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Walter Adam (71) will für den SPD-Landesvorsitz kandidieren.

Ankündigung per Facebook

Dieser Mann will SPD-Chef werden

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München - Walter Adam ist seit 46 Jahren SPD-Mitglied. Aus Überzeugung. Doch inzwischen ärgert er sich immer öfter über seine Partei. Jetzt kündigt der 71-Jährige seine Kandidatur für den Landesvorsitz an - via Facebook.

Es sind stimmungsvolle, hoch professionelle Bilder, die seit Montagabend durch die sozialen Netzwerke geistern. „I bin a bayerischer Sozialdemokrat“, sagt Walter Adam, 71 Jahre alt, Realschullehrer im Ruhestand und Musiker bei den „Muhakl“. Der Mann mit dem Rauschebart sitzt im Garten vor seinem Bier und erklärt, warum er 1969 in die SPD eingetreten ist. „Weil ich für soziale Gerechtigkeit und Frieden kämpfen wollte“. Doch inzwischen erkennt Adam seine Partei nicht wieder. „Wir waren eine Partei der Mutigen - heute spielen wir den sozialen Flügel der Union.“ Sein Fazit: „So kömma net weida macha.“ Dann verkündet Adam seine Kandidatur für den Landesparteitag am Wochenende in Hirschaid bei Bamberg.

In diesem Video verkündet Walter Adam seine Kandidatur für den Landesparteitag

Walter Adam

Es gibt immer eine Alternative.

Posted by Walter Adam on Montag, 22. Juni 2015

Schon nach wenigen Stunden haben mehrere tausend Menschen das Video angesehen, das Adams Nachbar, der Filmemacher Konstantin Ferstl gedreht hat. Adam freut sich über diebisch über die große Resonanz. Natürlich weiß er, dass er gegen Florian Pronold keine Chance hat. Er wolle die Partei „aus ihrem Harmonie-Parteitag rausreißen“, sagt Adam am Telefon. Er will am Wochenende aufstehen und sich selbst vorschlagen. „Ich werde wie eine Rakete durchstarten“, sagt der Niederbayer und lacht.

Ist das ein Witz? Eher nicht

In der SPD-Zentrale am Münchner Oberanger sind sie sich nicht ganz sicher, was sie von dieser Kandidatur halten sollen. Ist das ein Witz? Eher nicht. Florian Pronold will offiziell nichts sagen. „Die SPD ist eine demokratische Partei, in der jeder kandidieren kann“, erklärt sein Pressesprecher nur. Das Video hat die Bayern-SPD kalt erwischt.

Tatsächlich ist es Adam sehr ernst: Tierisch hat er sich über Pronold geärgert, der die SPD in Bayern nach so vielen Jahrzehnten in der Opposition unbedingt in die Regierungsverantwortung führen will - notfalls an der Seite der CSU. „Mit der CSU legt man sich nicht ins Bett“, findet Adam, der 24 Jahre lang Stadtrat war und zwölf Jahre im Kreistag. „Ich will ein Zeichen setzen, ich will aufrütteln.“

Zumindest im eigenen Ortsverband hat Adam volle Unterstützung. „Ich bewundere seinen Mut“, sagt der Abensberger Ortsvorsitzende Thomas Schug, der in der Region als einer der Hoffnungsträger in der SPD gilt. „Adam steht für viele in der Partei, die das Wort ,alternativlos’ nicht mehr hören können und von der SPD Alternativen erwarten.“ Es gebe derzeit zwei Realitäten in der Partei - jene in Berlin und jene an der Basis. Das habe sich auch bei dem Parteikonvent vergangene Woche gezeigt, auf dem die SPD intensiv über die Vorratsdatenspeicherung stritt. Schug sagt: „Ich hoffe, dass durch die Kandidatur die Partei aufgerüttelt wird.“

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