Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen, und Christian Lindner, FDP-Spitzenkandidat, gemeinsam mit Olaf Scholz zu Beginn einer Gesprächsrunde des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft.
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Annalena Baerbock (Mi.), Kanzlerkandidatin der Grünen, und Christian Lindner (li.), FDP-Spitzenkandidat, zu Beginn einer Gesprächsrunde des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft.

Reizthema Ampel-Koalition

Baerbocks Kanzler-Schicksal besiegelt? Lindner hat Schlüssel-Entscheidung wohl schon gefällt

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Für Schwarz-Rot könnte die Zeit als Regierungskoalition bald beendet sein. Rücken Grüne und FDP zusammen nach? Lindner schließt eine Konstellation offenbar aus.

Berlin - Vertragen sich Grüne und FDP in einer Koalition auf Bundesebene? Nach der Bundestagswahl im Herbst ist eine Koalition mit den beiden Parteien nicht ausgeschlossen. Eine „Ampel“ (Grüne, SPD und FDP) und eine „Jamaika-Koalition“ (Union, Grüne, FDP) sind beispielsweise denkbar. Letztere beerdigte FDP-Chef Christian Lindner 2017 im ersten Anlauf mit den Worten, es sei „besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“. Kommt nun der Umschwung?

Ihre Regierungsambitionen hat die FDP schließlich schon mehrfach betont. Und die Grünen hoffen gar auf die Kanzlerschaft. Auch wenn die Umfragen zuletzt die Union wieder deutlich vor der Partei von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sahen.

Regierung mit Grünen und FDP nach der Bundestagswahl? Lindner mit interner Äußerung zu Baerbock-Kanzlerschaft

Mit Unterstützung der FDP könnte Baerbock in einer „Ampel“ dennoch als Merkel-Nachfolgerin ins Kanzleramt kommen. Doch genau damit könnte es schwierig werden. Bild-Informationen zufolge hat Lindner bei internen Gesprächen eine Beteiligung an einer grün-geführten Regierung ausgeschlossen. Öffentlich wolle er sich dazu aber bislang nicht äußern - womöglich auch, weil eine Grünen-Kanzlerin laut Umfragen zurzeit nicht sehr wahrscheinlich ist. Sollte sich die Lage kurz vor der Wahl ändern, will Lindner aber diesbezüglich klare Ansagen machen, wie das Blatt aus der FDP-Spitze erfahren haben will. Noch ist aber alles offen.

Dabei hörte sich der Partei-Vorsitzende Robert Habeck auf dem Grünen-Parteitag zuletzt ganz Liberalen-freundlich an - zumindest was das Wording angeht. Denn er kürte die „Freiheit“ als neues Leitmotiv - im Kontrast zum Image der Grünen als Verbotspartei. Doch aus gemeinsamen Schlagworten entstehen nicht gleich gemeinsame Visionen, wie zuletzt etwa der Spiegel analysierte. Rufe nach Modernisierung gibt es zwar aus beiden Parteien, doch schon beim Wahlkampfthema Steuern gehen die Pläne auseinander.

FDP über Zusammenarbeit mit Grünen: „Unser Verhältnis hat sich in den letzten Jahren entspannt“

Immerhin: Seit den geplatzten Jamaika-Verhandlungen treffen sich manche FDP- und Grünen-Abgeordneten dem Spiegel zufolge immer mal wieder in kleinem Kreis, um Positionen auszutauschen. Auch im Bundestag hatten sie als Oppositionsparteien häufiger miteinander zu tun - etwa bei der Arbeit im Wirecard-Untersuchungsausschuss.

Auf der Arbeitsebene funktioniere es gut: „Unser Verhältnis hat sich in den letzten Jahren entspannt“, zitiert das Nachrichtenmagazin den Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Marco Buschmann. „Inhaltlich bleiben große Differenzen. Aber wir haben Respekt voreinander entwickelt.“ Reicht das für eine Regierungszusammenarbeit? (cibo)

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