+
Im "Kalifat" werden die Frauen bereits erwartet. Foto: Stringer/Archiv

Hilfe bei Ausreise und Logistik

IS versucht gezielt Mädchen aus Deutschland zu rekrutieren

Berlin - Junge Frauen werden gezielter und systematischer für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeworben als bislang bekannt. Das haben Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" ergeben.

Laut Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz sind den deutschen Sicherheitsbehörden demnach inzwischen rund ein Dutzend Anwerberinnen bekannt, die Frauen aus Deutschland für den IS rekrutieren. Die Dunkelziffer sei noch höher.

Dabei gibt es den Recherchen zufolge offenbar eine Zusammenarbeit von bereits nach Syrien und in den Irak ausgereisten Frauen und in Deutschland agierenden Unterstützerinnen. Ein internes Papier der deutschen Sicherheitsbehörden spreche von einem "Mädchennetzwerk". Die Anwerberinnen würden die Frauen nach erfolgreicher Rekrutierung unter anderem bei den Vorbereitungen für die Ausreise unterstützen und böten logistische Hilfe an.

In Syrien werden die Frauen bereits erwartet: Die Nachforschungen belegten, dass der Islamische Staat in der syrischen Metropole Raqqa ein schwerbewachtes Frauenhaus betreibe, meldet der Rechercheverbund. Mehrere Quellen hätten berichtet, ankommende Frauen würden dorthin gebracht, eingesperrt und ihren zukünftigen Ehemännern zugeführt.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte zuvor mitgeteilt, dass immer mehr junge Frauen aus Deutschland dem Ruf des IS zum Dschihad in Syrien oder im Irak folgen. Bislang seien 700 Islamisten aus Deutschland in Richtung der Kampfgebiete ausgereist, darunter annähernd 100 Frauen, berichtete die Behörde.

Zahlen und Hintergrundinformationen des Verfassungsschutzes zum Islamismus

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Widerstand im Bundestag gegen Mandatsverlängerung
Berlin (dpa) - Im Bundestag gibt es Kritik am Vorstoß der Verteidigungsministerin zur Verlängerung der Auslandseinsätze der Bundeswehr um ein Jahr.
Widerstand im Bundestag gegen Mandatsverlängerung
Weihnachtsmarkt-Attentäter stärker überwacht als bekannt
Der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, der Tunesier Anis Amri, nutzte rund ein Dutzend Alias-Namen hierzulande. Seit Anfang 2016 war er nahezu wöchentlich Thema …
Weihnachtsmarkt-Attentäter stärker überwacht als bekannt
Industrie: Keine Hängepartie bei Regierungsbildung
Mahnene Worte der deutschen Industrie: BDI-Präsident Kempf fordert eine möglichst schnelle Bildung einer handlungsfähigen Regierung und nennt dafür triftige Gründe.
Industrie: Keine Hängepartie bei Regierungsbildung
Neue Ausstellung in früherer Stasi-Zentrale
Lernen aus der Geschichte - wie kann dieses große Ziel jungen Menschen nahe gebracht werden? Eine Generation ist herangewachsen, die die DDR und den Mauerfall nicht …
Neue Ausstellung in früherer Stasi-Zentrale

Kommentare