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Foto vom 3. Juni 2015: Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi in Berlin.

Studentin hat Botschaft an Kanzlerin

Appell an Merkel vor Ägyptenreise: Distanz zu Al-Sisi halten

Berlin - 2015 sorgte die Studentin Fagr Eladly im Kanzleramt für Aufsehen - jetzt fordert sie von Kanzlerin Angela Merkel mehr Distanz zu Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi.

Er sei ein Diktator und für gravierende Menschenrechtsverletzungen verantwortlich, sagte die 23-jährige Fagr Eladly der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Mit Blick auf Merkels Reise nach Ägypten an diesem Donnerstag sagte die Medizinstudentin: „Frau Merkel darf die deutschen Prinzipien und demokratischen und rechtsstaatlichen Werte nicht verramschen, um vielleicht ein Flüchtlingsabkommen mit Ägypten abzuschließen oder Wirtschaftsbeziehungen zu vertiefen.“

Im Juni 2015 war es bei einer Pressekonferenz von Merkel und Al-Sisi im Kanzleramt zu Tumulten von Teilnehmern der ägyptischen Presse- Delegation gekommen. Sie hatten Al-Sisi mehrfach applaudiert - was nach deutschen Gepflogenheiten gegen journalistische Grundsätze verstößt. Fagr Eladly, die als freie Journalistin arbeitete und die deutsche und die ägyptische Staatsbürgerschaft hat, forderte lautstark und erfolglos, eine Frage stellen zu können.

Dann beschimpfte sie Al-Sisi als Mörder. Daraufhin sprang die ägyptische Presse-Delegation nahezu geschlossen auf, deutete wütend auf die Studentin und schrie im Chor: „Es lebe Ägypten, es lebe Ägypten.“

Ihr eigener Auftritt habe keine rechtlichen Konsequenzen gehabt, berichtet Fagr Eladly heute. Sie habe auch kein Hausverbot im Kanzleramt bekommen. Sie sei in Deutschland aufgewachsen und verteidige die hiesigen Werte wie viele andere auch.

Al-Sisi hatte 2013 als Oberbefehlshaber der Armee in einem blutigen Putsch den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt und wurde ein Jahr später selbst Staatsoberhaupt. Seitdem greift der General i.R. gegen alles durch, was die Stabilität am Nil und seine eigene Macht gefährden könnte. Menschenrechtlern zufolge sitzen Zehntausende Oppositionelle teilweise ohne Prozess im Gefängnis.

Das erwartet Merkel auf ihrer Nordafrika-Reise

Auf Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt bei ihrem Besuch Ägyptens ein Drahtseilakt zu. Einerseits will sie heute in Kairo ebenso wie am Freitag in Tunis über Möglichkeiten zur Beendigung der Flüchtlingskrise sprechen. Dabei geht es vor allem um die Rückführung von Flüchtlingen, Finanzhilfen für deren bessere Lebensbedingungen, den Kampf gegen Schleuser, Unterstützung für den Aufbau eines eigenen Asylsystems und Zusammenarbeit beim Grenzschutz.

Andererseits soll sie gegenüber Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi auch Menschenrechtsverletzungen zum Thema machen. Die sind laut Amnesty International (AI) noch verbreiteter als unter dem Langzeitherrscher und 2011 abgetretenen Husni Mubarak. Al-Sisi wird davon nicht viel hören wollen, sondern eher auf deutsche Wirtschaftshilfe pochen.

dpa

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