Talk bei Anne Will

Konservative Wähler mit „Schreckgespenst Rot-Rot mobilisiert“

  • schließen

Berlin - Eigentlich sollte über die Folgen der Wahl im Saarland diskutiert werden, doch am Ende steckt eine hochkarätig besetzte Runde die Themen für die nächsten Monate ab. Der Bundestagswahlkampf hat begonnen. 

Ja zugegeben, die Landtagswahl im kleinen Saarland sorgte bereits im Voraus für große Schlagzeilen. Viel wurde spekuliert über die erste Landtagswahl im deutschen Superwahljahr.  Kommt es im im kleinsten Flächenland Deutschlands zum Niedergang der CDU, die im Schatten des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz mehr und mehr an Boden zu verlieren scheint? Kann die SPD vom Schulz-Hype profitieren und nach 18 Jahren mit Spitzenkandidatin Anke Rehlinger wieder eine sozialdemokratische Regierungschefin stellen? Kommt es tatsächlich zu einem Rot-Rot-Bündnis zwischen SPD und Linke? Und gelingt dem ehemaligen SPD-Chef Oskar Lafontaine tatsächlich die Rückkehr in Saarlands Landesregierung? Am Ende fiel die Antwort kurz und schlicht aus: Nein.

Da die CDU mit der amtierenden Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ein überraschend klares Ergebnis (40,7 Prozent) gegenüber der SPD (29,6 Prozent) einfahren konnte, hieß es am Ende: Es bleibt alles beim Alten. 

Wagenknecht über Schulz: „Er hält blumige Reden - aber macht nichts Konkretes“

Auch später am Abend, bei der sonntäglichen Talkrunde von Anne Will, sollte es um die Landtagswahl im Saarland gehen. Immerhin lautete der Titel der Sendung: „Saarland wählt, Berlin zittert - Stehen die Zeichen auf Wechsel?“ Doch am Ende folgten die Gäste dem Credo dieses Wahltages: Nichts als heiße Luft. 

Denn auf das Thema der Sendung eingegangen wurde schlussendlich nur wenig. Für den größten Aufreger zu Beginn der Sendung sorgte noch Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht. Zunächst beteuerte sie, sich über das Wahlergebnis zu freuen, was anhand des nicht zustande gekommenen Rot-Rot-Bündnisses nicht nur bei Talkmasterin Anne Will („Echt?“) für Verwunderung sorgte.
Anschließend teilte sie gegen SPD-Hoffnungsträger und Kanzlerkandidat Martin Schulz aus: „Martin Schulz hat viele Hoffnungen geweckt, doch hat er die Hoffnungen nie untersetzt. Er hält blumige Reden - aber macht nichts Konkretes.“ Wagenknecht ist sich sicher, „mit einer klaren Position“ hätte es ein besseres Ergebnis gegeben. 

Feldenkirchen: Konservative Wähler „mit dem Schreckgespenst Rot-Rot mobilisiert“

Ist der Schulz-Hype also schon vorbei, hakte Talkmasterin Will nach. Markus Feldenkirchen, Hauptstadtkorrespondent beim „Spiegel" erklärte, dass es weniger mit Schulz zu tun gehabt hätte. Vielmehr habe man konservative Wähler „mit dem Schreckgespenst Rot-Rot mobilisiert.“

Markus Feldenkirchen, Spiegel-Korrespondent bei „Anne Will“.

Auch Malu Dreyer, SPD-Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, schlägt in die selbe Kerbe: „Eine Landtagswahl ist keine Bundestagswahl. Wir haben nicht erreicht, was wir uns erhofft haben. Das war jedoch kein Duell Merkel gegen Schulz und ist damit kein Indikator für die Bundestagswahl.“ 

Und selbst der vor Selbstbewusstsein nur so strotzende Unionsfraktionschef Volker Kauder musste zugeben, „über unser eigenes Ergebnis überrascht“ gewesen zu sein.

Grüne aus dem Parlament gewählt

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt wollte weniger über das Abschneiden der Grünen bei den Landtagswahlen im Saarland reden, was bei dem Ergebnis ihrer Partei auch verständlich war. Mit nur vier Prozent der Stimmen verfehlte man den Einzug in den Landtag („Es ist im Saarland natürlich immer schwer gewesen für uns“). Vielmehr sprach sie über das Streitverhältnis zwischen parteiinternen Querelen der CDU und den permanenten Störfeuer aus München. „Die Wahrheit ist: Sie sind nicht mehr eine Partei“, sagte sie zu Kauder gewandt.

Gewinner und Verlierer: Der Saarland-Wahltag in Bildern

Die Restzeit der Sendung nutzte man, um fleißig über all jene Themen zu reden, die eher in den kommenden Monaten den Wahlkampf um die Bundestagswahl bestimmen dürften: soziale Gerechtigkeit, die Nato- und Verteidigungspolitik, Flüchtlinge. Man zankte sich, unterbrach sich und zankte sich anschließend einfach weiter. Um die Frage, ob Berlin ein Wechsel bevorstünde und ob die Union daher mit den Beinen zittern müsse, ging es am Ende nur noch peripher.  

Auch wenn im Saarland wohl alles beim Alten geblieben ist, das Superwahljahr, so wie es vor der Saarland-Wahl ausgerufen wurde, hat begonnen.

Lesen Sie auch

Alles zur Saarland-Wahl finden Sie in unserem Live-Ticker. Außerdem haben wir für Sie die Landtagswahl im Saarland grafisch aufbereitet. Das Ergebnis in Karte und Grafiken, finden Sie hier.

kus mit dpa/Video: snacktv

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Welche Koalitionen sind nach der Wahl denkbar?
Wer mit wem nach der Wahl? Comeback für Schwarz-Gelb, Jamaika-Feeling oder wieder Groko? CDU, CSU, SPD, AfD, FDP, Linke, Grüne - sieben Parteien dürften im neuen …
Welche Koalitionen sind nach der Wahl denkbar?
Deutlich mehr Menschen erhalten Pflegeleistungen
Düsseldorf (dpa) - Nach der Neudefinition der Pflegebedürftigkeit ist einem Medienbericht zufolge die Zahl der Menschen, die erstmals Geld oder Sachleistungen aus der …
Deutlich mehr Menschen erhalten Pflegeleistungen
Steuereinnahmen im August deutlich gestiegen
Berlin (dpa) - Die Steuereinnahmen des Staates sind dank der guten Konjunktur und Beschäftigungslage im August deutlich gestiegen. Das Aufkommen legte insgesamt - ohne …
Steuereinnahmen im August deutlich gestiegen
Viele Muslime haben starke Bindung an ihr EU-Heimatland
Integration ist ein heißes Eisen. Die EU hat Einstellungen und Erfahrungen der zugewanderten Muslime in Europa untersuchen lassen. In Sachen Offenheit für Fremde ist für …
Viele Muslime haben starke Bindung an ihr EU-Heimatland

Kommentare