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Anschlag in St. Petersburg: Russland im Fadenkreuz

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Es ist ein Irrglaube, dem Terror mit unbedingter Härte beikommen zu können. Das hat die widerwärtige Bluttat von St. Petersburg gezeigt. Im Gegenteil: Russland macht die Terroristen damit nur stärker. Ein Kommentar.

Noch ist nicht abschließend geklärt, aus welchen Motiven der Attentäter von St. Petersburg 14 Menschen mit sich in den Tod gerissen hat. Doch bereits jetzt lässt sich festhalten: Dschihadisten weltweit feiern seine Tat. Und man kann es tatsächlich fast überraschend finden, dass es so lange Zeit keinen Anschlag in Russland gab.

Die widerwärtige Bluttat von St. Petersburg hat gezeigt, dass es ein Irrglaube ist, dem Terror mit unbedingter Härte beikommen zu können. Man kann ihn nicht einfach totschlagen, er lässt sich nicht militärisch besiegen. Im Gegenteil, aus der militärischen Unterlegenheit zieht er doch überhaupt erst seine Kraft – und aus den Grausamkeiten der Überlegenen schmiedet er sich seinen Rückhalt in Teilen der Bevölkerung. Russland hat nicht nur die Mörder des Islamischen Staats in Syrien gnadenlos bombardiert, sondern auch die Rebellen, die gegen Machthaber Baschar al-Assad kämpfen – und mit ihnen unzählige Zivilisten. Es ist Wladimir Putin, der den Despoten Assad schützt – einen Mann, der nach Überzeugung der UN Giftgas gegen das eigene Volk einsetzt.

Das alles musste Putin zwangsläufig zum derzeitigen „Hauptfeind des Dschihadismus“ machen, wie ihn die italienische „La Repubblica“ nennt. Und das wird er wohl bleiben. Bilder von auf der Straße erstickenden Kindern in Syrien leisten am Ende bessere Rekrutierungsarbeit für den IS und andere Dschihadisten, als es radikale Koranverteiler in Fußgängerzonen jemals könnten.

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