NRW-Innenminister Herbert Reul zu Gast bei „maischberger. die woche“ (ARD)
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NRW-Innenminister Herbert Reul zu Gast bei „maischberger. die woche“ (ARD)

CDU/CSU im Chaos

Wer ist die „Tratschtante“ in der Union? Maischberger entlockt NRW-Innenminister eine Vermutung

SPD, Grün, FDP gemeinsam zur Ampel: Sind das noch Sondierungsgespräche, schon Koalitionsverhandlungen – oder gar Regierungsbildung? 

Köln - Nach längerer Pause widmete sich Sandra Maischberger in ihrem Talk im Ersten wieder dem Thema „Corona“. Zum Gespräch lud sie SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ein, der sich selbst als mögliche Ablöse von Jens Spahn handelt und den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen.

Doch zunächst geht es um den großen Wahl-Verlierer CDU und damit auch um Armin Laschet, Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfahlen. Doch wenn man der Talk-Runde folgt, dann müsste dem Minister-Titel schleunigst ein „noch“ vorangestellt werden. Die Gäste sind sich einig: Lange wird Laschet sich nicht mehr auf seinem Posten halten können.

„maischberger. die woche“ - diese Gäste diskutierten mit:

  • Cem Özdemir (B’90/Grüne) - ehemaliger Parteivorsitzender
  • Herbert Reul (CDU) - Innenminister Nordrhein-Westfalen
  • Karl Lauterbach (SPD) -Gesundheitspolitiker
  • Andreas Gassen - Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Als Experten:

  • Florian Schroeder - Kabarettist
  • Katharina Hamberger - Hauptstadtkorrespondentin des Deutschlandfunks
  • Rainer Hank - Kolumnist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)

„Ein Weilchen geht’s noch“, prognostiziert FAZ-Kolumnist Rainer Hank und Kabarettist Florian Schroeder fügt in „Denglisch“ hinzu, es sei „brutale Taktik der CDU“, Laschet wie einen Musiktitel langsam „auszufaden“. Schroeder: „Man wartet so ab, bis gar keiner mehr da ist, der ihn unterstützt und dann wird er es selber merken und dann wird er gehen.“ Der Comedian ist sich sicher, selbst wenn „Jamaika“ doch noch käme, dann sicher nicht mit Laschet an der Spitze: „Nach der Nummer werden sie ihn niemals zum Kanzler machen“.

Grünen-Ziel: Umbau der Sozialen Marktwirtschaft zu einer „ökologisch-sozialen“ Marktwirtschaft

Auch der Grünen-Abgeordnete Cem Özdemir sieht Laschet als den großen Verlierer, wenn auch nicht als Schuldigen. Das schlechte Wahlergebnis der Union sei „schon ein Gesamtkunstwerk der CDU/CSU“ gewesen, so der ehemalige Parteivorsitzende, der bislang freundschaftliche Beziehungen zu Laschet pflegte. Allerdings sei „nach 16 Jahren auch mal Zeit ist für einen Wandel“, so Özdemir. Und verhaspelt sich prompt zur Erheiterung des Publikums, als er statt „Frau Merkel“ „Frau Laschet“ sagt.

Bereits lange vor der Wahl hätten viele im Bezug auf die Große-Koalitions-Regierungen gesagt: „Es reicht!“ Die Pläne der Grünen seien nun bereit, die Soziale Marktwirtschaft zu „einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft, die auf die Digitalisierung setzt“ weiterzuentwickeln und das mit dem besten politischen Partner.

Grünen-Abgeordneter Cem Özdemir hat Mitleid mit Laschet: „Das muss schrecklich sein“

Den zugeschalteten Innenminister Nordrhein-Westfalens, Herbert Reul, fragt Maischberger unverhohlen, wann sein Chef denn nun zurücktreten werde. Reul wehrt die Frage nicht ab, sondern antwortet eher kleinlaut: „Das wird er selber entscheiden“ und hält mit seiner Enttäuschung über den innerparteilichen Machtkampf nicht hinterm Berg. Özdemir verdeutlicht das Dilemma für den CDU-Kollegen: Laschet könne derzeit in kein Gremium der Union mehr reingehen, ohne dass vertraulichen Inhalte an die Bild-Zeitung weitergeben würden. Der Grüne: „Das tut mir auch leid, das muss ja schrecklich sein.“

„Wer ist es denn aus dem Team der CDU/CSU, der da offensichtlich nicht an sich halten kann und die ‚Bild‘-Zeitung immer anruft?“, fragt Maischberger Reul. Der druckst: „Man hat auch Vermutungen, aber das hilft ja alles nicht. „Doch, das würde mich interessieren“, insistiert die Journalistin. Doch Reul bleibt auf Loyalitätskurs zu seiner Partei. Und veranschaulicht noch einmal das momentane Dilemma der Union: Die Moral ist auf der Seite von Team Laschet, doch die Macht ist es nicht.

Als Maischberger rhetorisch geschickt mutmaßt, Jens Spahn könne es sein, bewegt sie Reul damit doch zu einer Antwort zum Intriganten hinter den Kulissen: „Es muss jemand sein, der seine Karrierepläne über die Idee stellt“, also die Zukunftsgestaltung Deutschlands, erklärt Reul und vermutet zudem mehrere Widersacher.

Deutschlandfunk-Korrespondentin Katharina Hamberger verortet den Maulwurf ebenfalls eher in den Reihen der CDU, ihr FAZ-Kollege Rainer Hank schließt dagegen auch die FDP nicht aus, begründet das allerdings mit dem überraschenden Argument, dass Christian Lindner sich inzwischen zur Ampel hingezogen fühle und nun begründen müsse, „warum er seinen Wunschpartner verlässt. Und da kommt ihm eine Durchstecherei sehr gelegen“.

Maischberger provoziert Karl Lauterbach mit einem „Superspreader-Event“ der SPD

Den nächsten Themenblock leitet Maischberger mit einer Provokation ein und lässt das aktuelle Gruppenfoto der neuen SPD-Fraktion einspielen, in der Lauterbach als einziger Maske trägt. Maischberger: „Alle anderen haben sich gegen die Regelung des Bundestages verhalten.“ Und: „Das war ein ,Superspreader-Event’.“ Lauterbach gesteht kleinlaut ein: „Das war nicht vorbildlich“, aber fügt hinzu: „Die Fraktion ist geimpft.“

Mit Gassen gerät Lauterbach über den „Freedom Day“ in Diskussion, ein offizieller Tag, an dem alle Maßnahmen aufgehoben werden sollen. Lauterbach ist komplett dagegen und warnt: „Viel zu gefährlich, viel zu riskant.“ Damit würde man alle Ungeimpften „ins offene Messer laufen lassen“. Lauterbach ist für eine konsequente Einführung der 2G-Regel.

Lauterbach zu Gast bei „maischberger. die woche“

Gassen findet den Standard zu verbindlich: „Damit müssen sie das Rauchen auch gesetzlich verbieten“, wendet er ein. Aber Lauterbach kontert, Rauchen sei ein viel geringeres Risiko: „Ich müsste Jahrzehnte rauchen, um Lungenkrebs zu bekommen.“ Doch um innerhalb von drei Wochen an Covid zu versterben, würde „eine Nacht im Club“ reichen. Gassen stellt nochmal klar: „Medizinisch ist die 2G-Regel natürlich die sicherste.“ Doch die Gesellschaft erwarte einen größeren Blick auf die Sachlage.

Nach der zukünftige Regierung gefragt, ist Lauterbach sicher, der mit 47,6 Prozent der Stimmen das Direktmandat seines Wahlkreise geholt hatte, „dass die Ampel klappen wird“ - und er dann „Gesundheitsminister?“, fragt Maischberger. „Wenn es so wäre, würde ich es nicht ausplaudern.“ Und setzt noch hinzu: „Dass ich in diesem Bereich schon lange arbeite, ist bekannt. Wenn also jemand gesucht würde, der ein bisschen Erfahrung hat, würde ich wahrscheinlich darüber nachdenken.“ Ob er sich darüber freuen würde, wollte Maischberger zum Schluss von Gassen wissen. Der lächelte vielsagend: „Wir kennen uns ja schon eine Weile …“

Fazit des „maischberger. die woche“-Talks

Viele Spekulationen, viel Dichthalte. Sandra Maischberger fragte hartnäckig, doch die wesentlichen Infos aus dem Hintergrund konnte sie nicht offenlegen. Dafür wurde aber nochmal klar, wo die Lagerlinien verlaufen und „wer so mit wem“ im politischen Berlin.

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