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Wagenknecht feuert bei Anne Will gegen Impfung - und macht Lauterbach und die eigene Partei fassungslos

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Sahra Wagenknecht (Linke) sprach sich am Sonntagabend bei Anne Will gegen Corona-Impfungen aus, ganz zum Unmut von Gesundheitsexperte Lauterbach (SPD). Es folgt auch Kritik aus der eigenen Partei.

Berlin - Sahra Wagenknecht ist selbst innerhalb ihrer eigenen Partei umstritten. Bei ihrem Auftritt im ARD-Talk bei Anne Will am Sonntagabend blieb sie ihrer Rolle treu: Sie äußerte weitverbreitete Fehlinformationen über die Corona-Impfung und sorgte damit für Ärger in den eigenen Reihen . Der Mediziner und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) zerlegte jeden ihrer Einwürfe sachlich.

Wagenknecht vs. Lauterbach: So argumentieren die Politiker

Sahra Wagenknecht findet es anmaßend zu sagen, was der Impfstoff in fünf oder zehn Jahren auslöse. So äußerte sich die Linken-Politikerin am Sonntag in der ARD-Sendung Anne Will. Sie fände es auch bedenklich, dass in den Verträgen von Biontech-Pfizer stünde, dass der Hersteller nicht für Langzeitfolgen hafte. „Wenn es die Langzeitfolgen nicht gibt, frage ich mich, warum gibt es solche Klauseln?“ Den Druck auf Ungeimpfte in der Bevölkerung wolle sie aufheben. Wagenknecht habe sich selbst noch nicht impfen lassen, da sie die Langzeitfolgen nicht kenne. Sie würde sich eher impfen lassen, wenn es einen Totimpfstoff gäbe, der auf dem klassischen Verfahren beruhe. Gegenüber dem „neuartigen Impfstoff“ zeigte sie sich skeptisch.

Karl Lauterbach (SPD) entgegnete auf die Äußerungen Wagenknechts, dass alle Experten dieser Welt ausschließen können, dass es eine langfristige Nebenwirkung gebe. Daraufhin fiel ihm Wagenknecht ins Wort: „Aber die Hersteller offenbar nicht!“, behauptet die Politikerin der Linken. „Ich habe Ihnen sehr geduldig zugehört“, holt sich Lauterbach das Wort zurück und setzt seine Argumentation fort: „Wir verschweigen hier nichts, sondern es ist noch nie so gewesen, dass bei einem Impfstoff eine Nebenwirkung sehr spät aufgetreten ist. Was passiert ist, dass eine Nebenwirkung sehr selten war und man sie erst gesehen hat, indem viele Menschen geimpft wurden, aber dann sah man es dennoch früh.“ Auch die Klauseln bei den Herstellern seien kein Novum. Wenn der Staat eine Impfung empfehle, hafte immer der Staat, so Lauterbach. Die Klauseln der Hersteller zu erwähnen sei aus Sicht von Lauterbach eine „Räuberpistole“.

Lauterbach ruft zu Solidarität auf: „Impfen ist auch eine gesellschaftliche Entscheidung!“

Wagenknecht sprach mehrmals von einem neuartigen Impfstoff und bezog sich dabei auf den mRNA-Impfstoff. Sie führte zudem aus, dass Impfen kein „Akt der Solidarität mit anderen“ sei, da Geimpfte das Virus ebenfalls weitergeben würden. Es sei oft von neuartigen Impfstoffen die Rede, führte Lauterbach aus, doch auch das sei falsch. „Es ist ja nicht so, dass nur mRNA-Impfstoffe angeboten werden, wir haben auch Vektorimpfstoffe. Die werden immer schon eingesetzt!“ Selbst die seltensten Nebenwirkungen sehe man, wenn ein Impfstoff 500 Millionen Mal verwendet wurde. Er forderte: „Man darf die Menschen nicht verunsichern, die wir jetzt zur Impfung bitten. Die Impfstoffe sind sicher!“

„Ich stimme Ihnen auch nicht zu, dass es eine rein individuelle Entscheidung ist, Frau Wagenknecht“, so der SPD-Gesundheitsexperte. „Ist es auch, aber es ist auch eine gesellschaftliche.“ Denn man schütze mit der Impfung nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Dafür führen Lauterbach und die Wissenschaftsjournalistin Christina Brandt in der Sendung zwei Argumente ins Feld: Einerseits haben Geimpfte die ersten sechs Monate eine geringere Chance sich anzustecken. Danach sei die Viruslast zwar gleich hoch, doch die Viren weniger lebendig. Dadurch seien die doppelt Geimpften weniger ansteckend. Zudem belasten Geimpfte die Intensivstationen auch weniger.

Sahra Wagenknecht bei Anne Will
Sahra Wagenknecht (Linke) war am Sonntag zu Gast bei Anne Will im Ersten. © Jürgen Heinrich / Imago

Kritik aus eigener Partei: „Ich kann und werde Wagenknecht nicht mehr erklären“

Nach ihrem Auftritt als Impfskeptikerin in der ARD-Show von Anne Will schlägt Sahra Wagenknecht nun Gegenwind aus der eigenen Partei entgegen. Die Vorsitzende der Partei Die Linke Susanne Hennig-Wellsow betonte am Montag in Berlin, dass ihre Partei die Impfkampagnen unterstütze. Impfen sei „auch die Verantwortung für andere.“ Es sei daher nicht banal, das Impfen abzulehnen oder vom Impfen abzuhalten, merkte die Linken-Politiker im Hinblick auf Wagenknechts Äußerungen an, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. „Ich kann und werde Sahra Wagenknecht nicht mehr erklären“, so Hennig-Wellsow weiter.

Ein langjähriger Wegbegleiter Wagenknechts, Dietmar Bartsch, sprach sich auf Twitter ebenfalls dafür aus, sich gegen Corona impfen zu lassen. Die innenpolitische Sprecherin in Sachsen-Anhalt, Henriette Quade, äußerte sich ebenfalls auf dem Kurznachrichtendienst zu Wagenknechts Äußerungen: „Ihre Schwurbelei gefährdet Menschen, sie braucht keine Podien, sondern Widerspruch.“ Die Position von Sahra Wagenknecht sei mit der Linken unvereinbar, sagte Parteivorstandsmitglied Raul Zelik. Die Landtagsabgeordnete in Sachsen, Jule Nagel fragte: „Wen repräsentiert Wagenknecht bei Anne will mit medizinischem Halbwissen und Impfskeptizismus?“ und lieferte die Antwort gleich mit: “Die Linke nicht!“

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