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MM-Redakteur Lorenz von Stackelberg.

Kommentar von Lorenz von Stackelberg

Merkels eindrucksvoller TV-Auftritt: Mission ihres Lebens

München - Merkels Ziel ist die Einheit Europas in der Flüchtlingskrise, daran hält sie eisern fest. Das verdient Bewunderung; man kann nur hoffen, dass die Geschichte ihr Recht gibt. 

Keine Vision, keine Ziele, keine Prinzipien: Der Daumen-im-Wind-Politiker ist die Achillesferse des Politikbetriebs. Er denkt in eigener Sache bis zur nächsten Wahl, hangelt sich von Kompromiss zu Kompromiss, verrät das als richtig Erkannte skrupellos an das Populäre. All das tut Angela Merkel nicht – und steht dennoch im Feuer wie nie zuvor. 

Die Kanzlerin ist auf der Mission ihres Lebens. Ihr Ziel ist die Einheit Europas in der Flüchtlingskrise, und daran hält sie eisern fest. Mögen auch ihre Popularitätswerte in den Keller rauschen, Parteifreunde zuhauf auf Distanz gehen, Sympathiechoräle sich in Schmähgeheul verwandeln – die Kanzlerin weicht und wackelt nicht. Das erinnert an Helmut Schmidt und den Nato-Nachrüstungsbeschluss, an Gerhard Schröders Agenda 2010 und an Helmut Kohls unerschütterlichen Glauben an die Wiedervereinigung. 

Das explosive Problem wird nur verlagert

Es verdient Bewunderung, ob man ihr zustimmt oder nicht. Während die halbe Republik von Starrsinn spricht, ist für die Physikerin im Kanzleramt die Analyse glasklar: Europa muss die Flüchtlingskrise gemeinsam lösen, oder es wird an ihr zerbrechen. Denn die momentane Entspannung nach Grenzschließungen in Österreich und auf dem Balkan ist eine scheinbare; das explosive Problem wird nur verlagert – ausgerechnet ins fast funktionsunfähige Griechenland. Und dann? Die Todesflotten in der Ägäis und vor Italien sind immer noch grausige Realität. 

Man kann Angela Merkel blauäugige Rhetorik, fahrlässige Psychologie vorwerfen, als niemand das hässliche Wort „Abschreckung“ in den Mund nehmen wollte. Inzwischen hat sie etliche Stellschrauben nachjustiert. Wer aber die Lösung in nationalen Barrieren sucht, solange noch ein Funken Hoffnung glimmt, der könnte einen irreversiblen Abschottungswettbewerb auslösen, der das Konstrukt EU zerreißt. 

Kein Wunder, dass die Kanzlerin bei ihrem eindrucksvollen TV-Auftritt von einem Plan B nichts wissen wollte: Sie will einfach nicht glauben, dass Europas Eliten aus innenpolitischen Motiven alle Lehren auf den Müll werfen, die sie aus zwei Weltkriegen gezogen haben. Man kann nur hoffen, dass die Geschichte ihr Recht gibt.

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