Kanzlerkandidat Laschet lacht, während Bundespräsident Steinmeier ein Statement zu der Hochwasser-Katastrophe abgibt
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Ein Bild, das in Deutschland in den vergangenen Tagen vielfach diskutiert wurde: der lachende Kanzlerkandidat Armin Laschet.

„Kann man sich nicht erlauben“

Schadet Laschets Lacher im Wahlkampf? Kommunikationsexperte wird bei möglichen Folgen deutlich

  • Fabian Müller
    VonFabian Müller
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Das Lachen von Kanzlerkandidat Armin Laschet im Hochwasser-Gebiet wurde in den vergangenen Tagen vielfach diskutiert. Kommunikationsexperte Christian von Sikorski schätzt die politischen Folgen ein.

München/Erftstadt - Es waren nur wenige Sekunden, ein kurzer, unbedachter Moment. Und doch verbreiteten sich die Bilder des lachenden Armin Laschet im Hochwasser-Gebiet schnell über die sozialen Medien. Da sprach Frank-Walter Steinmeier, der deutsche Bundespräsident, mit ernster Miene von schweren Stunden für das Land und dass nun Hilfe vor Ort benötigt werde. Und im Hintergrund lachte ebendieser Laschet, als wäre er gerade mit Freunden auf dem Volksfest.

Das Urteil war schnell gefällt: Wie konnte er nur? Pietätlosigkeit wurde dem Kanzlerkandidaten der Union vorgeworfen, mangelnde Sensibilität. In einer Zeit, in der die Bevölkerung nach 16 Jahren Angela Merkel deren oft ruhigen und mitfühlenden Krisenstil gewöhnt ist, fallen entsprechende Abweichungen besonders auf. Für den Wahlkampf Armin Laschets ist der Vorfall sicherlich nicht förderlich, sagt Christian von Sikorski, Professor für Politische Psychologie an der Universität Koblenz-Landau, gegenüber Merkur.de. Von Sikorski forscht im Bereich politische Kommunikation und zu Medienwirkungen. Er sagt: „Bei einigen Wählern dürfte sich das Bild von Laschet als rheinische Frohnatur, der die notwendige Ernsthaftigkeit vermissen lässt, festsetzen.“ Sein Lachen hätte sicherlich nichts zu tun mit dem eigentlichen Thema der Ortsbegehung, sagt von Sikorski. „Von Mediennutzern wird es aber trotzdem in diesem Kontext wahrgenommen.“

Laschets Lachen: Fotos und Videos des Vorfalls können Kanzlerkandidatur schaden

Dass sich die Fotos und Videos des Vorfalls in den sozialen Medien verbreitet haben und weiter verbreiten werden, könne Herrn Laschet schaden. Solch ein Verhalten könne man sich „eher nicht“ erlauben, „wenn man eine Wahl gewinnen möchte“, sagt von Sikorski. Er glaubt, dass besonders schwerwiegend für den Kanzlerkandidaten der Union sein könnte, dass es „visuelle Beweise“ gebe. Oft seien die nur in Textform vorhanden. So aber sei das Fehlverhalten auch künftig „für jeden gleich ersichtlich“ und „direkt zu verstehen“.

Allerdings geht von Sikorski nicht davon aus, dass dieser Vorfall Auswirkungen auf die von Laschet angestrebte Kanzlerschaft haben wird. Er könne aber „sicherlich an seinen Umfragewerten kratzen.“ Viel hängt davon ab, ob politische Gegner in der heißen Phase des Wahlkampfs im September an Laschets Lacher erinnern werden, um ihm zu schaden. Ob Laschets Entschuldigung auf Twitter genügen wird, um die Menschen zu beruhigen, muss abgewartet werden, sagt von Sikorski. „Vermutlich warten Herr Laschet und sein Team ab, ob sich die Lage beruhigt und andere Themen auf die Medienagenda rücken und den Vorfall so überlagern.“

Laschet lacht im Hochwasser-Gebiet: Wird es noch einmal eng im Kanzlerkandidaten-Rennen?

Der Vorfall zeige vor allem eines: Dass ein Kanzlerkandidat oder eine Kandidatin heutzutage wirklich zu jeder Zeit in der Öffentlichkeit steht. „Passanten könnten jederzeit das Handy zücken, Politiker ablichten und Inhalte sekundenschnell über soziale Medien verbreiten.“ Dabei könne leicht der Kontext verändert werden, sagt von Sikorski. „Handlungen von Politikern erscheinen dann möglicherweise drastischer, als sie eigentlich waren.“ Für Laschet werde künftig vor allem wichtig sein, sich als Staatsmann zu präsentieren, der in Krisen angemessen und abwägend agiere. Sonst könnte es auch für den derzeit in Umfragen führenden CDU-Politiker noch einmal eng werden. (fmü)

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