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Annegret Kramp-Karrenbauer (r.) bei Anne Will.

CDU-Chefin liefert sich Wortgefecht mit Moderatorin

Anne Will: AKK bringt AfD mit Lübcke-Mord in Verbindung - Meuthen kontert

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    Christoph Gschoßmann
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Anne Will fragte: Wie geht unsere Demokratie mit Hass und Gewalt um? AKK erteilte jeder Kooperation mit der AfD eine Absage, auch wegen dem Lübcke-Mord.

Update 24. Juni, 9.50 Uhr: In der ARD-Talkshow „Anne Will“ am Sonntag flogen die Fetzen: Bei dem hochbrisanten Thema „Hass, Drohungen, Gewalt - wie kann sich unsere Demokratie wehren?“ stand CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer im Mittelpunkt. Nicht nur geriet sie sich mit der Moderatorin in die Haare, sondern ließ sich auch zu einem ungewöhnlich emotionalen Ausbruch hinreißen. Ihre Kernaussage: Solange sie die CDU anführe, werde sie niemals mit der AfD koalieren. 

Am Sonntag, 30. Juni, fällt Anne Will aus - und zwar für lange Zeit - das ist der Grund

AKK gegen AfD: „Augen schließen und sich den Mord an Lübcke vorstellen“

Teile der AfD, so Kramp-Karrenbauer, zögen keine Grenze zu Rechtsradikalen und schufen das geistige Klima für den Menschen, der Walter Lübcke ermordet haben soll. „Jemand der sagt, einer solchen Partei könne man sich annähern“, sagte AKK, „soll die Augen schließen und sich Walter Lübcke vorstellen, und wird nie mehr auf die Idee kommen, dass man mit einer Partei wie der AfD als Christdemokrat zusammenarbeiten kann.“ Kramp-Karrenbauer weiter: „Jedes CDU-Mitglied, das von so etwas redet oder träumt, muss sich wirklich die höchstpersönliche Frage stellen, wie er das mit seinem Gewissen vereinbaren kann!“

Diese Botschaft erntete von den Zuschauern im Studio den lautesten Applaus des Abends. Auf Wills Nachfrage hin bekräftigte Kramp-Karrenbauer: „So, wie ich die AfD im Moment betrachte, kann ich mir nicht vorstellen, dass es jemals eine Zusammenarbeit mit dieser Partei geben kann, und je eher wir das deutlich machen, desto besser für unsere eigene Partei.“

AKK gab sogar ein Versprechen ab: „Ich werde morgen den Bundesvorstand bitten, mir die Prokura zu geben, gemeinsam mit unseren Justitiaren jedes Mittel noch einmal durchzuprüfen, um eine Annäherung an die AfD zu verhindern!“ 

Eine Aussage, die eine von vielen geforderte klare Positionierung der CDU schafft, nachdem einzelne Mitglieder in den letzten Wochen eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht ausgeschlossen hatten.

Video: Kramp-Karrenbauer entschieden gegen Zusammenarbeit mit AfD

Meuthen reagiert auf AKK-Statement bei Anne Will

Auf Facebook reagierte AfD-Chef Jörg Meuthen umgehend auf Kramp-Karrenbauers Aussagen. Seine Partei mit dem „abscheulichen Mord“ in Zusammenhang zu bringen sei „ein handfester Skandal“. Meuthen schoss auch gegen Grünen-Vorsitzende Katrin Göring-Eckardt, die der AfD ein Gewaltproblem unterstellte. Die Grünen hätten ein Gewaltproblem, seine Partei dagegen sei das Opfer, so Meuthen.

Anne Will und AKK haben den größten Schlagabtausch des Abends

Den Schlagabtausch des Abends lieferten sich allerdings AKK und die Talkmasterin selbst. Das Thema: Das dritte Geschlecht. Will spielte auf den Witz der CDU-Chefin in der Fastnachtsrede an, bei dem sie behauptet hatte, Toiletten für intergeschlechtliche Menschen seien „für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen“.

In der Sendung fragt Will AKK: „Schmeißen Sie sich an diesen Typus des Konservativen ran, dem Konformität wichtiger ist als Vielfalt?“ Die Moderatorin spielt gleich noch auf ein weiteres AKK-Zitat an: „Und auch, wenn Sie die Ehe für alle in die Nähe von Polygamie und Inzest rücken?“

Kramp-Karrenbauer wiegelt mit einem gequälten Lächeln ab: „Darüber ist jetzt alles schon gesagt worden.“ Will kontert: „Finde ich nicht!“, doch AKK sieht das anders. „Doch!“ beharrt sie. „Sie haben mich ja auch schon mehrmals darüber befragt. Wir müssen eben auch sehen, dass manche Menschen sich in dieser (offenen) Gesellschaft weniger zuhause fühlen.“

Die Talkmasterin grätscht wieder dazwischen: „Was hat das mit der Ehe für alle zu tun?“ „Das ist für mich die Frage, dass wir auch unterschiedliche Lebensstile akzeptieren“, so die CDU-Chefin. „Dass zum Beispiel diejenigen, die in einem Dorf auf dem ländlichen Bereich leben, den Respekt dafür verdienen, dass die Art, wie sie zusammenleben, genauso akzeptiert wird wie die Art, wie Menschen zum Beispiel in Berlin oder sonst wo zusammenleben.“

Anne Will wird bei Frage an AKK ganz persönlich

Sehr wenige ihrer Unterstützer im Publikum applaudieren zaghaft. Will wird dann persönlich: „Sie sagen, ich habe Sie schon oft zitiert, aber ich habe das gar nicht so oft gemacht, obwohl ich persönlich dazu eine starke Beziehung habe, wie Sie wissen!“ Seit 2016 ist Will mit ihrer Partnerin Miriam Meckel verheiratet.

„Ist es Ihr erklärtes Ziel, wenn Sie so etwas sagen, so auch die AfD überflüssig zu machen?“, fragt Will. Sie spielt auf das Zitat von Franz Josef Strauß an, dass es rechts der CDU keine demokratisch legitimierte Partei geben dürfe.

AKK entgegnet: „Nein, das ist nicht unser Ziel. Und ich lasse mir dieses Ziel auch nicht unterstellen!“ Bereits am Montag griffen Parteikollegen Kramp-Karrenbauers deutliches Statement zur AfD auf - das Thema könnte die CDU noch einige Zeit beschäftigen. Bereits am Montagabend musste sich AKK erneut vor Publikum beweisen. Diesmal bei einem heiklen Treffen mit Friedrich Merz.

Update von 22.33 Uhr: Die Sendung läuft noch. Doch schon in ihrem Eingangsstatement grenzt sich Annegret Kramp-Karrenbauer klar von der AfD ab. AKK macht die AfD mitverantwortlich für die Schaffung eines politischen Klimas, in dem der Mord an Walter Lübcke möglich wurde. 

AKK bringt die AfD mit dem Lübcke-Mord in Verbindung

Wer sich vorstellen könne, sagt die CDU-Vorsitzende weiter, mit so einer Partei zusammenzuarbeiten, der solle die Augen schließen und sich vorstellen, wie Walter Lübcke die Waffe an die Schläfe gehalten und abgedrückt wurde.

Ursprünglicher Artikel von Sonntag, 23. Juni, 20 Uhr

Berlin - Anne Will macht die Morddrohungen aus dem rechten Spektrum gegenüber Lokalpolitikern in ganz Deutschland zum Thema. Diese gingen wohlgemerkt nach dem mutmaßlich rechts motivierten Mord an Walter Lübcke ein.

Grund genug für Deutschlands Polit-Talk-Frontrau die Systemfrage zu stellen: Haben die Behörden und die Öffentlichkeit die rechte Gefahr über Jahrzehnte unterschätzt. Sind wir gar dabei als Staat das Gewaltmonopol an diverse rechtsradikale Terrorzellen zu verlieren?

Anne Will macht rechtsextremen Terror zum Thema - AKK unter Gästen

Prominenteste Gesprächspartnerin ist dafür Annegret Kramp-Karrenbauer, die - inzwischen aufgrund ihrer aussagen nicht unumstrittene - CDU-Chefin. Ihr gegenüber sitzt die fast ebenso prominente Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag - Katrin Göring-Eckardt.

Außerdem mit dabei: Eine Kommunalpolitikern, die buchstäblich am eigenen Leib brutale Gewalt von einem Rechtsextremisten zu spüren bekam. Henriette Reker wurde einen Tag vor ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin der Stadt Köln niedergestochen. 

Außerdem mit dabei: Markus Hartmann Oberstaatsanwalt und Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen sowie Annette Ramelsberger Gerichtsreporterin der "Süddeutschen Zeitung".

kmm

Auch heute Abend politisch Spannend: Erdogan kassiert vernichtende Niederlage in Istanbul - alle News zur Wahl im Ticker.

Es gibt immer mehr Rechtsextremisten in Deutschland. Das geht aus dem Verfassungsschutzbericht, den Innenminister Horst Seehofer vorstellte, hervor. 

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Kommentare

StoppAntwort
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Und ich bleibe dabei, das dieser Begriff ausgelutscht ( zu pauschal verwendet) ist. Wenn es diesmal zutrifft, hat es allerdings auf die Abscheulichkeit der Tat keinen Einfluss.

Giacomo MeyerbeerAntwort
(1)(0)

Ganz ruhig, Sie verwechseln da etwas.

Ansonsten: Von Ihnen selbst stammt

Der Begriff" Nazi" ist langsam ausgelutscht.

Zu meiner diesbezüglichen Antwort stehe ich weiter voll und ganz:

Wenn ein Nazi soeben einen politischen Mord gestanden hat, erscheint es doch reichlich verwegen, den Begriff "Nazi" als ausgelutscht betrachten zu wollen.

Von einer Verteidigung des Mörders war nichts zu lesen, weil ich nie etwas dergleichen geschrieben habe.

StoppAntwort
(0)(0)

Eigene Tipps sollte man beherzigen. Wo ist hier von einer Verteidigung des Mörders zu lesen?
PS: ich meinte Ihre Antwort vor ca 19 Stunden ( musste sie erstmal suchen) . Da haben selbst Sie es geschafft, nicht zu pauschalisieren.