: Ja, wir sollten alle Feministen sein“, erklärt Merkel. Genau darauf scheint das Publikum gewartet zu haben, denn diese Zuschreibung löst unter den Anwesenden tosenden Applaus aus.

Merkel über ihre Zeit nach der Kanzlerschaft: „Mache ich eben erstmal nichts“

Für ihre Zukunft und das Leben nach der Kanzlerschaft findet die Politikerin gewohnt entspannte Wort. Seit ihrem Einstieg in die Politik Ende der 80er-Jahre habe sie sich kaum mehr gefragt, was sie neben der Politik eigentlich noch interessiere. „Möchte ich schreiben? Möchte ich reden? Möchte ich wandern? Möchte ich zu Hause sein? Möchte ich in die Welt fahren?“

„Und dazu, hab ich mir vorgenommen, mache ich eben erstmal nichts und warte mal, was so kommt. Und das, finde ich, ist sehr faszinierend“, ergänzt die langjährige CDU-Frontfrau. Bis dahin lässt sie es aber offensichtlich wenig ruhig angehen. Im Bundestagswahlkampf überraschte Merkel zuletzt mit einem ungewohnt direkten Angriff auf ihren Vize Olaf Scholz. Und auch mit den Forderungen der afghanischen Taliban wird sie sich beschäftigen müssen.

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