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Der immense Druck auf Laschet: Schnelle Trendwende oder Konsequenzen?

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Von: Sebastian Horsch

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Die Nervosität innerhalb der Union steigt angesichts magerer Umfragewerte zusehends. Eine CDU-Abgeordnete aus NRW spricht Tacheles und erntet Kritik. Doch sie ist nicht alleine.

München/Berlin – Armin Laschet hat gerade das Gegenteil eines Laufs. Kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer unvorteilhafter Videoschnipsel oder eine neue bittere Umfrage auftaucht. Mit ihrem glücklosen Kanzlerkandidaten ist die Union auf 23 Prozent im aktuellen ARD-Deutschlandtrend zurückgefallen – und liegt nur noch zwei Punkte vor der SPD.

Armin Laschet: CDU-Mitstreiterin macht ihrem Ärger Luft - „Besser kurz und schmerzhaft reagieren“

In CDU und CSU macht sich entsprechende Nervosität breit – besonders bei den Bundestagsabgeordneten, für die bei der Bundestagswahl am 26. September oft auch ihre Zukunft in Berlin auf dem Spiel steht. Holt die Union zu wenige Stimmen, verlieren sie ihr Mandat. In einer virtuellen Sitzung der Fraktion hat nun die Düsseldorfer Abgeordnete Sylvia Pantel ihrem Ärger mächtig Luft gemacht. Sie forderte laut Bild Laschet auf, „die Konsequenzen zu ziehen, wenn in zwei Wochen die Umfragewerte nicht besser werden“. Gemeint war offenbar ein Rückzug Laschets als Spitzenkandidat. „Es ist besser, kurz und schmerzhaft zu reagieren, als gemeinsam unterzugehen“, wird die Abgeordnete zitiert. Besonders brisant: Pantel kommt aus NRW, wo Laschet ihr Ministerpräsident ist. Für ihre Kritik erhielt sie scharfen Gegenwind von Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) und Ex-CDU-Chefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Kaum weniger hart ging allerdings Pantels Fraktionskollege Axel Müller mit Laschet ins Gericht. „Mit einem Wort: Es ist beschissen“, ordnet er demnach die Lage ein. Müller machte auch der Wahlkampfzentrale schwere Vorwürfe. Im Konferenz-Chat schrieb er laut Spiegel: „Das Adenauerhaus kommt mir manchmal wie die Reichskanzlei im April/Mai 1945 vor, ihr arbeitet mit Divisionen, die es nicht mehr gibt und schickt Rentner und die JU auf die Straße.“ Und die sächsische CDU-Abgeordnete Veronika Bellmann fragte: „Wo ist das Spitzenpersonal im Schattenkabinett von Armin Laschet als Geschlossenheit und deutliche Demonstration, dass wir regieren wollen?“

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Kanzlerkandidat Armin Laschet - hier bei einer Einweihung in Oberhausen - hat in diesen Tagen nicht viel zu lachen
Kanzlerkandidat Armin Laschet - hier bei einer Einweihung in Oberhausen - hat in diesen Tagen nicht viel zu lachen. © Christoph Hardt/Imago

CDU: Laschet beschwört Teamgeist der Union - und will „kompetente Köpfe“ zeigen

Zumindest dazu präsentierte der Spitzenkandidat am Freitag Neuigkeiten. „Wir müssen klarmachen, was den Unterschied macht. Das ist eine Richtungsentscheidung“, sagte der zugeschaltete Laschet nach Teilnehmerangaben . Und: „Wir müssen mehr Köpfe zeigen und zeigen, dass wir ein starkes Team haben.“ Laschet kündigte laut Teilnehmern an, mit den Themen würden in den nächsten Wochen auch die profilierten Köpfe der Union in einer Mannschaft sichtbar werden. „Während die SPD ihre Leute verstecken muss, können wir mit Stolz unsere kompetenten Köpfe zeigen. Sowohl aus den Ländern als auch aus der Bundestagsfraktion“, wurde er zitiert. Die Breite der Union solle sichtbar werden.

Der Kandidat denkt also keineswegs daran, demnächst zur Seite zu treten. Auf die Frage, ob vielleicht CSU-Chef Markus Söder der bessere Kanzlerkandidat gewesen wäre, antwortete Laschet der Neuen Osnabrücker Zeitung mit „Nein“. Auch CDU-Vize Jens Spahn schloss aus, dass Laschet als Kanzlerkandidat noch durch Söder ersetzt wird. Auf die Frage, ob er sich da auch zu 100 Prozent sicher sei, sagte er dem Mannheimer Morgen: „Ja. Und Sie würden auch von Markus Söder keine andere Antwort erhalten.“ Ein vollmundiges Versprechen hat Laschet derweil im Hinblick auf den nächsten Corona-Lockdown gegeben.

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