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Der Attentäter von Würzburg droht in seinem Bekennervideo mit einem Messer.

Fragen und Antworten

Anschlag bei Würzburg: Woher kam der Täter wirklich?

Würzburg - Ist der Axt-Attentäter von Würzburg vielleicht gar nicht Afghane? Inzwischen gibt es Zweifel an der Herkunft des 17-jährigen Flüchtlings. Eine Spurensuche.

Update vom 28. Juli 2016: Kanzlerin Angela Merkel hat ihren Sommerurlaub unterbrochen, um in einer Pressekonferenz unter anderem über den Axt-Attentäter von Würzburg zu sprechen. Wir berichten im Live-Ticker.

Eine Frage, die die Ermittler beschäftigt: Wieso hatte der junge Attentäter, der in einem Zug in Würzburg Fahrgäste schwer verletzt hat, pakistanische Dokumente? Und dann ist da noch die Sprachanalyse seiner Video-Botschaft. Bisher gingen die Behörden davon aus, dass der junge Mann aus Afghanistan stammt.

In Deutschland kommt die Vermutung auf, der Zugattentäter von Würzburg könne Pakistaner sein. Wieso?

Unter Berufung auf Sicherheitskreise hatten Medien berichtet, dass es Zweifel an der Herkunft des 17-jährigen Flüchtlings gebe. Man habe zum Beispiel ein pakistanisches Dokument in seinem Zimmer gefunden. Demnach könnte der junge Mann sich als Afghane ausgegeben haben, um in Deutschland leichter Asyl zu bekommen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Attentäter Pakistaner war und sich nur als Afghane ausgegeben hat?

Das passiere durchaus, heißt es aus dem pakistanischen Innenministerium. Jährlich verließen rund 500 000 Pakistaner ihre Heimat, um in einem anderen Land in besseres Leben zu finden. Viele würden sich mit Hilfe von Menschenschmugglern auch nach Europa durchschlagen. Allerdings werden Pakistaner dort grundsätzlich als Wirtschaftsflüchtlinge angesehen und schnell wieder zurückgeschickt (rund 90 000 Pakistaner allein im Jahr 2014). Weil in Afghanistan wieder Krieg herrscht und Flüchtlinge von dort ein höheres Schutzbedürfnis haben, werden afghanische Asylanträge öfter befürwortet. Es ist für Pakistaner leicht, sich als Afghanen auszugeben, weil in den Nachbarländern teilweise die gleichen Sprachen gesprochen werden.

Amoklauf bei Würzburg: Bilder

Gibt es auch Gegenargumente zu der Pakistan-Theorie?

Viele Afghanen besitzen pakistanische Dokumente, zum Beispiel weil sie eine Weile in Pakistan gelebt haben. Der junge Attentäter könnte sich dort als Flüchtling aufgehalten haben. Viele Millionen Afghanen sind in den vergangenen Jahrzehnten vor Krieg nach Pakistan geflohen. Derzeit leben immer noch rund 1,5 Millionen registrierte und geschätzt eine Million unregistrierte Afghanen dort. Im Frühjahr stammten bis zu 20 Prozent der afghanischen Flüchtlinge in Europa aus den Flüchtlingslagern im Iran oder in Pakistan.

Was lässt sich aus dem Video des Axt-Attentäters über seine Identität sagen?

Der Attentäter spricht eine der beiden Haupt-Landessprachen Afghanistans, Paschtu. Diese Sprache wird auch in Pakistan gesprochen, vor allem in den Grenzgebieten zu Afghanistan. Sprache und Vokabular des Videos scheinen aber eher auf eine afghanische Herkunft zu deuten. Die Indizien: Der Akzent klingt ostafghanisch, als stamme der junge Mann zum Beispiel aus Laghman oder Nangarhar; letzteres grenzt an Pakistan. Außerdem ist sein Paschtu recht rein. Viele pakistanische Paschtunen mischen Urdu-Vokabeln (Urdu ist die Landessprache Pakistans) und englische Worte in ihre Sprache. Afghanische Paschtunen mischen bisher kaum mit anderen Sprachen.

In dem zwei Minuten und 20 Sekunden dauernden Video sind die einzigen Nicht-Paschtu-Worte „airport“ und „target“ und „Fawj“ für Armee in Urdu. Einige arabische Vokabeln werden tagtäglich auch in afghanischem Paschtu verwendet.

Welche Reaktionen gibt es in Pakistan und Afghanistan?

Aus dem pakistanischen Außenministerium heißt es am Mittwoch, man sei sich bewusst, dass es Fragen zur Identität des Mannes gebe. Man habe aber noch keine offizielle Bitte um Ermittlungen erhalten. In Afghanistan heißt es auf vielen Webseiten und in Medien, der Akzent des Mannes sei pakistanisch. Für das Land ist das nicht untypisch: Es gibt eine Tendenz, Pakistan für Probleme verantwortlich zu machen.

dpa

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