1. Startseite
  2. Politik

Angebliche Anti-Putin-Gruppe bekennt sich zu Dugina-Mord, doch es gibt Zweifel – auch an ihrem Sprecher

Erstellt:

Von: Franziska Schwarz

Kommentare

 Der ehemalige Duma-Abgeordnete Ilja Ponomarjow
Laut dem ehemaligen Duma-Abgeordneten Ilja Ponomarjow hat sich eine russische Untergrundorganisation zu dem Anschlag auf Darja Dugina bekannt. (Archivfoto von 2013) © Yuri Kochetkov/dpa/picture alliance

Wer steckt hinter dem mutmaßlichem Mord an Daria Dugina? In einem Bekennervideo nennt Ilja Ponomarjow die „Nationale Republikanische Armee“.

Moskau - Zu dem Anschlag in Russland auf Daria Dugina bekennt sich nun offenbar eine russische Untergrundorganisation. Das deutet der ehemalige Duma-Abgeordneten Ilja Ponomarjow an. Die rechtsextreme Aktivistin starb durch eine Autobombe. Ihr Vater Alexander Dugin gilt als Vordenker von Waldimir Putin.

„Dieser Anschlag schlägt eine neue Seite des russischen Widerstands gegen den Putinismus auf. Eine neue - aber nicht die letzte“, sagte der Exil-Russe Ilja Ponomarjow nun im Namen der „Nationalen Republikanischen Armee“ in einem am 21. August veröffentlichten Youtube-Video. Diese Gruppe nennt sich auch „rosa Partisanen“, berichtet Pavel Lokshin, Moskau-Korrespondent der Welt. Sie bezeichnet Putin als „Usurpator“, also als jemanden, der widerrechtlich die Staatsgewalt an sich reißt, und als „Kriegsverbrecher“.

Außerdem hat sie wohl nicht nur den Kremlchef selbst, sondern auch seine Gefolgsleute im Visier. Das berichtet Lokshin aus einem auf Telegram veröffentlichten Manifest der Gruppe – und mutmaßt, man könne davon ausgehen, dass sich Teile der russischen Opposition wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine radikalisiert haben.

Anschlag in Russland auf Dugin-Tochter: Dubioser Untergrundorganisations-Sprecher

Das Manifest sei sprachlich ein „ideologischer Flickenteppich“, so Lokshin, und er habe Zweifel an der „Nationalen Republikanischen Armee“. Sie könne auch ein Projekt der russischen Geheimdienste sein, um die Massenmobilisierung im Ukraine-Krieg zu rechtfertigen. Auch im Internet wurde bezweifelt, dass eine improvisierte Oppositionsbewegung hinter einem solch ausgeklügelten und aufwendig geplanten Attentat stecken könnte. Ob es eine „Nationale Republikanische Armee“ tatsächlich gibt, war zunächst nicht überprüfbar.

Der ntv-Moskau Korrespondent Rainer Munz listete die Spekulationen auf: Putin-Unterstützer sehen die Schuld bei der ukrainischen Seite, andere hingegen bei Oppositionellen in Russland oder im Exil - oder beim russischen Geheimdienst FSB, der damit die Absicht einer „Hexenjagd“ gegen verbliebene russische Oppositionelle verfolge. Die „abstruseste“ Erklärung komme laut Munz jedoch eben von Ponomarjow: „Von dieser Armee hat man bislang nichts gehört. Deshalb ist diese Variante am abwegigsten.“

Ponomarjow gilt in der russischen Opposition als dubios. Dass eine „Nationale Republikanischen Armee“ ausgerechnet ihn für sie sprechen lasse, sei „schwer vorstellbar“, schreibt auch Lokshin.

Was ist über Ponomarjow bekannt?

Ponomarjow nach Autobomben-Anschlag auf Dugin-Tochter im Fokus - eher Selbstdarsteller, statt Oppositioneller?

Ponomarjow sei eher ein „politischer Selbstdarsteller“ als ein Oppositioneller der ersten Stunde, urteilt der Welt-Korrespondent, der sich vor Kontakten mit Putins Innenpolitik-Statthaltern nicht scheute. Ponomarjow hatte die Proteste nach den russischen Parlamentswahlen 2011 mitorganisiert - für seine Teilnahme an ihnen habe er sich aber nach eigenen Angaben beim damaligen russischen Vizepremier Wjatscheslaw Surkow das Okay eingeholt.

Laut Ponomarjow sollen die russischen Partisanen in den vergangenen Monaten bereits mehrere Aktionen verübt haben, etwa kleinere Brandanschläge auf Verwaltungsgebäude. Ponomarjow deutete weitere Anschläge in den kommenden Monaten an - etwa gegen Regierungsbeamte und Mitglieder des Sicherheitsapparats, die „Handlanger“ von Putin seien. (frs)

Auch interessant

Kommentare