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Die Linke Sahra Wagenknecht kritisierte am Sonntagabend die Finanzpolitik der SPD.

Heikle Frage an Scholz

„Menschen glauben nicht mehr an Demokratie“ - So hart rechnet Wagenknecht bei „Will“ ab

Eigentlich hatte Anne Will einen Karl-Marx-Talk geplant. Doch stattdessen kassiert SPD-Minister Olaf Scholz eine harsche Abrechnung von Sahra Wagenknecht.

Berlin - Vor genau 200 Jahre wurde der Philosoph Karl Marx geboren. Der weltberühmte Theoretiker des Kommunismus wurde am Samstag in seiner Heimatstadt Trier mit einer Bronzestatue aus China gefeiert, die für Kritik und Demonstrationen sorgte. Auch bei Anne Will war der deutsche Denker am Sonntag Thema des Abends. Die Frage, die die Moderatorin ihren vier Gästen stellte, lautete: „200 Jahre Karl Marx - Wie sozial ist der Kapitalismus heute?“. Mit dabei waren Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht, Unternehmer und Investor Georg Kofler und Reinhard Kardinal Marx.

„Massive Ungleichverteilung“

Passend zum Thema präsentierte die Moderatorin ein paar bemerkenswerte Zahlen: Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung besitzen heute 10% der Deutschen 63% des Vermögens. Warum hat die Politik zugelassen, dass es zu einer solchen „massiven Ungleichverteilung“ kommen konnte, fragt Will Finanzminister Scholz. Ein heikler Punkt - immerhin haben die Sozialdemokraten in den vergangenen 20 Jahren 16 Jahre mitregiert. 

Scholz‘ Antwort fällt sehr diplomatisch aus: Es gebe mittlerweile große globale Veränderungen - die Politik muss sie nun nutzen. Allerdings lassen sich solche Probleme „nicht eben beim Frühstück lösen“.

Absolut unzufrieden mit dieser Antwort ist die Linke Wagenknecht. Ihrer Meinung nach sind Globalisierung und Digitalisierung die „üblichen Ausreden“ der heutigen Politik. Die 48-Jährige wünscht sich mehr von der Regierung, denn sie findet, dass bisher nicht viel gemacht wurde. Wagenknecht äußert eine sehr negative Perspektive der aktuellen politischen Lage: „Man muss sich nicht wundern, dass die Menschen nicht mehr an Demokratie glauben“.

„Wenn so ein Mann ein Denkmal verdient hat, dann hätten viele andere ein Größeres verdient“

Doch irgendwann geht es auch wieder um das Hauptthema, und zwar Marx und seine kommunistischen Theorien. Die Moderatorin will wissen, ob der Philosoph ein neues Denkmal wirklich verdient hätte. Und da zögert Investor Georg Kofler keine Sekunde: „Natürlich nicht“. Zwar sei Marx ein großer Denker gewesen, erklärt der Südtiroler, doch er habe „viel Unheil über die Menschen gebracht“. Außerdem sei seine Vorstellung einer Wirtschaftsordnung „der größte Flopp der Wirtschaftsgeschichte“ gewesen. „Wenn so ein Mann ein Denkmal verdient hat, dann hätten viele andere ein Größeres verdient“, lautet seine Schlussfolgerung.

Auch Namensvetter Reinhard Kardinal Marx findet, das Denkmal sei eine umstrittene Aktion gewesen. „Es ist vielleicht wichtiger, Texte zu lesen, zu diskutieren, als solche monumentale Geschenke aus China hinzustellen“, sagt der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Allerdings vertritt er eine weichere Meinung als Kofler: Der Kardinal findet, man solle den Philosophen zwar nicht feiern, aber auf jeden Fall gedenken. „Er war ein Mann, der unsere Zeit geprägt hat“, so Marx.

Und absolut einverstanden ist Wagenknecht, die sich an diesem Abend als Marx´größter Fan beweist: „Er war ein genialer Analytiker“.

Lesen Sie auch: „Schauen Sie sich den Koalitionsvertrag an!“ - warum Söder von Illner gerüffelt wurde.

fm

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