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Angela Merkel äußert sich wieder zu Russland – Melnyk tobt: „Klingt für Ukrainer fast pervers“

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Von: Felix Durach

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Angela Merkel hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage über Russland und den Ukraine-Krieg gesprochen. Dabei irritierte die Altkanzlerin erneut mit ihren Aussagen.

Goslar – Ende 2021 ist Angela Merkel nach 16 Jahren als Kanzlerin aus dem Amt ausgeschieden. Seitdem sind ihre öffentlichen Auftritte rar geworden. Umso größer ist deshalb auch das Interesse, wenn sich die Altkanzlerin doch einmal wieder in die Öffentlichkeit wagt. Und umso genauer wird auch hingehört, wenn die 68-Jährige über die politische Lage in Deutschland und Europa spricht.

Merkel tritt wieder öffentlich auf – Altkanzlerin zu Gast bei Festakt in Goslar

So nun auch bei einem Auftritt Merkels am Donnerstag (29. September). Die Altkanzlerin war für den Festakt zu „1100 Jahre Goslar“ in Niedersachsen zu Gast. Merkel hatte wohl auch auf Einladung ihres ehemaligen Stellvertreters Sigmar Gabriel (SPD) an der Veranstaltung teilgenommen, um dessen Heimatstadt zu ehren. Bei ihrer Rede – die Kanzlerin sprach wegen einer Knieverletzung im Sitzen – kam Merkel auch auf die aktuelle politische Lage zu sprechen.

Die Altkanzlerin kommentierte zwar die Politik ihrer Nachfolger in Berlin nicht, richtete den Blick aber dennoch auf die aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg. Zum zweiten Mal in nur einer Woche sorgte Merkel dabei mit Aussagen über Russland und dessen Präsidenten Wladimir Putin für Aufsehen.

Merkel fordert gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur - „unter Einbeziehung Russlands“

Merkel bezeichnete die russische Invasion in die Ukraine im Februar zunächst als „tiefgreifende Zäsur“, wie Focus Online berichtet. Russlands Überfall auf das Nachbarland sei „die größte Verletzung der völkerrechtlichen Prinzipien in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg“.

Merkel attestierte deshalb Handlungsbedarf: Es müsse langfristig an einer gesamteuropäischen Sicherheitsarchitektur gearbeitet werden, fordert die Kanzlerin – „Auch unter Einbeziehung Russlands.“

Trotz bervorstehender Annexionen in der Ukraine – Merkel fordert Einbeziehung Russlands

Wladimir Putin will Berichten zufolge noch am Freitag die Annexion der Gebiete Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja offiziell machen, nachdem dort in den letzten Tagen Scheinreferenden abgehalten wurden. Nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 würde das erneute eine völkerrechtswidrige Gebietserweiterung auf Kosten der Ukraine darstellen. Auf Grundlage dieser Entwicklungen scheint eine Zusammenarbeit mit Moskau an einer „gesamteuropäischen Sicherheitsarchitektur“ aktuell nur schwer vorstellbar.

Eine Einschätzung, zu der auch die Altkanzlerin kommt. „Dieses Ziel komme uns heute vielleicht so wenig realistisch vor wie Adenauer im Jahr 1950 in Goslar die Wiedervereinigung“, betont Merkel. Und dennoch müsse man es versuchen. Kritik an den Aussagen ließ dabei nicht lange auf sich warten. Andrij Melnyk, der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland, polterte bereits am Freitagmorgen gegen die Kanzlerin.

Melnyk kritisiert Altkanzlerin Merkel – „Klingt für Ukrainer fast pervers“

„Diese grenzwertige Besessenheit der Alt-Kanzlerin mit Terrorstaat-Russland macht fassungslos. Am Tag, wenn Putin 15% der Ukraine raubt, schwärmt Frau Merkel von ‚Einbeziehung Russlands‘ zur europäischen Sicherheitsarchitektur. Das klingt für Ukrainer fast pervers“, schrieb der 47-Jährige auf Twitter.

Bereits am Dienstag hatte Merkel mit Aussagen über Russland für Aufsehen gesorgt. Angesprochen auf Wladimir Putin, erklärte die 68-Jährige: „Man sollte seine Worte ernst nehmen.“ Die Altkanzlerin forderte: „Worte ernst zu nehmen, sie nicht von vornherein damit abzutun, sie seien nur ein Bluff, sondern sich ernsthaft mit ihnen auseinanderzusetzen.“ Auch an diesen Aussagen übte Melnyk scharfe Kritik. (fd)

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