Neue Spannung im Wahlkampf

Luft für Laschet wird dünner: Nach gleich zwei Eklats hagelt es Kritik für CDU-Kandidat

  • Marc Dimitriu
    VonMarc Dimitriu
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Nach den zahlreichen Debatten um die Grünen sorgt nun die CDU wieder für Eklats und kassiert reichlich Kritik. Der Kampf um die Kanzlerschaft wird dadurch wieder spannender.

München - In den vergangenen Tagen prägten vor allem die Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbocks den Wahlkampf in Deutschland. Das sorgte auch für einen Absturz der Grünen in den Umfragen und sorgte für ein neues Hoch bei der Union. Der Abstand zwischen den Parteien wuchs immer mehr.

CDU sorgt für nächste Eklats nach Masken-Affären - Laschet stimmt im Landtag AfD zu

Doch jetzt macht sich die CDU den Wahlkampf wieder vermehrt schwer. Die Konservativen hatten sich nach den Masken-Affären, die noch Anfang des Jahres für eine Talfahrt in den Umfragen sorgte, erholt. Während die Grünen Fehler machten, konnten sie sich zurücklehnen. Jetzt sorgen aber gleich zwei Debatten am rechten Rand für Kopfschmerzen bei Kanzlerkandidat Armin Laschet. Für die eine ist er sogar selbst verantwortlich.

Der CDU-Chef hatte am Freitag (2. Juli) im Landtag von Nordrhein-Westfalen für Empörung gesorgt, weil er der AfD in einer Aussage über Corona zugestimmt hatte. Bei einer Debatte über die Auflösung des Corona-Expertenrats sagte der AfD-Abgeordnete Martin Vincentz laut ruhr24.de*: „Die Wissenschaft, wie es heute oft heißt, gibt es schlicht nicht.“ Die Wissenschaft sei immer „ein Vielklang unterschiedlicher Stimmen“.

Laschets Aussage danach: „Ich stimme selten, eigentlich nie, der AfD zu. Sie haben heute einen wahren Satz gesagt: Immer wenn jemand ankommt und sagt ,die Wissenschaft sagt‘, ist man klug beraten, zu hinterfragen, was dieser gerade im Schilde führt...“ Denn in der Wissenschaft gebe es immer auch Minder- oder Einzelmeinungen. Wissenschaftlicher Diskurs sei daher wichtig.

Lauterbach schießt nach Laschet-Aussage gegen den CDU-Kanzlerkandidat

SPD-Gesundheitsexperte Klar Lauterbach schoss nach diesem Eklat auf Twitter scharf gegen Laschet: „Das, was Armin Laschet hier sagt, ist doppelt schrecklich. Der AfD sollte man nie öffentlich zustimmen, erst recht nicht in einem Landtag. Und zum zweiten werden wir ohne Vertrauen in und Respekt vor der Wissenschaft den Klimawandel nicht bewältigen.“

Maaßen-Attacke gegen Presse sorgen für reichlich Kritik

Die zweite Debatte, die das Hoch der Union belastet, sind die Attacken des umstrittenen CDU-Bundestagskandidaten Hans-Georg Maaßen gegen die Presse. Maaßen hatte in einem Interview eine charakterliche Prüfung von Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gefordert, da Redakteure angeblich in Verbindungen zu Linksradikalen stünden. CDU-Chef Laschet schwieg bislang dazu.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat das Schweigen Laschets nun scharf kritisiert. „Ein weiterer demokratiefeindlicher Ausfall von CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen, ein weiteres Mal schweigt CDU-Chef Armin Laschet“, sagte Klingbeil dem Berliner Tagesspiegel von Montag. Es dränge sich langsam der Eindruck auf, dass Maaßens Verhalten von Laschet nicht nur toleriert werde, sondern gewollt sei.

Auch die Grünen eröffnen nun das Feuer gegen den Konkurrenten um das Kanzleramt. „Das Schweigen von Armin Laschet zu diesem CDU-Kandidaten für die nächste Bundestagswahl ist unerträglich“, sagte Anton Hofreiter der NOZ. „Laschet macht damit das Grasen am rechten Rand innerhalb seiner Partei hoffähig. Das ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer.“

CDU-Eklats sorgen für neues Bild in Umfragen

Und auch aus der eigenen Partei wird Kritik laut. Der Vorsitzende des CDU-Landesverbands Hamburg, Christoph Ploß, sagte in der „Bild“-Sendung „Die richtigen Fragen“, die Äußerungen seines Parteifreunds seien inakzeptabel. Schlussfolgerungen, ob Maaßen noch Bundestagskandidat der CDU bleiben könne, „müssen die Kollegen der CDU Thüringen ziehen“.

Die beiden Entgleisungen der CDU machen sich auch direkt in den Umfragen bemerkbar. Bei der INSA-Umfrage vom 4. Juli kommt die Union nur noch auf 28 Prozent, in anderen Umfragen lagen CDU/CSU zuletzt noch bei 30 Prozent. Profiteur davon sind aber nicht die Grünen, die ebenfalls in der Wählergunst abfallen und nur noch auf 18 Prozent kommen, sondern die SPD, die mit 17 Prozent wieder Hoffnung auf den zweiten Platz haben. (md mit AFP) *ruhr24 ist ein Angebot von IPPEN.Media

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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