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Ein Blumenmeer am Breitscheidplatz in Berlin. Vor zwei Wochen fuhr ein LKW hier in einen Weihnachtsmarkt.

Was wir wissen und was nicht

Anschlag in Berlin: Die Faktenlage zwei Wochen danach

Berlin - Zwei Wochen nach dem Lkw-Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin tappen die Ermittler bei vielen Fragen noch im Dunkeln - zumindest offiziell. Ein Überblick.

Gesicherte Antworten zur Tat, zur Flucht und zu möglichen Helfern gibt die zuständige Bundesanwaltschaft nur spärlich heraus. Ein Überblick:

Was wir wissen

  • Über den mutmaßlichen Täter Anis Amri: Die Beweislast gegen den Tunesier Anis Amri ist erdrückend. In der Lkw-Fahrerkabine wurden am 20. Dezember - also einen Tag nach dem Anschlag - Papiere von ihm gefunden, auch dort entdeckte Fingerabdrücke stammen von ihm. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass Amri den Lkw gekapert und gesteuert hat. Amri wurde am 23. Dezember in Sesto San Giovanni bei Mailand bei einem Schusswechsel mit italienischen Polizisten erschossen, die seinen Ausweis kontrollieren wollten.

Bilder: Laster rast in Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz

  • Über Amris Leben in Deutschland: Nach Deutschland gekommen war Amri im Juli 2015. Zuvor war er in Italien registriert, dort saß er zeitweise im Gefängnis. In Deutschland hielt er sich vorwiegend in Nordrhein-Westfalen und Berlin auf. Er nutzte mehrere Identitäten, weswegen in Duisburg und Berlin gegen ihn ermittelt wurde. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, er konnte aber nicht zurück nach Tunesien gebracht werden, da dafür nötige Papiere aus dem nordafrikanischen Land erst nach dem Anschlag eintrafen. Amri wurde von Sicherheitsbehörden als sogenannter islamistischer Gefährder geführt und zeitweise überwacht. Man traute ihm also zu, jederzeit ein Attentat zu verüben. Beweise für konkrete Anschlagspläne fanden die Ermittler nicht. Im September 2016 endete die Observation.
  • Über einen islamistischen Hintergrund: Die Bundesanwaltschaft hält ein Video für authentisch, in dem Amri sich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekennt. Das IS-Sprachrohr Amak veröffentlichte es, nachdem Amri erschossen worden war.

Berlin-Anschlag: Polen nimmt Abschied von Brummifahrer - Bilder

  • Was zur Waffe Amris bekannt ist: Im Lkw-Führerhaus wurde eine Schusswaffe, Kaliber 22, abgefeuert. Auch nach dem Schusswechsel Amris mit den Polizisten in Italien wurde ein Projektil Kaliber 22 gefunden. Die Staatsanwaltschaft Mailand erklärte am Montag auf dpa-Anfrage, zwar sei ein Abgleich mit einem Abguss des Projektils, der aus Deutschland nach Italien geschickt wurde, noch nicht abgeschlossen. Es sei jedoch zu 99 Prozent sicher, dass es sich um dieselbe Waffe handele.

Bilder: Hier wurde Anis Amri erschossen

Was wir nicht wissen

  • Wie konnte Amri einfach so untertauchen? Das ist unklar. Laut Berliner Generalsstaatsanwaltschaft konnte Amri etwa parallel zum Ende seiner Überwachung im September in der Hauptstadt „nicht mehr festgestellt werden“. Anschließend war er Berichten zufolge aber noch Thema im Terrorabwehrzentrum von Bund und Ländern (GTAZ). Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen warnte der marokkanische Geheimdienst noch im September und Oktober vor Anschlagsplänen Amris. NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ zitierten aus einem Personenprofil nordrhein-westfälischer Sicherheitsbehörden über Amri, das am 14. Dezember aktualisiert worden sei. Darin würden zwei Berliner Adressen angegeben, an denen sich Amri „zurzeit“ aufhalte.
  • Wie gelang Amri die Flucht? Zwei Tage nach dem Anschlag war Amri nach Angaben der niederländischen Staatsanwaltschaft in Nimwegen. Doch wie er dorthin gelangte und was er bis dahin machte, ist unbekannt. Der „Spiegel“ berichtete, erste Ermittlungsergebnisse legten nahe, jemand habe am 20. Dezember in Nordrhein-Westfalen das Facebook-Profil Amris gelöscht. Ob er selbst es war, ist unklar.
  • Wie kam Amri an die Schusswaffe? Das ist nicht bekannt.
  • Hatte Amri Komplizen und Mitwisser? Das ist unklar. Berichten zufolge verschickte Amri noch aus dem Lkw mit seinem Handy Textnachrichten. Der „Focus“ schrieb, diese seien an Gesinnungsgenossen aus Berlin und dem Ruhrgebiet gegangen.Die Ermittler hatten zudem einen 40-jährigen Tunesier als mögliche Kontaktperson Amris festgenommen, ließen ihn aber wieder gehen. Auch in Italien wurde nach einem Helfer-Netzwerk gesucht, da man davon ausgeht, dass Amri nicht ohne Grund Richtung Mailand reiste. In der Nähe des Bahnhofs Sesto San Giovanni fahren viele Fernbusse ab. Angeblich wollte er von Mailand nach Süditalien weiterreisen, berichteten italienische Medien.

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