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Joachim Hermann (r.) neben Angela Merkel.

Bayerns Innenminister will nach Berlin

Merkel und Herrmann - kann das gut gehen?

Nach zehn Jahren im Amt ist Bayerns Innenminister Herrmann fachlich sicherlich bereit für den Gang nach Berlin. Doch bei der Suche nach dem Bundesinnenminister sind auch andere Fragen entscheidend.

Bad Kissingen/Berlin - Eben ging Angela Merkel der Name des CSU-Spitzenkandidaten noch flüssig über die Lippen - jetzt stockt sie mehrere Sekunden lang. Wie heißt der bayerische Innenminister gleich noch mal? Es liegt ihr auf der Zunge, auf Zuruf fällt es der Kanzlerin dann wieder ein: „Joachim Herrmann. So!“ Das Publikum in Bad Kissingen gluckst amüsiert, auch der Betroffene nimmt es mit Humor. Nach ihrer Rede gibt Merkel ihm im Vorbeigehen einen Klaps auf den Unterarm und lacht.

Die Szene beim Wahlkampfauftritt Merkels und Herrmanns im Kurort in Unterfranken zeigt, dass sich die zwei noch kennenlernen müssen. Denn für die Zeit nach der Bundestagswahl steht eine Personalie an, die auch für CSU-Chef Horst Seehofer die wohl wichtigste abseits der K-Frage sein dürfte: Können die Christsozialen knapp vier Jahre nach Hans-Peter Friedrich wieder den Bundesinnenminister stellen?

Aber Moment mal, da war doch was. Waren sich nicht CSU und CDU im Zuge der Flüchtlingsdebatte über Monate hinweg spinnefeind? Fordert die CSU nicht mit der Obergrenze eine Regelung für Migranten, die die CDU-Kanzlerin vehement ablehnt? Eigentlich keine gute Basis für die Vergabe des Schlüsselministeriums, das, wie es heißt, ein besonderes Vertrauen zwischen Kanzlerin und Ressortchef erfordert.

Für den CSU-Mann steht dem nichts im Wege: „Ja, ich habe da keinen Zweifel“, sagt Herrmann auf die Frage, ob er der Kanzlerin, die 2015 die Grenzen nicht schloss, zu 100 Prozent vertraue. „Wenn man mit ihr was ausmacht, das weiß ich, dass das dann auch so ist. Und wenn sie sich festgelegt hat, ist sie auch nur noch schwer davon wegzubringen.“

Hermann beschreibt Verhältnis zu Merkel nüchtern

Wer Herrmann nicht kennt, könnte aus der Aussage eine Skepsis hören, doch dies würde ihm nicht gerecht. Der 60-Jährige verzichtet gerne auf Lob und Kritik in der Öffentlichkeit. „Das ist nicht mein Stil“, betont Herrmann. Weggefährten sehen hier eine Gemeinsamkeit mit der Kanzlerin: eine extrem rationale Denk- und Arbeitsweise.

Sein Verhältnis zu Merkel beschreibt Herrmann nüchtern: „Über die Jahre gab es nie besondere Probleme oder dergleichen.“ Er habe immer gut mit dem Kanzleramt zusammengearbeitet - etwa 2015 beim G7-Gipfel in Bayern. „In Elmau war sie sehr zufrieden, es gab nur schöne Bilder, die um die Welt gegangen sind.“ Trotz politischer Differenzen habe Merkel sogar bei der Flüchtlingsproblematik registriert, dass die Bayern es waren, die „die dafür gesorgt haben, dass es kein Chaos gab“.

Im Wahlkampf haben Merkel und Herrmann noch viele Chancen, sich besser kennenzulernen. Und vielleicht lernt Merkel dabei auch das zu schätzen, was Seehofer ins Schwärmen bringt: „Herrmann ist fachlich hochkompetent, absolut verlässlich, menschlich integer und auch in der Lage, die schwierigsten Aufgaben zu lösen.“

Bundesweit hat sich Herrmann etwa beim Amoklauf in München oder den Terroranschlägen in Würzburg und Ansbach einen Namen gemacht. Seit 2007 verantwortet er das bayerische Innenministerium, präsentiert Einbruchszahlen und lobt den Freistaat als sicherstes Bundesland.

Und wie sieht es die Kanzlerin? Die lässt beim Wahlkampf in Bad Kissingen durchblicken, dass sie in Sachen innere Sicherheit große Stücke auf Herrmann zu halten scheint. Über das Thema wolle sie gar nicht so viele Worte verlieren, da dieser es eben „viel kompetenter“ getan habe, sagt sie über Herrmann, der vor ihr sprach.

„Ich sehe das entspannt“

Doch da wäre ja auch noch Amtsinhaber Thomas de Maizière mit dem CDU-Parteibuch. Was passiert dann mit ihm? Klar ist wohl schon jetzt, nur mit einem sehr, sehr guten Wahlergebnis in Bayern dürfte die CSU im unionsinternen Rennen um das Amt überhaupt eine Chance haben.

Mit Herrmann bekäme Merkel einen eigenwilligeren Innenminister. Die CSU stehe für einen starken Staat, der seine Grenzen schütze und die Kontrolle darüber habe, wer in das Land komme, sagte er im Mai bei seiner Nominierung. „Eine Situation wie 2015 darf sich nicht wiederholen und wird sich nicht wiederholen. Dafür stehe ich.“

Ein anderer Posten in Berlin kommt für den CSU-Spitzenkandidaten Herrmann übrigens nicht infrage. „Ich habe mich nicht danach gedrängt. Aber wenn wir die Wahl gewinnen, bin ich bereit, dort mehr Verantwortung zu übernehmen“, sagt er. Und sollte es nicht klappen, wolle er in Bayern weitermachen. „Ich sehe das entspannt. Aber es ist schon klar: Ich habe mich für Berlin entschieden und mache das jetzt mit vollem Einsatz. Und dann will ich auch, dass das klappt.“

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