Kanzlerkandidaten: Annalena Baerbock (li.) von den Grünen und Armin Laschet von der CDU.
+
Kanzlerkandidaten: Annalena Baerbock (li.) von den Grünen und Armin Laschet von der CDU.

„Immer für einen Patzer gut“

Vergeben die Grünen einen Wahl-„Elfer“? Experte watscht Laschet ab - und Baerbock gleich mit

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
    schließen

Keine passenden Kandidaten in Sicht? Ein Kampagnen-Experte watscht Armin Laschet nach dessen Hochwasser-Auftritten ab - und rät den Grünen zu einem Wechsel.

München/Berlin - Die Ausgangslage ist klar. Annalena Baerbock für die Grünen misst sich mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet für die Union. So lautet vor der Bundestagswahl 2021 das Duell um die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Um es im Sport-Jargon auszudrücken, schließlich hat mittlerweile Olympia 2021 in Tokio begonnen.

In Deutschland ist aber die Hochwasser-Katastrophe in der Eifel weiterhin das Top-Thema. Das traumantische Ereignis wird wohl einen erheblichen Einfluss auf den Wahlausgang haben. So sagt es jedenfalls Kampagnen-Experte Frank Stauss voraus. Er geht sowohl mit Annalena Baerbock als auch mit Armin Laschet teils hart ins Gericht.

„Sagen wir es mal so: Dieses Hochwasser, diese Umweltkatastrophe, von der niemand mehr bezweifelt, dass sie auch mit dem Klimawandel zu tun hat, ist natürlich eine massive Intervention in diesen Wahlkampf“, sagte Stauss der Welt: „Bis dahin war die Wahl im Grunde gelaufen. Die CDU würde stärkste Partei werden, und Armin Laschet kann sich aussuchen, mit wem er regiert.“

Kanzlerkandidaten: Rüffel für Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU)

Stauss kennt sich aus mit Wahlkampf. In den vergangenen zwei Jahrzehnten arbeitete der studierte Politologe an zahlreichen Kampagnen namhafter Politiker mit: zum Beispiel an der von Berlins ehemaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) oder der Kampagne des einstigen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD, Rheinland-Pfalz); auch an den Bewerbungen des heutigen SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz und des früheren SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder wirkte der Badener mit.

Armin Laschet ist immer für einen Patzer gut.

Kanpagnen-Experte Frank Stauss

„Jetzt werden wir sehen – gar nicht sofort, sondern in zwei, drei Wochen – wie sehr das Thema Hochwasser und Klimawandel die Menschen beschäftigt. Das wird die Grünen wieder stärker machen. Erst recht, wenn sie es schaffen, dieses Ereignis dazu zu nutzen, ihre Kampagne neu auszurichten“, meint Stauss weiter: „Bildlich gesprochen: Die Grünen haben einen Elfmeter zugesprochen bekommen, und im Tor steht Armin Laschet.“

Kanzlerkandidaten: Experte rät Grünen zu Tausch von Annalena Baerbock auf Robert Habeck

Aber: Als Elfmeterschützin sieht Stauss nicht unbedingt Baerbock. Sondern den Co-Vorsitzenden ihrer Partei, Robert Habeck. Er rät den Grünen sogar zu einem Wechsel des Kanzlerkandidaten. Kurz vor dem Elfmeterschießen, um in der Bildsprache zu bleiben. „Die Grünen könnten, wenn sie wollten, aus dieser Situation heraus noch einmal ein Momentum entfalten, das sie zur stärksten Partei bei der Bundestagswahl macht. Voraussetzung wäre allerdings, dass Annalena Baerbock zurückzieht und Robert Habeck die Kandidatur überlässt“, sagt der Kommunikations-Experte der Welt. Er meint: „Das ist eine einmalige historische Chance für die Grünen.“

Seiner Meinung nach aber eben nur mit Habeck. Denn: Der Experte bescheinigt Baerbock einen „völlig verunglückten Start ihrer Wahlkampagne, und dieser Eindruck lässt sich bis zur Wahl auch nicht mehr revidieren. Gleichzeitig sind weder Olaf Scholz noch Armin Laschet dazu in der Lage, die Menschen für sich zu begeistern und ein Momentum zu entwickeln“, sagt er und meint: „Habeck könnte das. Er hätte die Möglichkeit, den Elfmeter zu versenken.“ Auch bei der Union wähnt er keinen guten Kanzlerkandidaten. Laschet sei „immer für einen Patzer gut. Das wissen alle, die ihn kennen. Armin Laschet ist bei öffentlichen Auftritten kein Naturtalent. Für ihn wird es wichtig sein, dass sich ein solcher Fehler nicht wiederholt“.

Umfrage von Bundestagswahl 2021: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet kommt nicht gut weg

Doch steht Stauss mit seiner Skepsis gegenüber den Kanzlerkandidaten alleine da? Und mit der These, dass die Hochwasser-Katastrophe großen Einfluss auf die Bundestagswahl nimmt? Offenbar nicht. Ein Beispiel: Nur 26 Prozent der Deutschen sprechen Armin Laschet eine Krisenkompetenz im Falle von Naturkatastrophen zu, wie das Umfrageinstitut Civey für den Spiegel ermittelte. Der Politik-Autor Tim Kummert wiederum schrieb für t-online, dass die CDU kaum Klimaexperten in Spitzenpositionen habe. Auch Kummert meinte wenig charmant: „Deshalb konzentriert sich die Aufgabe der Verwandlung der Union zu einer Klimakrisen-Partei vor allem auch auf den Kanzlerkandidaten. Er soll es richten, auch wenn noch nicht so ganz klar ist, wie.“

Im Video: Bundestagswahl 2021 - CDU-Mann Friedrich Merz teilt gegen Annalena Baerbock aus

Ein weiteres Beispiel für den schweren Stand Laschets: Laut einer Umfrage des RTL/ntv-Trendbarometers verloren Laschet und die Union mit Blick auf die Bundestagswahl 2021 zuletzt zwei Prozentpunkte* in der Wählergunst - sie stünden bei nunmehr 28 Prozent der Stimmen. „Zudem ist sie eher nicht dafür bekannt, für Herrn Laschet ständig Werbung zu machen.“ Und auch die Politologin Ursula Münch von der Universität der Bundeswehr sieht die Auswahl kritisch.

„Armin Laschet ist der Kanzlerkandidat von CDU und CSU. Unbestreitbar aber ist Markus Söder jemand, der der Union im Wahlkampf Vorteile gebracht hätte. Er produziert gute Bilder, spricht klar und macht die richtigen Ansagen“, erklärte Münch im Gespräch mit der Zeit. Laschet sei dagegen zum Beispiel „überfordert damit, Arbeitsplätze in der Kohleindustrie sicherzustellen und zugleich den Klimaschutz umzusetzen“. Fakt ist: Baerbock und Laschet gehen ins Elfmeterschießen. Ausgang offen. (pm) *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare