Harte Worte in der ARD

„Menschen wollen Sie nicht als Kanzler“: Zuschauer provoziert Laschet in Wahlarena - der ringt um Fassung

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Armin Laschet wird in der ARD-„Wahlarena“ mit teils provokanten Fragen konfrontiert. Als es um die Unions-Kanzlerkandidatur geht, wird der CDU-Mann ernst.

Lübeck - Das Erste soll im öffentlich-rechtlichen Fernsehen das föderale Deutschland abbilden. Dass der ARD das mit ihrer Wahlarena mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet gelingen sollte, war schon wegen der Auswahl der Gäste von Nord bis Süd, von West nach Ost offensichtlich das Ziel. Dass aber eine derartige Verbindung zwischen Berlin, Lübeck, Düsseldorf und München zustande käme, war so wohl nicht zu erwarten.

Dort, in Berlin, steht das Bundeskanzleramt. Seit nunmehr 16 Jahren verwaltet durch die Union aus bundesdeutscher CDU und bayerischer Schwester CSU, in Person von Noch-Regierungschefin Angela Merkel (CDU).

ARD-Wahlarena: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet stellte sich in Lübeck provokanten Fragen

Kein leichter Stand in der ARD-Wahlarena: Armin Laschet von der CDU

Hoch oben im Norden, im Lübecker Hafen, stellte sich Armin Laschet, der das Kanzleramt in Berlin politisch verteidigen soll, in der ARD-Wahlarena den Fragen der Zuschauer. Der 60-jährige Aachener sah sich auch mit polarisierenden Thesen konfrontiert.

Mit Blick in den Westen, nach Düsseldorf, wo er seit 2017 als NRW-Ministerpräsident regiert, versuchte er fast alle der Fragen zu beantworten. „Bei uns in Nordrhein-Westfalen“ folgte der Hinweis, „dass wir in Nordrhein-Westfalen“ gepaart mit einem „also in Nordrhein-Westfalen“. Als stünde eine Landtagswahl, keine Bundestagswahl 2021 (26. September) unmittelbar bevor.

ARD-Wahlarena mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet: Plötzlich geht es um Markus Söder von der CSU

Der Schwenk in den Süden, nach München, wo Markus Söder von der CSU Ministerpräsident ist, durfte letztlich nicht fehlen. Söder war plötzlich präsent, dabei fiel nicht einmal sein Name. Zur Erinnerung: Im Frühjahr hatte die CDU den Rheinländer Laschet zum gemeinsamen Kanzlerkandidaten erklärt. Franke Söder und seine CSU wollten das aber lange nicht akzeptieren. Und vielen Erzählungen nach auch viele Parteifreunde in der CDU nicht. Genau das holte Laschet jetzt ein - vor Millionenpublikum.

Warum sind Sie nicht von Ihrer Kanzlerkandidatur zurückgetreten?

Frage an CDU-Chef Armin Laschet in der ARD-„Wahlarena“

Konkret: Ein Gast stellte dem CDU-Politiker eine knallharte Frage und verwies dabei auf ein gleichlautendes Wahlplakat: „Wenn ich mir die Umfragen zuletzt anschaue, wird deutlich, die Menschen wollen Sie nicht als Kanzlerkandidat der Union. Wenn es Ihnen um die Menschen geht, weil es um Deutschland geht: Warum sind Sie dann nicht längst von Ihrer Kanzlerkandidatur zurückgetreten?“ Stille. Laschet brauchte einen Moment, um sich zu sammeln. Und noch einen, um auszuholen.

Zur Einordnung: Im August hatte zum Beispiel das Meinungsforschungsinstitut Civey für die Augsburger Allgemeine ergründet, dass mehr als 70 Prozent der Unions-Anhänger lieber den 54-jährigen Söder als Kanzlerkandidaten der Schwesterparteien gesehen hätten. Ob in jenem Augenblick am Mittwochabend (15. September) in der Bayerischen Staatskanzlei der Fernseher im Münchner Dienstzimmer Söders flimmerte, ist nicht überliefert. Die Antwort von CDU-Chef Laschet wurde in Millionen Wohnzimmer übertragen.

Im Video: CDU/CSU vor Bundestagswahl - Markus Söder sieht Anzeichen für Trendwende

„Was hielten Sie von der Idee, dass wir die Menschen das am 26. September entscheiden lassen, welche Partei sie wählen. Wäre doch ein guter Gedanke?“, sagte Armin Laschet in Richtung des Zuschauers, der sich ebenfalls in NRW verortete. „Demokratie heißt ja nicht, dass man jeder Stimmung und Umfrage nachgibt. Sondern, dass die Bürger selbst entscheiden, welche Richtung der Politik sie wollen. In Nordrhein-Westfalen, in dem schönen Land, in dem Sie leben, im Ruhrgebiet, besonders schön, haben mir die Menschen 2017 ihr Vertrauen geschenkt“, führte Laschet aus.

ARD-Wahlarena: CDU-Kanzlerkandidatur Armin Laschets live infrage gestellt

Viele, die ihn kennen würden, täten dies heute noch immer, referierte er weiter: „Insofern werbe ich jetzt, stelle mich vor, auch heute Abend, und sage meine Argumente. Und ich finde, dass wir am 26. September abstimmen. Und dieses Ergebnis muss jeder der drei Kandidaten am Ende akzeptieren.“ (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot ARD

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