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Sicherheitspersonal auf dem Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin Spandau.

Gab es Mitwisser oder gar Komplizen?

Die letzten Tage des Anis Amri

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München – Ließ sich Anis Amri kurz nach dem Anschlag in Berlin von einer Videokamera am Bahnhof Zoo filmen? Auf den Bildern ist ein Mann zu sehen, der inne hält und den Zeigefinger zum Himmel hebt. Die Ermittler rekonstruieren seine letzten Tage.

Es ist der Abend des 19. Dezember, nur ein paar Minuten nachdem auf dem Berliner Breitscheidplatz ein Lkw in den Weihnachtsmarkt gerast ist. Eine Videokamera am nahegelegenen Bahnhof Zoo fängt einen Mann ein, der sich offenbar sehr bewusst ist, in diesem Moment gefilmt zu werden. Er hält inne, hebt den Zeigefinger zum Himmel. Der Tauhid-Gruß ist das Zeichen der Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates. Die Ermittler glauben, dass es sich bei dem Mann auf dem Video um Anis Amri handelt. Und sie sind sich inzwischen ganz sicher, dass er der Täter vom Breitscheidplatz ist.

Während das Land über die Konsequenzen des Anschlags diskutiert und immer mehr Details bekannt werden, wie viele Behörden sich im Vorfeld mit dem Tunesier beschäftigten, ohne ihn zu stoppen, versuchen die Karlsruher Ermittler die letzten Tage im Leben des Anis Amri zu rekonstruieren. Dabei stießen sie auf zwei Männer, die offenbar bis zuletzt Kontakt mit dem Terroristen hatten. Waren es Mitwisser? Oder gar Komplizen?

Anis Amri aß am Vorabend des Anschlag in Berlin Mitte

Ein Restaurant im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen im Bezirk Mitte: Am Vorabend des Anschlags aß Amri hier mit einem 26 Jahre alten Tunesier zu Abend. Die beiden hätten sich intensiv unterhalten, berichtet Frauke Köhler, die Sprecherin des Generalbundesanwalts. Es bestehe der Verdacht, dass der Mann „von den Anschlagsplänen wusste und möglicherweise Anis Amri geholfen hat“, sagt Köhler. Die Fahnder durchsuchen in der Nacht zu Mittwoch das Asylbewerberheim in der Motardstraße in Berlin-Spandau, in dem der Mann lebt. Sie verhören ihn, stellen „Kommunikationsmittel“ sicher – nur zu einem Haftbefehl reicht das alles noch nicht. Doch da die Berliner Kollegen zeitgleich wegen Leistungsbetrugs in Höhe von rund 2500 Euro ermitteln, bleibt der Tunesier vorerst im Gefängnis. Es ist der gleiche Verdacht, den die Staatsanwaltschaft Duisburg im April 2016 gegen Anis Amri hegte – das Ermittlungsverfahren später aber einstellte.

Die zweite Razzia in der Nacht gilt dem ehemaligen Mitbewohner Amris. Im Herbst 2016 teilten sich die beiden Männer in Gesundbrunnen ein Zimmer. Ihn versucht der Terrorist am Vormittag vor seiner Tat anzurufen, wobei die Ermittler nicht wissen, ob die Kontaktaufnahme erfolgreich verlief. Dafür wissen sie anderes: Amri hält sich am Tattag bereits am Nachmittag am Friedrich-Krause-Ufer auf, wo der Lkw parkt. Später geht er kurz in die Perleberger Straße in Berlin-Moabit zum nicht weit entfernten „Fussilet 33“, den der „Tagesspiegel“ als den „wohl berüchtigtsten Moscheeverein der Stadt“ bezeichnet. Der dubiose Islamisten-Treffpunkt liegt nur 600 Meter entfernt von dem Ort, an dem Amri in einem Handy-Video dem Islamischen Staat die Treue schwor.

Später kehrte er zum Friedrich-Krause-Ufer zurück, wo er nach bisherigen Ermittlungen den polnischen Lastwagenfahrer erschoss. Der Lkw war entgegen der Fahrtrichtung geparkt. Die Fahrertür, in Richtung Spree, damit schwer einsehbar. Frauke Köhler berichtet gestern, der 37-jährige Lukasz Urban habe wohl auf dem Beifahrersitz gesessen. Da man am Ufer ein Projektil der Waffe fand, die Amri auch bei seinem Tod in Mailand noch bei sich hatte, gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass Urban gleich zu Beginn der Entführung erschossen wurde. Es gebe auch Schmauchspuren an der Tür. Probleme bereitet den Ermittlern dagegen die Frage, wie Amri an die Waffe gekommen ist.

Zwei Tage nach der Tat wurde er in den Niederlanden gefilmt

Es gibt viele, die sich derzeit über den Fall den Kopf zerbrechen. Auch jene, die nun versuchen nachzuzeichnen, was zwischen den Behörden falsch lief. Über ein Jahr war der Gefährder auf dem Schirm der Behörden, dennoch schlug er zu.

Ermittelt wird auch, wie sich Amri durch halb Europa absetzen konnte: Zwei Tage nach der Tat wurde er um 11.30 Uhr in Nimwegen in den Niederlanden gefilmt, gegen 13 Uhr auch in Amsterdam. Tags darauf zeigen ihn Aufnahmen in Lyon am Bahnhof Part-Dieu. In Chambéry stieg er in den Zug nach Turin, wo er offenbar rund zwei Stunden am Bahnhof blieb. Erst in Mailand endete seine Flucht.

Die Leiche Amris befindet sich übrigens noch immer im italienischen Monza. Bislang habe sie niemand zurückgefordert, berichtet gestern die Nachrichtenagentur ADN Kronos. Auch nicht die Familie. 

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