Wahlkampf auf der Zielgeraden

Neue Umfrage offenbart Armin Laschets größte Probleme

  • Tobias Utz
    VonTobias Utz
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Armin Laschet und Markus Söder üben sich in Geschlossenheit. Die Stimmung ist jedoch schon lange gekippt – pro Söder. Das zeigt eine neue Umfrage zur Bundestagswahl. 

Berlin/München – Armin Laschet* ist seit geraumer Zeit umstritten. Im Wahlkampf fiel er durch despektierliches Verhalten im Flutgebiet auf*, verwirrte durch die Forderung eines „Brücken-Lockdowns“* und sah sich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert.* Diese Entwicklung wirkt sich zunehmend auf die Umfragewerte der Union aus, welche weit hinter den Ansprüchen bleiben. Das zeigen zahlreiche Erhebungen.

Ende August betonten bereits 73 Prozent der Befragten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Zeitung Augsburger Allgemeine, eine negative Meinung von Laschet zu haben. Unter den Wählerinnen und Wählern der Union sagten lediglich 43 Prozent, dass sie hinter Laschet stünden. In einer weiteren Civey-Erhebung von Ende August zeigte sich, dass rund 70 Prozent Laschet lieber durch Markus Söder* ersetzen würden.

Bundestagswahl-Umfrage: Armin Laschet hat zwei Probleme – seine Patzer und Markus Söder

Die neueste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts im Auftrag des Nachrichtenportals Focus Online bestätigt diesen Trend. Demnach könnte die Union mit Söder als Kanzlerkandidat auf insgesamt 37 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl 2021* kommen: Das wären fünf Prozentpunkte mehr als bei der Wahl im Jahr 2017.

Kandidat in Schwierigkeiten: Armin Laschet.

Zum Vergleich: Mehrere Sonntagsfragen zeigten Werte für CDU* und CSU* zwischen 19 und 25 Prozent. Die Umfrage hat allerdings einen Haken, der einen Vergleich erschwert. Das Meinungsforschungsinstitut stellte in der Erhebung folgende Frage: „Welche Partei würden Sie wählen, wenn Markus Söder Spitzenkandidat der CDU/CSU wäre?“ – kein Wort von Laschet, ein Vergleichswert zum tatsächlichen Kanzlerkandidaten fehlt somit.

Bei aller Unvollständigkeit zeigt die Umfrage einen zweiten Trend sehr deutlich: Vor allem die SPD* mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz* profitiert derzeit vom Wahlkampf von Laschet und der Union. Das Allensbach-Institut sah die sozialdemokratische Partei beispielsweise Anfang September bei 27 Prozent.* In der Civey-Umfrage zur Söder-Konstellation als CDU/CSU-Kanzlerkandidat kommt die SPD hingegen nur auf 19 Prozent. Sprich: Ausgehend von einer – in der Politikwissenschaft veralteten – Links-Rechts-Skala springen zahlreiche Wählerinnen und Wähler der „Mitte“ noch zwischen den vermeintlichen Volksparteien.

Hintergrund zur neuesten Civey-Umfrage

Für die Umfrage im Auftrag des Nachrichtenportals Focus Online berücksichtigte das Meinungsforschungsinstitut vom 9. bis zum 10. September 2021 insgesamt 5004 Antworten. Grundlage der Auswertung ist laut Civey ein wissenschaftliches Verfahren gemäß der Zusammensetzung der Bevölkerung in Deutschland. Der statistische Fehler liegt demnach bei 2,5 Prozent.

Meinungsumfragen im Vorfeld von Wahlen stellen eine Momentaufnahme dar. Diese können nicht als Ergebnisprognose gewertet werden.

Die Grünen*, um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock* liegen in beiden Modellen in mehreren Umfragen zur Bundestagswahl derzeit auf demselben prozentualen Niveau: 17 Prozent.

Auf dem Parteitag der CSU übten sich Laschet und Söder, die einst Konkurrenten waren, in Eintracht. Geschlossenheit sollte in die Öffentlichkeit transportiert werden. Dabei leistete sich Laschet allerdings einen erneuten Fauxpas. In seiner Rede griff er den bisherigen und möglicherweise zukünftigen Koalitionspartner SPD scharf an – mit einem historischen Vergleich. Er sagte: „In all den Entscheidungen der Nachkriegsgeschichte standen Sozialdemokraten immer auf der falschen Seite.“

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Zahlreiche Politikerinnen und Politiker zeigten sich anschließend empört. Generalsekretär Lars Klingbeil schrieb beispielsweise auf Twitter: „Die Union hat unter Laschet echt Anstand und Würde verloren.“ Später ließ er über die SPD-Pressestelle verlauten: „Die Union war nicht vorbereitet auf diesen Bundestagswahlkampf und hat im Schrank des Konrad-Adenauer-Hauses nur noch Schmutz gefunden. Und mit dem fangen sie jetzt an zu werfen.“

Die internationale Presse spottet über den Wahlkampf in Deutschland

Provinzpolitiker Laschet, Schummlerin Baerbock, Buchhalter Scholz*

Auf Twitter wurde Laschet schließlich selbst historisch verglichen: Angelehnt an Donald Trump* wurde er als #Rheinland-Trump bezeichnet. (tu) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © STEFANIE LOOS

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