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Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in der ARD-Talkshow „Anne Will“.

 „Mit der Abrissbirne durch Grundwerteordnung“

Schulz bei Anne Will: Scharfe Attacke gegen Trump

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Berlin - Bei seinem ersten großen TV-Auftritt nach seiner Ernennung als SPD-Kanzlerkandidat machte Martin Schulz vieles richtig, zeigte jedoch auch seine Schwachstellen. 

Was war das nur für eine aufregende Woche für Martin Schulz? Selbst für jemanden, der fünf Jahre lang als Präsident des EU-Parlaments tätig war, dürften die Erlebnisse der letzten Tage lange in Erinnerung bleiben. Am Dienstag nahm alles seinen Lauf. Der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel trat vor die Medienvertreter und verkündete, dass Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat gegen Angela Merkel antreten werde. Auch wenn bereits zuvor darüber spekuliert wurde, diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe. 

Seitdem wird der 61-Jährige keine ruhige Sekunde mehr erlebt haben. Es folgten zahlreiche Auftritte und Termine, um sich der Partei als neuer starker Mann zu präsentieren. Die Reaktionen auf seine Kandidatur wurden nicht nur parteiintern fast ausschließlich positiv aufgefasst. Aufgrund der Euphorie gab es einen rapiden Zuwachs an SPD-Mitgliedern. Die Umfragewerte der SPD eilten ebenfalls kräftig in die Höhe. 

Am Sonntagnachmittag wurde Schulz dann im Willy-Brandt-Haus als Kanzlerkandidat vorgestellt - noch am Abend stand der erste große TV-Auftritt in der Talkrunde bei Anne Will an. Wie wird sich der designierte SPD-Chef in seinem ersten umfassenden Interview schlagen? Wird er Angela Merkel den Kampf ansagen? Welche Forderungen und Verbesserungen wird er präsentieren?

Kann Schulz Kanzler? Man weiß es nicht

Alles drehte sich um die Frage und das Motto der Talkrunde von Anne Will: „Können Sie Kanzler, Herr Schulz?“ Ob der ehemalige Präsident des Europaparlaments das kann, ließ sich jedoch auch nach Ende der Sendung nicht beantworten. Der ehemalige Europapolitiker machte vieles richtig, zeigte jedoch auch ein paar Schwachstellen - viel Licht also, aber auch Schatten. 

So gab sich Schulz zum einen sympathisch und schlagfertig. Von Will auf seine angeblich fehlende Regierungserfahrung angesprochen, konterte Schulz sofort: „Obama hatte auch keine Regierungserfahrung.“ Klar, warum auch nicht gleich mit Obama vergleichen? Nach den Lachern war Schulz jedoch stets darauf bedacht, auch eine ernsthaft Erklärung zu liefern. Durch seine jahrelange Erfahrung als Bürgermeister in Würselen wisse er, wie der normale Bürger tickt. Zum anderen zeigte sich Schulz auch angriffslustig und nutzte seine Position als Herausforderer, um gewisse Dinge direkt anzusprechen. So kritisierte er den US-Präsidenten Donald Trump für sein „frauenverachtendes Menschenbild“ und klagte: „Trump läuft mit der Abrissbirne durch unsere Grundwerteordnung.“ Solch eine Aussage von der auf Besonnenheit gepolten Kanzlerin Merkel zu diesem Zeitpunkt? Undenkbar!

Schulz zeigte bei Anne Will, wie facettenreich er sein kann. Was er jedoch auf jeden Fall verdeutlichte, war, warum er als SPD-Kanzlerkandidat besser geeignet zu sein scheint als Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier. Schulz wirkte viel sympathischer und lebhafter als der stets diplomatische Steinmeier oder der oft dünnhäutig wirkende Gabriel. 

Wo ist der Unterschied zum Merkel-Kurs?

Doch der Schulz-Auftritt am Sonntagabend war nicht nur ein reiner Triumphzug. Teils reagierte er auch patzig und fuhr Anne Will an: „Keine Unterbrechung bitte (...) Wenn mir hier jemand nach jedem dritten Wort ins Wort fällt, dann geht das gar nicht.“ 

Am Ende blieben schlicht zu viele Fragen unbeantwortet. Was wolle er als Kanzler konkret ändern? Was sind seine Verbesserungsvorschläge? Auf eine passende Antwort wartete man vergeblich. Er wolle als Kanzler für mehr soziale Gerechtigkeit einstehen, die Polizei stärken und für „ein würdiges Einkommen mit einem sicheren Arbeitsplatz“ sorgen. „Ich will die Menschen mit ins Kanzleramt nehmen, und die Macht nutzen, um dieses Land und das Leben dieser Menschen zu verbessern“, verkündete er selbstbewusst. Einen neuen Ansatz lieferte Schulz damit nicht. Und wo soll der Unterschied zum Merkel-Kurs liegen?

Auch Anne Will stellte sich diese Frage und wollte an diesem Abend zudem nicht den Eindruck entstehen lassen, Schulz nutze seinen TV-Auftritt als erste kleine Wahlveranstaltung. Provokant fragte die Talkmasterin deshalb: „Sind Sie eher der gefühlt bessere Kandidat, als dass sie faktisch der bessere wären?“ Schulz reagierte schnell und stellte klar: „Ich bin sowohl gefühlt als auch faktisch der bessere Kandidat.“

Schulz erster großer TV-Auftritt nach seiner Ernennung als SPD-Kanzlerkandidat dürfte in der SPD mit Sicherheit als Erfolg aufgenommen werden. Einiges blieb er an diesem Abend jedoch auch schuldig. Schlussendlich wird es für ihn darum gehen, in der Bevölkerung den Eindruck zu verdrängen, nur der „gefühlt bessere“ Mann für das Kanzleramt zu sein. 

kus

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