Anne Will diskutiert mit ihren Gästen in ihrem Studio
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Anne Will diskutiert mit ihren Gästen in ihrem Studio

Özdemir langt hin

„Ich traue Trump alles zu“: Harte Worte bei „Anne Will“ - Professorin sorgt mit These für Stirnrunzeln

Bei Anne Will waren sich die Gäste einig: Ob gesund oder krank: Trump geht gar nicht. Es hagelte harsche Kritik. Auch Peter Altmaier hielt sich nicht zurück.

  • Der Grüne Cem Özdemir richtete bei Anne Will harte Worte an Donald Trump: Der US-Präsident sei ein notorischer Lügner und habe keine Fähigkeit zur Empathie.
  • Republikaner Johnson stellt klar: Trump habe sich deutlich von Rassisten und Rechtsradikalen distanziert

Berlin - „Trump mit Corona infiziert – welche Konsequenzen hat das für die USA?“ - darüber wollte Anne Will am Sonntagabend mit ihren Gästen debattieren. Doch dieses Thema spielte beim Talk dann eher eine Nebenrolle. Die Runde nutzte die Zeit vor allem für Kritik an Trump - und argumentierte dabei fast im Einklang.

„Anne Will“-Talk: Ihre Gäste beim Thema „Trump mit Corona infiziert“

  • Peter Altmaier (62, CDU) - Bundeswirtschaftsminister
  • Cem Özdemir (54, Grüne) - Ex-Parteichef und Bundestagsabgeordneter
  • Professorin Britta Waldschmidt-Nelson (55) - Expertin für Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums an der Universität Augsburg
  • Rachel Tausendfreund (42) - Redaktionsleiterin und US-Expertin beim „German Marshall Fund“
  • Stefan Niemann (54) - Leiter des ARD-Studios in Washington, D.C.
  • Roger Johnson (68) - Vizepräsident der Trump-Unterstützer „Republicans Overseas in Europa“

Nicht nur die Finanzmärkte reagierten auf die Erkrankung des US-Präsidenten Donald Trump sofort mit Kursrückgängen. Die Nachricht sorgte für weltweite Schlagzeilen, politische Unsicherheiten.

„Anne Will“: Trumps laxer Umgang mit Maske und Hygienemaßnahmen rächt sich nun

Der aus Wien zugeschaltete Gast Roger Johnson versuchte die Verantwortung noch auf die Bundesstaaten zu schieben, die die Corona-Maßnahmen festlegen. Er musste aber klein beigeben, als Anne Will ihn an die Vorstellung der neuen Supreme-Court-Richterin Amy Coney Barrett erinnert, die ohne Hygienemaßnahmen über die Bühne ging - im Rosengarten des Weißen Hauses. Johnson räumte ein: „Es ist bedauerlich, dass das so gelaufen ist“ – er betonte, selbst stets Maske zu tragen. Anders als Trump das lange Zeit per se zu tun pflegte.

„Anne Will“ über Trumps Gesundheitsstatus: Was weiß die Bundesregierung?

Von Wirtschaftsminister Peter Altmaier wollte Anne Will wissen, ob die Bundesregierung über den Zustand des amerikanischen Präsidenten mehr wisse als die Öffentlichkeit. Der Minister wiegelte ab und nutzte seine Redezeit für offene Corona-Kritik am Präsidenten: „Was mich ärgert, ist, dass es immer wieder Politiker gibt, die es verharmlosen.“ Der CDU-Minister zeigte Enttäuschung: „Ich hätte mir einen internationalen Konsens gewünscht, wie wir mit dieser Pandemie umgehen.“

Altmaier vertiefte in der Sendung seine Ablehnung der Politik Trumps noch weiter: „Vieles, was er gemacht hat, entspricht nicht meiner Vorstellung. ,America first’ geht gegen alle anderen Länder!“ Klimaschutz und andere große Fragen der Zeit könne man nur gemeinsam angehen.

Özdemir zieht bei „Anne Will“ gegen Trump ordentlich vom Leder

Özdemir ließ dann regelrecht einen Kritik-Hagel auf Trump niedergehen: „Dieser Präsident hat die Wut der Menschen verdient“, polterte er. Und: „Trump ist das Gegenteil von Empathie und Mitmenschlichkeit. Das hat er nicht in seinen Genen.“ Der Präsident sei ein „notorischen Lügner“, bei dem die „persönlichen Interessen über den Interessen des Landes“ stünden; er traue Trump „alles zu“. Auch die US-Republikaner bekommen ihr Fett weg: „Ein Trump-Wahlverein, der mitschuldig ist an den Verbrechen.“

„Anne Will“: Expertin sieht in Wahlfälschungs-Vorwürfen Propaganda von Trump

Ein wenig inhaltlich in Fahrt kommt die Sendung, als Anne Will die von Trump bereits lange vor dem Urnengang vorgebrachten Vorwürfe der Wahlmanipulation zum Thema macht. Historikerin Waldschmidt-Nelson wies darauf hin, dass Wahlmanipulationen in den USA, wenn es sie in der Geschichte überhaupt gab, unwesentlich waren. Trump nutze eine Falschinformation als Wahlkampfstrategie, erschwere zudem die Briefwahl und animiere ehemalige Polizisten, Wähler zu verunsichern.

Der US-Republikaner Johnson wies den letzten Vorwurf entschieden zurück und betonte, dass sich Trump von Rassisten und Rechts-Radikalen deutlich distanziert habe. Auf Nachfragen von Anne Will rudert die Historikerin zurück und gibt zu, sie habe die Informationen dazu „online“ gelesen - sie nennt das Schlagwort „Election Day Operation Army“.

„Anne Will“: Eine Verschiebung des US-Wahltermins ist rechtlich möglich

Mehr Substanz hatte augenscheinlich der Hinweis der US-Journalistin Rachel Tausendfreund auf eine rechtmäßige Verurteilung zweier Republikaner, die offenbar gezielt Wähler falsch „aufklärten“, damit diese nicht ihre Stimme abgeben konnten. Sie wies zudem darauf hin, dass eine Wahl-Verschiebung um bis zu drei Wochen rechtlich möglich wäre: „Jeder Tag mit Corona ist für Trump ein verlorener Tag. Eine Verschiebung würde Trump nützen.“ Doch die Demokraten müssten einem Aufschub zustimmen.

USA Thema beim ARD-Talk: Am Ende noch versöhnliche Worte bei „Anne Will“

Am Ende stellte Altmaier dann doch noch mal klar: „Mein Vertrauen in die demokratische Kraft der USA ist ungebrochen.“ Der Minister warnte, Instabilität nach der US-Wahl könne massive, weltweite wirtschaftliche Folgen haben. Auch Özdemir fand noch versöhnliche Worte: Die Amerikaner hätten Deutschland die Demokratie gebracht, US-Soldaten hätten im Kampf gegen Hitler ihr Leben gelassen, „das sollten wir nicht vergessen.“

Fazit bei „Anne Will“ zu Trumps Corona-Infektion

Es wurde gemotzt, die Bereitwilligkeit zur harten Diskussion war da - aber die Runde war sich im Wesentlichen in ihrer Ablehnung von Trumps Auftreten einig. Sogar der Republikaner-Vertreter gestand zähneknirschend Bedenken gegenüber seinem Präsidenten ein. Doch trotz aller Kritik hat Trump wieder einmal bekommen, was er braucht: ungeteilte Aufmerksamkeit.

Genau das erzürnte sogar einen Bundestagsabgeordneten: „Es ist echt so beschämend - es gibt so viele wichtige Themen und #AnneWill bringt zum X ten mal #Trump - Bloß keine wirkliche Debatte über #Sozialwende #Scheuer #CumEx oder #Klimakrise“, rügte der fraktionslose Parlamentarier Marco Bülow.

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