Anne Will führt durch die Sondersendung
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Anne Will führt durch die Sondersendung

ARD-Moderatorin entschuldigt sich

Ex-Minister warnt Laschet bei Anne Will - Im Abspann kommt es zum Eklat: „Wie blöd von mir“

Erstaunliches gab es am Sonntag bei Anne Will zu sehen: Ein Philosoph argumentiert gegen Datenschutz, ein Ex-Minister attestiert Grundrechts-Verstöße. Anne Will selbst muss einen Fehler eingestehen.

Corona-Sondersendung bei „Anne Will“ - die Gäste:

  • Armin Laschet (CDU) - Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
  • Michael Müller (SPD) - Regierender Bürgermeister von Berlin
  • Gerhart Baum (FDP) - Bundesinnenminister a. D.
  • Helga Rübsamen-Schaeff - Gründungsgeschäftsführerin des Biotech-Unternehmens AiCuris
  • Julian Nida-Rümelin - Professor für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Zugeschaltet wurde:

  • Kaschlin Butt - Leiterin des Gesundheitsamts in Wiesbaden

„Anne Will“ lud zur Sondersitzung: Deutschland steht vor harten Wochen

Mögliche Absage des CDU-Parteitags, rapide steigende Fallzahlen, aber ebenso steigendes Misstrauen und Unzufriedenheit in der Bevölkerung - die Redaktion von „Anne Will“ sah sich trotz Herbstpause zu einer Corona-Sondersendung genötigt.

So kurzfristig ist sie anberaumt, dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet - bis kurz zuvor bei der CDU-Sitzung im Konrad-Adenauer-Haus - erst wenige Sekunden vor dem Start der Sendung ins Studio eilt. Er bekommt das erste Wort und setzt zum Warnruf an: „Es gibt die allgemeine Einschätzung, dass jetzt sehr, sehr harte Wochen vor uns liegen. Dass die Infektionszahlen viel zu hoch sind.“ Zum Parteitag sagt er: „Meine Haltung ist klar, dass man in einer solchen Zeit, in denen man den Menschen zumutet, Veranstaltungen nicht mehr zu besuchen, das Haus nicht mehr zu verlassen, wir nicht mit tausend Leuten einen Präsenzparteitag machen können!“.

„Anne Will“-Sondersendung: Kita-Schließung nicht mehr ausgeschlossen

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, erläutert die Lage in der Hauptstadt: „Wir können nicht vor jede Tür einen Polizisten stellen“, eine Stadt mit vier Millionen Einzelnen sei nicht lückenlos zu kontrollieren. Ein Beherbergungsverbot und geschlossene Schulen möchte Müller möglichst vermeiden. Ausschließend kann er es aber nicht mehr.

Einen Lockdown sieht die gesamte Runde kritisch. Aber: Welche Möglichkeiten gibt es sonst? Julian Nida-Rümelin fordert einen verstärkten Einsatz der „Tracking-App, 21. Jahrhundert“ - um Spreader leichter zu finden und Weiterverbreitung einzudämmen. Datenschutzrechtliche Einwände kontert der Philosoph: Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung sei zu hoch eingeschätzt. Das „Silicon Valley und das Finanzamt“ wüssten ohnehin „alles über uns“, warum also nicht in der Krise ausnahmsweise auch das Gesundheitsamt?

Dem stimmt Kaschlin Butt vom Gesundheitsamt Wiesbaden zu. Stellvertretend für viele deutsche Gesundheitsämter schildert sie, dass die Nachverfolgung „nicht mehr zeitnah zu leisten“ sei, eine Anbindung der App ans Amt würde viel Erleichterung bringen. „Die Technik könnte viel, viel mehr“, so die Leiterin.

Personenbezogene Daten an die Gesundheitsämter weiterleiten?

Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum widerspricht: Man könne nicht den Datenschutz für alles verantwortlich machen. Auch eine App nütze nichts, wenn die Leute sie nicht herunterladen. Das Vertrauen der Menschen sei das Ausschlaggebende.

„Es ist ein Alptraum, in dem wir momentan leben“, so Baum und das müsse den Menschen auch offen gesagt werden. Es gehe nicht darum, kurzfristig einzuschränken, sondern der Zustand werde über einen bislang nicht absehbaren Zeitraum so beibehalten werden müssen. Und das müsse man auch den Menschen kommunizieren.

Im Talk bei „Will“: Parlament muss bei Entscheidungen mehr eingebunden werden

Als Laschet und Müller die Weiterleitung von personenbezogenen Daten an die Gesundheitsämter befürworten und Laschet einwendet, dass bei manchen Dingen „parlamentarische Entscheidungen zu lange“ dauern würden, warnt Baum: „Meine Herren, im Moment sind sie dabei, nicht nach dem Grundgesetz zu handeln!“.

Baum legt den Finger weiter in die Wunde als er darlegt, dass manche Entscheidungen nicht nachvollziehbar seien: Wenn etwa die Straßenbahn voll, die Philharmonie aber leer sei, stelle sich rasch das Gefühl ein: „Da stimmt doch was nicht“.

Laschet gibt zu: „Wir haben die Lehre vom März, dass es ein Fehler war, bei Kitas und Schulen zu beginnen.“

Corona Thema bei Anne Will: Unternehmerin fordert bessere Masken

Die Unternehmerin Helga Rübsamen-Schaeff stellt die These in den Raum, die Politik verlangen sollte, dass ausschließlich FFP-Masken als Schutz zugelassen sind, da diese nicht nur das Gegenüber, sondern auch den Träger selbst schützen würden. Außerdem seien Schnelltests flächendeckend einzusetzen und Lüftungsanlagen in allen öffentlichen Räumen und Veranstaltungsräumen einzubauen.

Anne Will: Eklat nach Ende des Talks - Moderatorin gesteht Fehler ein

Einen Aufreger lieferte Wills Talk dann aber ausgerechnet, nachdem die Runde eigentlich schon beendet war. Während der Abspann läuft, erheben sich die hochkarätigen Gäste - und kommen in Kleinst-Grüppchen und ohne besonderen Abstand und Masken zur Nachbesprechung zusammen.

In der Folge hagelte es Kritik in den sozialen Netzwerken. Teils von prominenter Stelle: Der Geschäftsführer der Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, rügte etwa, Will und Gäste hätten in „27 Sekunden Abspannbildern“ Appelle an Vernunft, Disziplin und Verantwortungsgefühl „ad absurdum geführt“. Will selbst räumte auf Twitter den Fehler ein: „Wie blöd von mir“, schrieb sie. Dabei hätten die Teilnehmer schon „im Rausgehen“ wieder Masken aufgehabt.

Fazit der Sondersendung zu „Anne Will“

Sondersendung, hochkarätige Gäste! Der Talk signalisierte sofort: Die Lage ist ernst. Die bekannten Kritiken und Einwände wurden erneut dargelegt. Leider wurde die Frage, ob Deutschland noch die richtige Strategie fährt, nicht wirklich beantwortet. Es scheint, als gebe es gar keine andere Möglichkeit, als die Maßnahmen weiter zu verschärfen.

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