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Heißt es in Flensburg künftig bald der/die Mülleimer/In? 

Antrag sollte für LAchanfälle sorgen

"Papierkörbin": Die Linke will männliche Gegenstände abschaffen

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Flensburg - Dieser Antrag ist so krude, dass er nur schwer ernst gemeint sein kann. Die "Linke"-Fraktion in Flensburg will Arbeitsmaterial der Stadt entmaskulinisieren. Das steckt dahinter:

Was zunächst klingt wie ein verspäteter Aprilscherz, ist ein tatsächlich eingereichter Antrag im Flensburger Rathaus: Die "Linke"-Fraktion dort will nämlich die Arbeitsgeräte in der Stadtverwaltung in Zukunft genderneutral bezeichnet wissen. Dies berichtet die Bild. Und Details zu dem reichlich kruden Antrag gibt es gleich dazu.

So sollen "Arbeitsgeräte/-mittel aus allen Arbeitsbereichen der Stadt Flensburg genderneutral bezeichnet" werden. Dies soll "insbesondere für grammatisch mit maskulinem Artikel ("der") bezeichnete Arbeitsgeräte/-mittel" gelten. Beispielsweise geht es um Bezeichnungen, die Berufsbezeichnungen nachgebildet seien: der/dieScanner/In, der/die Computer/In, der/dieKopierer/In.

Weitere Bezeichnungen sollen bestehenden Doppelformen kreativ nachgebildet werden. So soll es künftig der/die Papierkorb/-körbin, der/die Briefkopf/köpfin oder der/die Abfalleimer/In heißen. 

Kreativ und bitte mit Ausnahmen

Natürlich gebe es bei der neuen Grammatik auch weiterhin Ausnahmen, so die Bild. Zu den Ausnahmen gehören demnach Nomen, die mit einem Nominalisierungssuffix wie -keit, -heit oder -ung gebildet werden. Ebenso Nomen, die einen grammatikalisch neutralen Artikel ("das") haben, also beispielsweise das Papier, das Dokument, das Spiel. Und auch Nomen, die einen Ort bezeichnen, wie der Flur, die Küche, der Wartebereich sind von der neuen Regel ausgenommen.

Wer sich jetzt mit der Handfläche an die Stirn schlägt und sich fragt, was das soll, kann sich die von der Bild zitierte Begründung der Linken durchlesen: "Es ist im Sinne einer sozial gerechten und antidiskriminerenden Gesellschaft nicht hinzunehmen, dass Nomen, die ein Arbeitsgerät/-mittel bezeichnen, häufig nur mit maskulinen Artikeln gebraucht werden. Dies verlängert die patriarchalische Gewohnheit, dass menschliche, mechanische oder technologische Arbeitsleistung als überwiegend ,männlich' charakterisiert wird."

Alles nur Spaß?

Am 28. September soll über den Antrag verhandelt werden. CDU-Mann Arne Rüstenmeier bestätigt gegenüber der Zeitung, dass die Linke ein derartiges Papier eingebracht habe, doch die Partei rudert inzwischen zurück. Der Antrag sei lediglich als Satire gemeint gewesen und eine Reaktion auf einen Antrag der Ratsfraktion "Wir in Flensburg". 

In diesem Antrag werde die Stadt aufgefordert, "die Bezeichnung Ratsfrau (RF) durch die Bezeichnung Ratsdame (RD)" zu ersetzen, da der Begriff "Dame" die Stellung einer Frau im sozialen Feld kennzeichne und die Höflichkeitsform zur Bezeichnung eines weiblichen Wesens sei. Das Wort "Frau" bezeichne hingegen einen erwachsenen Menschen weiblichen Geschlechts. 

Wenn sich für das männliche Geschlecht der Begriff "Herr" durchgesetzt habe, dann müsse das korrekte Begriffspaar "Dame & Herr" lauten, also "Frau & Mann" und nicht "Frau & Herr". Die Bezeichnung "Frau" habe eine, soziale Stellung des weiblichen Geschlechts nicht berücksichtigende Bedeutung und könne somit als abwertend verstanden werden. Dieser Antrag werde ebenfalls am 28. September diskutiert, so die Bild. CDU-Mann Rüstemeier ist alles andere als zufrieden über diese Anträge. Fakt sei, dass "solcher Unfug der Gleichstellung und dem Ansehen der Stadt" schade.

Die Linke klärt auf - alles nur Ironie

Wie die Linke Flensburg auf ihrer Webseite erklärt, wurde dieser Antrag jedoch nur gestellt, um auf dieAbsurdität des Antrags von "Wir sind Flensburg" hinzuweisen. Zudem erklärt Gabi Ritter, Vorsitzende der Ratsfraktion Die Linke, dass eigentlich nicht die "Ratsfrau" durch die "Ratsdame", sondern der "Ratsherr" durch den "Ratsmann" ersetzt werden sollte. Die Begründung: ein "Herr" sei "jemand, der eine fast vollständige Kontrolle über Dinge oder Personen" habe. Dies sei heute keine "zeitgemäße Bezeichnung für einen Vertreter der modernen Demokratie, so Ritter. 

Des Weiteren erklärt Ritter, dass Die Linke sowohl den Antrag von "Wir sind Flensburg" als auch den eigenen Antrag ablehnen werde. Der "Ergänzungsantrag, der durch die Neuschaffung von Begriffen wie "der/die ScannerIn", "der/die AbfalleimerIn" oder "der/die StaubsaugerIn"" sollte laut Ritter bestenfalls für Lachanfälle in den 13 Etagen des Rathauses sorgen.

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