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Wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 260 000 Fällen im Vernichtungslager Auschwitz ist eine 91-Jährige angeklagt worden. Foto: Jena Kalaene/Archiv

Anklage gegen ehemalige SS-Helferin in Auschwitz

Eine 91-Jährige ist wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 260 000 Fällen angeklagt. Wie der bereits verurteilte frühere SS-Mann Gröning hatte sie im Vernichtungslager Auschwitz gearbeitet.

Schleswig/Lüneburg (dpa) - Wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 260 000 Fällen ist eine ehemalige SS-Helferin vor dem Landgericht Kiel angeklagt.

Die 91 Jahre alte deutsche Staatsangehörige soll in ihrer Funktion als Funkerin der Kommandantur des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz von April bis Juli 1944 bei der systematischen Ermordung verschleppter Juden geholfen haben.

Es gebe einen hinreichenden Tatverdacht, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein in Schleswig mit.

Zum weiteren persönlichen Hintergrund der Frau wollte sich die Anklagebehörde nicht äußern. Auch zu der Frage, wo und seit wann die Frau in Schleswig-Holstein lebt, schwieg sie.

Für die Tat sei die Jugendkammer des Landgerichts Kiel zuständig, da die Frau zur Tatzeit heranwachsend gewesen sei, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Heinz Döllel. Jetzt müsse die zuständige Kammer das Material sichten und entscheiden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird, sagte Döllel. Er rechnet mit einer Entscheidung darüber für das kommenden Jahr.

Mitte Juli hatte das Landgericht in Lüneburg den ehemaligen SS-Mann Oskar Gröning (94) wegen seines Einsatzes in Auschwitz wegen Beihilfe zum Massenmord zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Mittlerweile liegt auch die schriftliche Urteilsbegründung vor. Wie das Gericht mitteilte, haben Verteidigung und Nebenklagevertreter, die Revision eingelegt hatten, nun einen Monat Zeit zur Begründung.

Gröning hatte im Prozess gestanden, Geld von Verschleppten gezählt und zur SS nach Berlin weitergeleitet zu haben. Dies brachte ihm später den Beinamen "Buchhalter von Auschwitz" ein. In seiner Aussage räumte er eine moralische Mitschuld am Holocaust ein.

Mitteilung Landgericht zum Urteil

Schriftliche Urteilsbegründung

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