Debatte um angepassten Lebenslauf

„Nun ist auch gut“: Habeck verteidigt Baerbock - und teilt gegen Altmaier aus

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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Kritiker reiben der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gerade ihren angepassten Lebenslauf unter die Nase - unfairerweise, wie ihr Kollege Robert Habeck sagt.

Berlin - Viele finden die Sache mindestens unprofessionell. Einen korrekten Lebenslauf schreiben zu müssen, vor der Aufgabe stehen die meisten einmal. Und vor allem, wenn man damit als Kanzlerkandidatin antreten will, könnte man sich doch mal Mühe geben...? So der Tenor der Debatte um den nachträglich ausgebesserten Lebenslauf von Annalena Baerbock. Zuvor hatte sie dem Bundestag Sonderzahlungen ihrer Partei nachgemeldet.

Ihr Grünen-Co-Bundesvorsitzender hält das Ganze für hochgejazzt. Das wurde jetzt im Gespräch mit n-tv deutlich. „Wir haben halt gesehen, dass die Mitbewerber - und wer will es ihnen verdenken - Kleinigkeiten zu großen Popanzen aufbauen“, sagte Robert Habeck in der Sendung „Frühstart“ vom 8. Juni.

Handelte es sich wirklich um Kleinigkeiten?, hakte der Moderator nach. Es seien „Präzisionen“ gewesen, antwortete der 51-Jährige. Und nun, da sie erfolgt seien, werde sich der Wirbel um den Baerbock-Lebenslauf legen, glaubt Habeck: „Ich gehe davon aus: nun ist auch gut.“

Kretschmann zu Debatte um Baerbock-Lebenslauf: „Ziemlich kleinkariert“

Überzeugen wird Habeck mit dieser Wertung garantiert nicht Peter Altmaier (CDU). Ebenfalls bei n-tv sagte der Bundeswirtschaftsminister einen Tag zuvor, dass die Grünen „jede Menge ungelöste inhaltliche Probleme“ hätten und nun „nachsitzen und Hausaufgaben“ machen müssten. Darauf angesprochen meinte Habeck nun: „Das sagt der Richtige.“

Zeitgleich findet auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Vorwürfe gegen Baerbock „ziemlich kleinkariert“, so der Grünen-Politiker laut dpa. Das sage nichts über „die Qualität einer Kanzlerin“, sagte Kretschmann. Allerdings sei die Sonderzahlungs-Nachmeldung „eine Unkorrektheit, die sie gemacht hat“. Zumindest die Vorgänge im Hinblick auf ihren Lebenslauf bedauert die Kanzlerin mittlerweile und erklärt, „Mist“ gebaut zu haben.

Grüne wollen Spritpreise erhöhen: „Wir werden das weiter mutig promoten“

Dass die Umfragewerte der Grünen sinken, überrasche ihn nicht. Er sei nicht davon ausgegangen, dass die Begeisterung über die Kür der Kanzlerkandidatin die Grünen bis zur Wahl am 26. September trage. Seine Partei, die gerade bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kein gutes Ergebnis erzielten, verärgert aktuell wegen ihrer gewünschten Spritpreiserhöhung so manchen.

Kretschmann ficht das nicht an. Auch im Bundestagswahlkampf will er offensiv dafür werben: „Wir werden das weiter mutig promoten.“ Er verwies darauf, dass Union und SPD über den CO2-Preis für Verkehr und Gebäude eine Erhöhung der Spritpreise beschlossen hätten. Dass nun Vertreter von ihnen Baerbock in dieser Debatte kritisierten, sei unehrlich. „Das war feige“, sagte Kretschmann.

Es sei längst beschlossen, dass die Erträge aus höheren Spritpreise teilweise in die Absenkung des Strompreises flössen, sagte Kretschmann. Zudem würden Autofahrer im ländlichen Raum dadurch entlastet, dass die Pendlerpauschale in zwei Stufen erhöht werde.

Die Bundesregierung hatte eine Staffelung des CO2-Preises bis zum Jahr 2025 beschlossen, die sich schon jetzt auf die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl auswirken. Baerbock war für eine Benzinpreis-Erhöhung von insgesamt 16 Cent eingetreten. Das liegt nur geringfügig über dem, was die große Koalition schon beschlossen hat. „Daran ist gar nichts falsch.“, sagte Kretschmann. „Der Kurs ist richtig.“(frs mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/Imago

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