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Im Zusammenhang mit den Anschlägen in Brüssel sind am Donnerstag sechs Menschen festgenommen worden.

Anti-Terror-Razzien in Belgien und Frankreich

Brüssel: Mehrere Festnahmen in Verbindung mit Anschlägen

Brüssel/Paris - Brüssel kommt nicht zur Ruhe. Dort und in einem Pariser Vorort führt die Polizei Anti-Terror-Razzien durch und nimmt mehrere Verdächtige fest.

Im Zusammenhang mit den Anschlägen in Brüssel sind am Donnerstagabend in der belgischen Hauptstadt sechs Menschen festgenommen worden. Im Laufe des Freitags werde über Haftbefehle entschieden, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. Ob unter den Festgenommenen zwei von Überwachungskameras aufgenommene Komplizen der Attentäter waren, war zunächst unklar. In Frankreich wurde offenbar ein weiterer Anschlag vereitelt, der aber nicht in Zusammenhang mit Brüssel stehen soll.

Fünf Festnahmen erfolgten laut der Staatsanwaltanschaft an zwei verschiedenen Orten im Zentrum von Brüssel, eine weitere in dem Vorort Jette. Details sollten erst am Freitag bekannt gegeben werden. Bereits vor den Festnahmen hatte Belgien die höchste Terrorwarnstufe wieder aufgehoben. Bei den Anschlägen waren am Dienstag mehr als 30 Menschen getötet und 300 weitere verletzt worden.

Drei Tage nach den Brüsseler Anschlägen hat die Polizei laut Radiosender RTBF einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Die Razzia sei am Freitagmorgen in der Gemeinde Forest abgeschlossen worden, berichtete der Sender. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

In Forest war der 35-jährige Algerier Mohamed Belkaid in der vergangenen Woche bei einer Polizeiaktion erschossen worden. Von Forest aus waren die Polizisten auch auf die Spur des inzwischen inhaftierten Terrorverdächtigen Salah Abdeslam gekommen - er soll an den Pariser Anschlägen vom vergangenen November beteiligt gewesen sein.

Laut Staatsanwaltschaft soll im Laufe des Freitags entschieden werden, ob gegen die Verdächtigen Haftbefehl erlassen wird. Über die Identität der Festgenommenen wurde zunächst nichts bekannt.

Drei Tage seit den Brüsseler Anschlägen

Zunächst war der Flughafen Brüssel-Zaventem durch zwei Explosionen erschüttert worden, die von Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui ausgelöst wurden. Rund eine Stunde später zündete Khalid El Bakraoui, ein Bruder Ibrahims, einen Sprengsatz in einer U-Bahnstation im Europaviertel. Nach mindestens zwei weiteren Tätern, die auf Überwachungskameras mit den Attentätern zu sehen waren, wurde gefahndet.

Der Bruder eines der Selbstmordattentäter vom Flughafen zeigte sich "betroffen" und "niedergeschlagen" angesichts der Najim Laachraoui verübten Gewalttat. "Ich wollte nicht glauben, dass er es war, aber man kann sich seine Familie nicht aussuchen", sagte Mourad Laachraoui am Donnerstag vor Journalisten.

Bereits zuvor hatte der 20-jährige Taekwondo-Sportler in einer kurzen Mitteilung erklärt, seine Familie habe keinen Kontakt zu Najim mehr gehabt, seit dieser im Februar 2013 nach Syrien gereist sei. Die Ausreise habe die Familie der Polizei gemeldet, woraufhin aber nichts Wesentliches geschehen sei.

Hausdurchsuchungen in Paris und Belgien

Erst nach den Attentaten von Paris im November habe es eine Hausdurchsuchung gegeben. "Man hat uns gesagt, dass es eventuell eine Verbindung gibt", sagte Mourad. Nach den Anschlägen vom Dienstag wiederum habe die Familie nichts von der Polizei gehört.

Die belgischen Sicherheitsbehörden stehen schon seit den Pariser Anschlägen vom November massiv in der Kritik, weil diese in Belgien vorbereitet wurden. Mehrere belgische Medien spekulierten, dass das Land einer noch größeren Katastrophe entgangen sein könnte. Möglicherweise seien Anschläge nach Pariser Vorbild geplant gewesen, wo im November 130 Menschen getötet wurden.

Der US-Fernsehsender NBC berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte Verantwortliche, die beiden Brüder seien den US-Behörden als Terrorverdächtige bekannt gewesen. Am Freitag wurde US-Außenminister John Kerry in Brüssel erwartet.

Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zufolge hatten die türkischen Behörden Belgien gewarnt, dass es sich bei einem von ihnen abgeschobenen Mann - laut türkischen Regierungskreisen Ibrahim El Bakraoui - um einen "ausländischen terroristischen Kämpfer" handelte.

Die französischen Sicherheitsbehörden verhinderten nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve ein neues Attentat. Es habe am Donnerstag eine "bedeutende Festnahme" gegeben, durch die ein "im fortgeschrittenen Stadium geplantes Attentat in Frankreich vereitelt wurde", teilte Cazeneuve mit. "Kein greifbares Element" verbinde aber "diesen Plan mit den Attentaten von Paris und Brüssel".

Bei dem Festgenommenen handelt es sich laut Cazeneuve um einen Franzosen. Aus Polizeikreisen verlautete, er sei in einem nicht näher genannten europäischen Land in Abwesenheit im Zusammenhang mit der Anwerbung von islamistischen Kämpfern für Syrien verurteilt worden. Laut Polizeikreisen wurde in der durchsuchten Wohnung des Mannes in Argenteuil bei Paris eine kleinere Menge Sprengstoff gefunden. Die Umgebung sei abgesperrt worden.

afp

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