CDU-Chef bei der CSU

„Übles Foul“: Harte Momente für Laschet - Söder und Spahn drängen ihn ab

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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In der Union ist noch offen, wer Kanzlerkandidat wird. Laschet versuchte seine Chance bei der CSU-Basis zum Politischen Aschermittwoch. Doch die Aufmerksamkeit bekamen andere.

Berlin/Passau - CDU-Chef Armin Laschet stehen noch schwere Wochen bevor. Er will nach der Bundestagswahl ins Kanzleramt einziehen, das ist sein Ziel. Doch einfach wird das nicht. Abgesehen davon, dass die Union erst einmal satte Prozentpunkte bei der Wahl einfahren und eine geeignete Koalition finden muss, zeigte sich die Schwierigkeit für Armin Laschet auch beim Politischen Aschermittwoch.

Eigentlich hätte es für den Ministerpräsidenten aus NRW ein toller Tag werden können. Er freute sich richtig darauf, wie er selbst sagte: „Dass ich heute diesen Olymp des politischen Lebens betreten darf, das ist für mich natürlich eine ganz besondere Freude.“ Denn als erster CDU-Vorsitzender hatte er die Ehre, beim Politischen Aschermittwoch der CSU zu sprechen.

CDU-Chef Laschet bei der CSU: Blumige Worte für die Basis der Schwesterpartei

Und Laschet nutzte seine Chance, die Gunst der CSU-Basis zu gewinnen. Symbolisch stellte er sich hinter Brez‘n und Bierkrüge, CSU-Fähnchen dekorierten den Tisch vor der Studioleinwand. Und man hatte den Eindruck, er wolle die Schwesternpartei beinahe huldigen: Nicht abreißendes Lob gegenüber CSU-Chef Söder, der die CSU „wieder zu neuen Umfragehöhen“ geführt habe und später eine „großartige Rede“ halten werde. „Deutschland ohne Bayern, Deutschland ohne die CSU, das ist etwas, das ich mir nicht vorstellen mag“, ging es weiter. Die digital zugeschalteten CSU-Anhänger jubelten. Laschet schien im CSU-Kosmos akzeptiert.

Noch ist die Unions-Frage der Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl im Herbst nicht geklärt. Bisher hieß es, die Parteispitzen wollten sich erst nach den Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zusammensetzen. Im Interview mit den Aachener Nachrichten sprach Laschet von einem möglichen Termin zwischen Ostern und Pfingsten. Bislang hat Söder nicht offiziell bekannt gegeben, dass er Ambitionen für das Amt in diesem Jahr verspüre. „Mein Platz ist in Bayern“, hieß es bekanntlich meistens.

CSU-Chef Söder will eng mit CDU zusammenarbeiten - Macht er sich auch als Kanzlerkandidat bereit?

Und wenig später folgte Söders eigene Rede zum Aschermittwoch - dieses Mal vor allem wegen Corona deutlich zurückhaltender, ruhiger und ernster, als man es sonst von ihm bei Reden in Passau gewohnt ist. Laschet erwähnte er dabei nur selten. Im Zusammenhang mit einer spitze Bemerkung gegen Laschets Herausforderer Friedrich Merz fiel Laschets Name: Wie man in der CSU nur etwas mit einem „S“ im Namen werden könne, treffe das bei der CDU auf ein „A“ zu (Angela, Annegret, Armin) „Das hätte man dem Friedrich (Merz) vorher sagen müssen“, spöttelte Söder. Auf die weitere Zusammenarbeit mit Laschet freue er sich, das betonte Söder schon öfter: „Wir fusionieren nicht mit der CDU, aber wir arbeiten immer enger zusammen.“

Armin Laschet (hinten), Ministerpräsident von NRW und Vorsitzender der CDU, verfolgt die Rede von Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und CSU-Chef, beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Passau.

Doch neben solch direkten Aussagen spielt auch der Unterton eine Rolle. Und Söders Auftritt vermittelte doch an manchen Stellen den Eindruck, dass er es Laschet nicht ganz so einfach machen würde mit der Kanzlerkandidatur für die Union. Etwa stellte sich Söder in die Reihe der Vorsichtigen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, zu denen er auch Kanzlerin Angela Merkel zählt. „Merkel-Stimmen gibt es nur mit Merkel-Politik“, machte Söder klar. In dieser Aussage schwamm mit: Ich verfolge den bedachtsamen Corona-Kurs der Kanzlerin weiter, ich kann dadurch Stimmen bekommen. Armin Laschet hingegen sorgte zuletzt für Schlagzeilen, als er sich über „erfundene“ Grenzwerte ärgerte. Als Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung deuteten seine Aussagen viele, auch wenn Laschet weiter vor der Gefährlichkeit des Virus warnte.

Über Twitter hat Söder seinem Kollegen am Donnerstag übrigens schon in den frühen Morgenstunden zum Geburtstag gratuliert: „Herzlichen Glückwunsch und alles Gute zum 60. Geburtstag“, schrieb Bayerns Ministerpräsident. „Viel Glück im neuen Amt. Wir werden CDU/CSU gut gemeinsam in die Zukunft führen“, fügte er hinzu.

Laschet beim Politischen Aschermittwoch: Spahn stiehlt ihm mit Pressekonferenz die Show

Laschet Rede rückte am Mittwoch auch noch durch einen weiten Auftritt in den Hintergrund: Eine Pressekonferenz von Gesundheitsminister Jens Spahn, die in etwa zeitgleich mit Laschets Schalte stattfand. Und weil Spahn wichtige Neuigkeiten zu Corona-Mutationen zu verkünden hatte, war auf vielen Kanälen sein Gesicht zu sehen, anstatt seines Tandem-Partners bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden.

Laut Bild-Zeitung hieß es aus Spahns Ministerium, dass der Termin „seit Längerem für heute geplant und notwendig“ war. Doch in der Union soll demnach gar von einem „üblen Foul“, die Rede sein.

Insgesamt fand der Politische Aschermittwoch jedoch in diesem Jahr etwas weniger Beachtung als womöglich zu normalen Zeiten. Zwar rüsteten die Parteien fleißig auf, um über das digitale Format punkten zu können. Doch zumeist endeten die Reden dann doch wieder in einem Corona-Erklär- oder Forderungsstatement, wie in den vergangenen Monaten häufig zu hören ist. (cibo)

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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