Anne Will führt durch die Sendung (ARD)
+
Anne Will führt durch die Sendung (ARD)

„Keine Verschwörungserzählungen konstruieren“

Triell-Analyse: Spahn wegen Esken-Absage auf der Palme - da schreitet Anne Will ein

Das Triell zwischen Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz sorgt bei „Anne Will“ für eine hitzige Diskussion zwischen Jens Spahn und Malu Dreyer.

Die „Anne Will“-Runde analysiert am Sonntagabend unmittelbar im Anschluss an das zweite TV-Triell die Performance der Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock (Grüne), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU). Dabei versuchen die Gäste der drei großen Parteien, ihre jeweiligen Kandidaten stark zu reden.

So ist etwa Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) der Meinung, Armin Laschet habe „aus dem meiner Sicht nach richtigen Motto gehandelt, Unterschiede herauszuarbeiten. Auch, ja, angriffslustig zu sein. Das war er, gerade auch zu Beginn. Ich meine die Reihenfolge der Themen war auch durch die Moderation gegeben, aber er hat die Chance ergriffen und Olaf Scholz bei der Verantwortung, die er hat, gepackt. So, dass sich die Ohrenfarbe der Krawattenfarbe angenähert hat, das waren tatsächlich Emotionen, die man sonst selten sieht. Aber das zeigt ja auch: Da ist ein wunder Punkt getroffen. Und Olaf Scholz weiß das auch.“

Triell-Analyse bei „Anne Will“: Spahn attackiert Scholz, Esken und die SPD – Dreyer verteidigt sie

Spahn fährt damit fort, dass Laschet sich im Triell als Demokrat präsentiert habe, weil er sowohl der Linken als auch der AfD eine Absage erteilt habe, während seine Konkurrenten in dieser Frage Klarheit vermissen ließen. In Richtung der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagt er deshalb: „Frau Dreyer, bei aller Wertschätzung, aber bis vor zwei, drei Tagen hieß es, Frau Esken würde heute kommen. All diejenigen in ihrer Partei, die gerne mit der Linkspartei koalieren wollen, die werden irgendwo versteckt jetzt die letzten zwei, drei Wochen. Die dürfen gar nicht mehr auftreten.“ Gastgeberin Anne Will schaltet sich ein: „Nein, Frau Esken hat abgesagt, keine Verschwörungserzählungen konstruieren.“ „Ich habe sie getroffen an der Pommesbude“, wirft der Journalist Robin Alexander ein, „also sie ist da.“ „Sie ist also in der Nähe“, stellt Spahn fest, ehe er sein Urteil wiederholt: „Sie verstecken Sie erfolgreich.“

Dreyer antwortet, natürlich verstecke die SPD ihre Parteivorsitzende nicht: „Und es ist auch eigentlich unverschämt, Herr Spahn. Frau Esken ist unsere Parteivorsitzende, gemeinsam mit Herrn Walter-Borjans und sie ist gewählt worden durch einen demokratischen Prozess in unserer Partei und Sie können sie mögen oder nicht, aber man kann mit niemandem so umgehen.“

Über das Triell habe sie sich sehr gefreut, weil sich Olaf Scholz bei den Fragen zu Ermittlungen in seinem Finanzministerium nicht hat aus der Ruhe bringen lassen, sondern sehr klar, aber auch emotional reagiert habe. Daher teile sie auch nicht den Eindruck, Unionskandidat Laschet habe sich souverän präsentiert, sondern meint, er habe mit „blumigen Halbwahrheiten“ hantiert. „Darüber kann man sich auch aufregen“, sagt Dreyer, doch ihr Kanzlerkandidat sei gelassen geblieben: „Aber es gehört vielleicht zum Wahlkampf dazu und Olaf Scholz hat pariert und hat sehr klar und in einem ruhigen Stil, aber auch mit Emotion darauf reagiert.“

Olaf Scholz in Triell-Analyse bei „Anne Will“ im Fokus

Die Diskussion zwischen Spahn und Dreyer spitzt sich daraufhin zu: Dreyer erklärt, dass die staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen wegen unbekannten Mitarbeitern stattgefunden hätten und sich ausdrücklich nicht gegen Olaf Scholz oder seine Mitarbeiter richten würden. Doch Spahn legt nach: „Das Thema ist doch ein anderes. Es geht doch um den Kampf gegen Steuerhinterziehung, den ja auch nicht selten der Finanzminister in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt, auch Sie programmatisch und hier zeigt sich einfach: Das funktioniert nicht. Trotz der Verantwortung seit drei Jahren funktioniert dieser Kampf hinter Steuerhinterziehung nicht.“ Dazu kämen die Wirecard- und CumEx-Skandale, doch Dreyer unterbricht seinen Vortrag.

„Darf ich kurz ausreden?“, fragt Spahn noch, aber Dreyers Antwort lautet: „Nein. Sie erzählen hier nicht das, was richtig ist. Es ist nicht mehr die Frage mit der Verjährung, das ist alles geklärt und das Geld ist auch zurückbezahlt. Also behaupten Sie es nicht hier in dieser Sendung. Ich bitte Sie, Herr Spahn, bleiben Sie einfach bei der Wahrheit, dann haben wir es erheblich leichter.“ „Das stimmt“, sagt Spahn und widerspricht: „Das gilt aber für uns alle gemeinsam. Genauso wie wir alle berechtigte und unberechtigte Fragen jeden Tag beantworten müssen, müssen auch Sie und Herr Scholz sie beantworten in einer solchen Situation.“

„Anne Will“ - Diese Gäste diskutierten mit

  • Jens Spahn (CDU) – Politiker
  • Malu Dreyer (SPD) – Politikerin
  • Katrin Göring-Eckardt (Grüne) – Politikerin
  • Robin Alexander – Journalist
  • Ursula Münch – Politikwissenschaftlerin
  • Ellen Ehni – Journalistin

„Hat Annalena Baerbock an dieser Stelle scharf genug reagiert?“, holt Moderatorin Anne Will die Politikerin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) mit in die Diskussion. Die findet: „Ja. Das hat sie auch sehr deutlich gemacht. Sie hat gesagt, wir sind offensichtlich ein Geldwäsche-Paradies in Deutschland und es ist nicht gelungen, dem beizukommen. Und sie hat auch einen Vorschlag gemacht. Also das hat, glaube ich, die beiden Herren, die sich da miteinander gestritten haben über die Vergangenheit, von ihr unterschieden. Sie hat nämlich klar gesagt, was man tun kann. Beispielsweise, dass man nicht mehr Immobilien bis zu ich weiß nicht welchen Wert bar bezahlen kann. Und ich glaube, darauf kommt es an. Dass man jetzt weiß: Wie kommt man da eigentlich raus?“

Armin Laschet teilt im TV-Triell gegen Scholz aus, Göring-Eckardt verwundert das

Dass ausgerechnet Armin Laschet die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und Regelkonformität thematisiere, verwundere Göring-Eckardt: „Er hat jetzt gerade ein Urteil vor die Füße bekommen, zu Recht, was die Frage des Polizeieinsatzes im Hambacher Wald angeht. Dass die Räumung nicht rechtens gewesen ist, sondern mit vorgeschobenen Argumenten, nämlich angeblich den Brandschutz. Dort ist eine Person zu Tode gekommen. Also ich hätte anstelle von Armin Laschet heute erstmal gesagt: Das tut mir sehr leid, dass das so passiert ist. Das soll nie wieder vorkommen.“

Baerbock habe sich daran nicht abgearbeitet und stattdessen in Richtung Zukunft gewandt, was Göring-Eckardt gut finde, schließlich müsse man sonst auch Maskendeals und weitere Geschehnisse thematisieren: „Es geht darum: Was kann man tun? Und deswegen ist es richtig, an diesen Stellen zu sagen, was jetzt kommt, was erledigt werden muss und was man anders machen kann. Und das habe ich jedenfalls von beiden in dieser Frage, nicht nur in der Klimaschutzfrage, nicht gehört und das finde ich ehrlich gesagt ziemlich dramatisch.“

„Anne Will“ - Das Fazit der Sendung

Die Triell-Analyse bei „Anne Will“ ist weniger eine Analyse, als vielmehr der fortgeführte Wahlkampf zwischen den drei größten politischen Parteien. Weil Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sofort in Richtung SPD austeilt, kommt es zum Zoff mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt macht es wie ihre Parteivorsitzende und mischt sich nicht in die Diskussion ein, versucht dann aber das Lösungsangebot ihrer Partei herauszuarbeiten. Der Journalist Robin Alexander meldet sich dagegen immer wieder pointiert bis provozierend zu Wort, während die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch die Bedeutung des Triells bei der Wahlbevölkerung für überschätzt hält. Dazu liefern die Journalistinnen Ellen Ehni und Tina Hassel Live-Ergebnisse von Triell-Umfragen und berichten von der Stimmung bei Partei-Public-Viewings.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare