Angale Merkel und Armin Laschet bei einem Treffen in der Essener Zeche Zollverein.
+
Kater nach 16 Jahren Angela Merkel? Die CDU debattiert über neue Kanzler-Regeln

Union „träge geworden“

Merkel-Ära eine Belastung? CDU-Landeschef will einschneidende Änderung bei Kanzler-Regel

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
    schließen

Die CDU ist im Kater-Modus: Nach dem Söder-Laschet-Kampf - und nach 16 Jahren Angela Merkel. Ein Landeschef will Konsequenzen ziehen.

Hannover/Berlin - Der Kanzler-Kampf und seine schmerzhaften Nachwehen wollen für die Union scheinbar einfach nicht enden: Auch am Wochenende - eine Woche nach der Kanzlerkandidaten-Kür - flogen Sticheleien zwischen Markus Söder und Armin Laschet.

Die Schwesterparteien wollen früher oder später Konsequenzen ziehen - und womöglich ein gemeinsames Gremium zur Kanzlerfindung installieren. Laschet selbst erklärte am Wochenende der Süddeutschen Zeitung: „Darüber für die Zukunft nachzudenken, lohnt alle Anstrengung.“ Doch die Überlegungen für neue Leitplanken in der CDU gehen noch wesentlich weiter. Zweifel gibt es mittlerweile offenbar auch, ob die 16 Jahre währende Ära Angela Merkel für die Union von Vorteil war.

Merkel-Ära als Bürde? CDU-Landeschef will Amtszeit der eigenen Kanzler begrenzen - „Träge geworden“

So will der niedersächsische CDU-Vorsitzende Bernd Althusmann die Amtszeit von Kanzlern der CDU auf zwei begrenzen - und die Legislaturperioden verlängern. „Wir sollten als Partei festlegen, die Kanzlerschaft auf zwei Wahlperioden zu begrenzen“, sagte Althusmann in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Wahlperioden sollten von vier auf fünf Jahre erhöht werden, um dann auf „maximal zehn Jahre“ Amtszeit zu kommen.

Nach der Ära Merkel müsse sich die CDU inhaltlich und personell modernisieren, sagte der Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident in Hannover. Die Union sei „durch die lange Amtszeit Angela Merkels vielleicht etwas zu selbstsicher, manchmal auch träge geworden“. Unter anderem der Grüne-Fraktionschef Anton Hofreiter hatte der Union zuletzt ein Problem mit vorausschauendem Handeln attestiert. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass viele deutsche Wahlberechtigte ähnlich denken.

Söder und Laschet: Kritik aus Niedersachsen - Auseinandersetzung „zu hart“ und Ergebnis eines „Versäumnis“

Althusmann übte aber auch Kritik am Umgang zwischen Laschet und Söder. Er nannte die Auseinandersetzung zwischen CDU und CSU über die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet unnötig hart. Auch das sei das Ergebnis versäumter Erneuerung gewesen. Die Unionsparteien hätten trotz schlechter Erfahrungen „immer noch kein geordnetes Verfahren zur Festlegung eines gemeinsamen Kanzlerkandidaten“.

Die Unionsparteien sind zuletzt in mehreren Umfragen heftig abgestürzt. An denkbaren Gründen mangelt es nicht: Von Unzufriedenheit mit dem offenbar wenig populären Kanzlerkandidaten Laschet über den teils zerstörerischen Kampf zwischen CDU und CSU bis hin zur nach wie vor scharf in der Kritik stehenden Corona-Politik der Bundesregierung.

Laschet bestätigt: Auch Söder soll in Sachsen-Anhalt helfen - Merkel-Bonus wird nicht mehr helfen

Laschet bemühte sich am Montag, weiter Schärfe aus dem Verhältnis zu Söder zu nehmen. Der CDU-Chef erklärte bei einer Pressekonferenz, er freue sich sehr, dass Markus Söder zugesagt habe, bei der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor Ort im Wahlkampf zu unterstützen. Zuvor hatte auch schon Friedrich Merz Auftritte in dem Bundesland angekündigt. Die CDU steht dort in einem Zweikampf mit der AfD.

Auch Laschet mahnte die Union nun, sie könne nicht mehr auf die Karte Merkel setzen. „Wir werden nicht für das gewählt, was in 16 Jahren gut war.“ Entscheidend sei der Plan für die Zukunft. (fn/dpa)

Auch interessant

Kommentare