Außenseiter hoch im Kurs

Wer wird Laschet-Nachfolger? Expertin hat überraschende These: „Ist ihm zuzutrauen“

  • Andreas Schmid
    VonAndreas Schmid
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Das Ringen um den CDU-Parteivorsitz hat begonnen. Neben den üblichen NRW-Vertretern hat eine Expertin einen weiteren Namen oben auf dem Zettel.

Berlin - Nach dem schwachen Abschneiden bei der Bundestagswahl will die CDU nun doch neue Wege gehen. Die gesamte Führungsriege soll neu zusammengestellt werden. Die Hauptfrage natürlich: Wer wird Nachfolger von Armin Laschet als Parteivorsitzender?

Neuer CDU-Chef: Fünf Kandidaten aus NRW und eine ambitionierte zweite Reihe

Abermals werden mehrere Kandidatin aus Nordrhein-Westfalen gehandelt. Friedrich Merz und Norbert Röttgen könnten erneut für das Amt kandidieren, Anfang 2021 waren sie Laschet noch unterlegen. Ebenfalls gehandelt werden der wiedergewählte Fraktionschef Ralph Brinkhaus, Gesundheitsminister Jens Spahn oder Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU/CSU.

Voller Fokus also auf NRW? Es gäbe auch andere Kandidaten, etwa in Reihen der CDU-Ministerpräsidenten. Tobias Hans (Saarland) und Daniel Günther (Schleswig-Holstein) scheint eine Neuausrichtung der CDU zuzutrauen. Nachteil: Beide stehen im Jahr 2022 vor wegweisenden Landtagswahlen - Günther hat zudem bereits abgewunken. Die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch hat einen anderen Landeschef auf dem Zettel. Einen, der 2022 keine Wahl bestreiten muss: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Michael Kretschmer neuer CDU-Chef: „Ihm ist die Führung zuzutrauen“

„Kretschmer ist die Führung der CDU zuzutrauen“, sagte Münch der Heilbronner Stimme und betonte: „Ich hatte mich schon beim letzten CDU-Parteitag gewundert, dass Kretschmer sich nicht zu Wort gemeldet hat, als es um den Parteivorsitz ging.“

Kretschmer könne dabei helfen, die Lage der CDU in Ostdeutschland zu verbessern, argumentierte sie: „Wenn ich mir das Wahlergebnis geografisch betrachte, erkenne ich eine klare Ost-West-Spaltung“, meint Münch. „Ohne die überdurchschnittlichen Ergebnisse der SPD in Mecklenburg-Vorpommern oder auch in Brandenburg wäre das Parteiensystem wohl sogar noch stärker gespalten als in den Anfangsjahren nach der deutschen Vereinigung. Das ist eine bittere Erkenntnis.“ Dass die AfD in Thüringen und Sachsen - übrigens Kretschmanns Bundesland - stärkste Kraft wurde, müsse ein „Weckruf“ sein.

Michael Kretschmer (CDU) ist seit 2017 Ministerpräsident von Sachsen. Der gebürtige Görlitzer folgte auf Stanislaw Tillich (CDU).

Die CDU hat bereits angekündigt, bei der Aufarbeitung des Bundestagswahlergebnisses den Blick auf den Osten zu schärfen. Geplant sind ein „Ostgipfel“ sowie eine „Ostkonferenz“. Kretschmann könnte dabei helfen, allerdings auch durch eigene Probleme im Kampf gegen die stetig beobachtbare Rechtsverschiebung vor Ort ins Schwitzen kommen. Der in Sachsen angetretene AfD-Direktkandidat Steffen Janich meinte jüngst: „In Sachsen sind wir auf dem besten Weg zur neuen Volkspartei“.

CDU-Debakel: „Sich nur auf Personalfragen zu fokussieren, könnte eine zerstörerische Wirkung entfalten“

Das schlechte Ostergebnis müsse nicht bedeuten, dass der neue Parteichef aus dem Osten kommen muss, „aber es wäre möglich, wenn die CDU noch mehr in starken Teamlösungen denken würde“, erklärte Münch. Über Kretschmer, aber auch die Amtskollegen Günther und Hans sagte die Politikwissenschaftlerin, dies wären „Personen, die etwas mehr als nur die alte Bundesrepublik repräsentieren würden“.

Die Personaldebatten seien wichtig, es gebe aber auch andere bedeutende Aspekte. „Das Wahlergebnis hat die Union in ihren Grundfesten erschüttert“, sagte Münch. „Sich nur auf Personalfragen zu fokussieren, könnte zusätzlich eine zerstörerische Wirkung entfalten. Nun muss die CDU sich besinnen und für sich klären: Wofür stehen wir inhaltlich? Natürlich muss es neues Führungspersonal geben, aber es müssen auch Wahlergebnisse interpretiert und die richtigen Lehren daraus gezogen werden.“ (as)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeller/dpa

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