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Türkei erhebt Anspruch auf griechische Insel Rhodos: Erdogan-Weggefährte droht mit Gewalt

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Der nächste Krisenherd – im Ferienparadies. Der Ton zwischen Griechenland und der Türkei wird schlagartig rauer. Türkische Nationalisten erheben nun Anspruch auf die Ägäis-Inseln Rhodos und Kos.

Athen – Devlet Bahceli, 74, ist seit 1997 Parteivorsitzender der türkischen nationalistischen MHP-Partei, seit 2018 Juniorpartner im Wahlbündnis „Volksallianz“ mit der regierenden neoosmanischen AKP-Partei und treuer Weggefährte von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Wenn er etwas sagt, hat das also durchaus Gewicht. Und er hat Griechenland scharf attackiert. Dabei machte er Gebietsansprüche auf die Dodekanes-Inselgruppe in der Ost-Ägäis geltend.

Türkei erhebt Anspruch auf Inseln in Griechenland: Ägäis um Rhodos und Kos im Fokus

Griechenland lässt die Spannungen im Mittelmeer und in der Ägäis eskalieren. Die Griechen spielen mit dem Feuer“, sagte Bahceli. „Die neun Militärstützpunkte, die die USA in Griechenland eingerichtet haben, sind eine Bedrohung für unsere nationale Identität.“ Auch die Anfrage Griechenlands nach F-15- und F-16-Flugzeugen von den USA sei „keine Einladung zum Frieden, sondern zur Polarisierung“.

Konkret nahm der türkische Regierungspolitiker die Dodekanes-Inselgruppe in der Ost-Ägäis ins Visier. Sie besteht, wie schon der griechische Name sagt, aus zwölf Hauptinseln. Hinzu kommen 14 weitere bewohnte Inseln und eine Vielzahl kleinerer unbewohnter Inseln. Sie alle gehören seit 1948 zu Griechenland. Insgesamt leben dort gut 200 000 Einwohner. Mehr als die Hälfte davon sind auf Rhodos ansässig, weitere 35 000 auf Kos, Ziele für Millionen Touristen.

Türkei fordert „gestohlene Gegenstände“ von Griechenland: Bahceli droht mit Gewalt

„Die Frage des Dodekanes, der die Fortsetzung Anatoliens darstellt, ist eine Wunde, die noch nicht geschlossen ist“, sagte Bahceli. Er beklagt „Tricks und Ungerechtigkeiten gegen die Türkei“. Und folgert: „Die gestohlenen Gegenstände müssen dem Eigentümer zurückgegeben werden, ob aus freien Stücken oder mit Gewalt.“

Zuvor hatte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu den türkischen Standpunkt, wonach eine Reihe von griechischen Inseln in der Ost-Ägäis entmilitarisiert werden müssten, bekräftigt: „Griechenland hat die Inseln seit 1960 unter dem Vorwand einer Bedrohung durch die Türkei militarisiert. Die Inseln müssen entmilitarisiert werden. Wenn Griechenland nicht nachgibt, werden wir die Frage der Souveränität dieser Inseln zur Diskussion stellen“, sagte Cavusoglu.

Griechenland weist Forderungen der Türkei als „historisch und völkerrechtlich unbegründet“ zurück

Die Äußerungen Bahcelis und Cavusoglus schlagen in Griechenland hohe Wellen. Vertreter der Regierung in Athen unter dem konservativen Premierminister Kyriakos Mitsotakis wiesen sie als „historisch und völkerrechtlich unbegründet“ zurück.

Griechenland und die Türkei traten am 18. Februar 1952 gemeinsam der Nato bei und gehören damit seit über 70 Jahren der Verteidigungsallianz an. Doch zuletzt haben die Verletzungen des griechischen Luftraums durch türkische Kampfjets drastisch zugenommen. Ferner kam es im Sommer 2020 wegen des Dauerstreits zwischen Athen und Ankara um bedeutende Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer beinahe zu einem kriegerischen Konflikt, nachdem türkische Forschungsschiffe wochenlang griechische Gewässer durchkreuzten. Ferner sind der Türkei die jüngsten Waffenkäufe der Griechen wie der Erwerb hochmoderner Kampfflugzeuge und Fregatten ein Dorn im Auge.

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