Sechs mutmaßliche IS-Mitglieder in mehreren Bundesländern festgenommen

Sechs mutmaßliche IS-Mitglieder in mehreren Bundesländern festgenommen
+
Polizisten sind am Wochenende am Bahnhof von Offenburg im Einsatz. Foto: Lukas Habura

Ermittlungen laufen

Anschlagsdrohung: Polizei prüft islamistischen Hintergrund

Wollte ein junger Mann aus Tschetschenien einen islamistisch motivierten Anschlag auf eine Disco in Offenburg verüben? Darauf deuten Hinweise im Internet hin. Der Verdächtige bestreitet dies. Aber nun erging Haftbefehl.

Offenburg (dpa) - Nach der Androhung eines Anschlags auf eine Diskothek in Offenburg gehen die Ermittler von einem möglichen islamistischen Hintergrund aus. Dies habe die Auswertung des Chat-Verlaufs im Internet ergeben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Der in Offenburg festgenommene Tatverdächtige bestreite die Vorwürfe, erklärte die Staatsanwaltschaft. Ein Richter erließ Haftbefehl gegen den 22-Jährigen aus der islamisch geprägten russischen Teilrepublik Tschetschenien.

Der Verdächtige sei in der Vergangenheit wegen Kleinkriminalität aufgefallen, nicht aber durch Straftaten mit islamistischem Hintergrund, hieß es. Dem Mann wird vorgeworfen, im Internet einen Anschlag auf eine Diskothek in Offenburg angekündigt zu haben. Die Ermittler waren darauf aufmerksam geworden und hatten in der Nacht zum Sonntag mit einem Großeinsatz reagiert.

Einzelheiten zu dem Verdächtigen wollte die Polizei auf Anfrage nicht nennen. Ermittelt werde wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten, hieß es. Die Hintergründe für die Drohungen seien wegen psychischer Auffälligkeiten des 22-Jährigen schwer einzuschätzen. Waffen oder andere Gegenstände, die mit der Drohung in Verbindung stünden, seien bei ihm nicht gefunden worden.

Die Ermittler hatten am Samstag Hinweise darauf bekommen, dass in einem Internet-Chat Äußerungen zu einem Anschlag gemacht wurden. Die Polizei ließ eine Diskothek räumen und schickte zahlreiche Beamte los. Vor allem im Bereich der Offenburger Discos, auf Zufahrtsstraßen sowie im Stadtgebiet wurden Polizeipräsenz und Kontrollen deutlich erhöht. Die Bundespolizei verstärkte die Fahndungsmaßnahmen an den Grenzübergängen zu Frankreich und an Bahnhöfen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur waren die Äußerungen auf einem russischsprachigen Facebook-Portal veröffentlicht worden. Zudem wurde dort demnach ein Video von zwei Verdächtigen eingestellt, die mit dem Anschlag drohen und wiederholt "Allahu akbar", arabisch für "Gott ist groß", schrien. Der Festgenommene lebte demnach zuletzt in Straßburg. Die Polizei wollte dies auf Anfrage nicht bestätigen.

Ein weiterer Tatverdächtiger, der kurzzeitig festgenommen worden war, wurde wieder freigelassen. Er hatte den Angaben zufolge nichts mit der Anschlagsdrohung zu tun.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Jamaika gescheitert: Und jetzt? Neuwahlen? Minderheitsregierung? Neue GroKo?
Jamaika ist gescheitert: Gibt es jetzt Neuwahlen? Eine Minderheitsregierung? Eine neue GroKo? So könnte es in Deutschland weitergehen.
Jamaika gescheitert: Und jetzt? Neuwahlen? Minderheitsregierung? Neue GroKo?
Geplant oder unvermeidlich: Warum ist Jamaika gescheitert?
Nach einer historischen Nacht bleiben mehr Fragen als Antworten. Warum hat die FDP so kurz vor dem Ziel die Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition abgebrochen? …
Geplant oder unvermeidlich: Warum ist Jamaika gescheitert?
Wenn das Musterland der Stabilität ins Wanken gerät
Ausgerechnet Deutschland bekommt die Regierungsbildung nicht auf die Reihe. Und das in unsicheren Zeiten. Bringt die Hängepartie im wirtschaftsstärksten EU-Land jetzt …
Wenn das Musterland der Stabilität ins Wanken gerät
Mindestens 50 Tote bei Selbstmordanschlag in Nigeria
Inmitten einer Moschee hat sich offenbar ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Nach aktuellem Stand sind dabei mindestens 50 Menschen getötet worden. 
Mindestens 50 Tote bei Selbstmordanschlag in Nigeria

Kommentare