Nach Lebenslauf-Desaster

Baerbock in knallhartem ARD-Verhör: Entscheidende Frage stellt Moderatorin schon nach 90 Sekunden

Nachgemeldete Sonderzahlungen, geschönter Lebenslauf, und jetzt in den Umfragen im Sinkflug: Grünen-Kanzlerkandidatin wirbt im ARD-Interview um frisches Vertrauen.

Berlin - Grünen-Chefin Annalena Baerbock ist im ARD-Interview „Farbe bekennen“ hart rangenommen worden. „Ist Kanzlerkandidatin dann vielleicht nicht doch eine Nummer zu groß?“, fragte Tina Hassel - da waren noch nicht einmal eineinhalb Minuten verstrichen.

Anlass für Hassels Fragen waren Baerbocks umstrittene ihre Lebenslauf-Korrekturen. „Sie gelten eigentlich als Perfektionistin. Wie kann Ihnen dann sowas passieren? Ist es der Wahlkampfdruck?“, mutmaßte Hassel. Baerbock blickte zerknirscht. Ja, sie wolle immer alles korrekt machen und ärgere sich jetzt selbst, suchte sie nach Worten, und gab sich dann nach vorne gewandt: „Dafür habe ich jetzt auch die Verantwortung übernommen und gesagt, das muss ich korrigieren, mich hier der Diskussion auch stellen und dafür werben, das Vertrauen, das vielleicht etwas verloren gegangen ist, zurückzugewinnen.

Vorwürfe wegen Baerbock-Lebenslauf: „Warum machen Sie sich toller?“

Die Frage des zweiten ARD-Interviewers Oliver Köhr - „Warum machen Sie sich toller als Sie eigentlich sind?“ - wehrte Baerbock indes ab. Sie habe wichtige beruflichen Etappen und ihre Verbindungen im Lebenslauf auf ihrer Website „sehr komprimiert“ dargestellt, sagte sie am Donnerstagabend in der Sendung „Farbe bekennen“.

Die designierte Grünen-Kanzlerkandidatin hatte auf ihrer Website unter Mitgliedschaften zunächst unter anderem die Transatlantik-Stiftung German Marshall Fund und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR aufgeführt. Später wurde die Seite geändert, die Überschrift lautet statt „Mitgliedschaften“ nun „Beiräte, (Förder-)Mitgliedschaften, regelmäßige Unterstützung“.

„Das war offensichtlich sehr schlampig“, sagte Baerbock. „Ich habe da offensichtlich einen Fehler gemacht, und das tut mir sehr, sehr leid, weil es ja eigentlich in diesen Momenten um große andere Fragen gerade in unserem Land geht.“

Bundestagswahl 2021: Baerbock will Kanzlerkandidatur nicht an Habeck abgeben

Baerbock machte deutlich, dass sie die Kanzlerkandidatur der Grünen nicht an Co-Parteichef Robert Habeck abgeben will. Sie finde es wichtig, zu Fehlern zu stehen und sich zu korrigieren. „Jeder Mensch macht Fehler im Leben.“ Sich nun zu verstecken oder zurückzuziehen, „das bin ich ganz und gar nicht“. Am Samstag soll der Parteitag die Nominierung Baerbocks bestätigen und in der gleichen Abstimmung auch über das Spitzenduo Baerbock und Habeck abstimmen.

Nach Baerbocks Nominierung im April lagen die Grünen in Umfragen zeitweise vor der Union bei 28 Prozent. Im aktuellen ARD-Deutschlandtrend von infratest dimap steht die Partei nun hingegen bei 20 Prozent, die CDU/CSU bei 28 Prozent. Auch im Direktvergleich der drei Kanzlerkandidaten lag Baerbock zeitweise vorn. 28 Prozent der Befragten hätten sich im Mai für sie entschieden, wenn die Kanzlerin direkt wählbar wäre - aktuell landet Baerbock mit deutlichen Verlusten mit 16 Prozent auf Platz drei hinter CDU-Kandidat Armin Laschet und SPD-Kandidat Olaf Scholz.

Mit Blick auf die einstigen 28 Prozent persönliche Zustimmung sagte Baerbock: „So heilig war ich nie, sondern alle machen Fehler.“ Dafür habe sie schmerzlich bezahlt, was man auch in den Umfragen sehe. (dpa/frs)

Rubriklistenbild: © Screenshot: ARD Mediathek

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