Armin Laschet
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Armin Laschet im Interview auf ProSieben.

Kanzlerkandidat bei Prosieben

Laschet gesteht bei Zervakis Corona-Fehler ein: „Irreversibel! Das kann man nie mehr gut machen“

  • Andreas Schmid
    VonAndreas Schmid
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Armin Laschet gab am Montagabend ein Interview im Privatfernsehen. Dabei sprach der Kanzlerkandidat der Union über Corona, sein Verhältnis zu Markus Söder und Hans-Georg Maaßen.

Update vom 17. Mai, 21.04 Uhr: Armin Laschet wurde im Interview mit ProSieben auch über sein Verhältnis zu Markus Söder befragt. Aktuell komme es aufgrund der Corona-Lage zwar zu weniger persönlichen Kontakt, weil vieles digital ablaufe, aber „wir telefonieren sehr oft im Laufe der Woche“ und „es wird sicher bald wieder eine Gelegenheit geben.“ Auf die Frage, ob es noch vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. Juni zu einem Treffen kommen wird, gab sich Laschet zurückhaltend. „Bisher ist das nicht geplant.“ Generell wünschte sich Laschet einen fairen und „keinen polarisierenden Wahlkampf“ - „und mit den beiden geht das auch“ schob Laschet mit Blick auf seine Kontrahenten Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) hinterher.

Laschet lehnte darüber hinaus die von der FDP in ihr Wahlprogramm gesetzte Forderung nach einer Begrenzung der Amtszeit von Bundeskanzlern ab. „Die Amtszeit ist begrenzt, weil nach vier Jahren der Wähler sagt, ob er den Kanzler noch haben will oder nicht.“ Eine Begrenzung auf zwei Amtszeiten vorzugeben - das fordert die FDP - sei eine „Beschränkung der Entscheidungsrechte des Bürgers“, betonte Laschet. „Wenn der Bürger glaubt, ein Kanzler soll 16 Jahre machen, dann soll er 16 Jahre machen.“

Zudem sprach sich Laschet für eine Frauenquote innerhalb seiner Partei aus: „Das muss sich dringend ändern.“ Auf die Frage, ob er sich Fehler in seiner Corona-Politik eingestehen müsse, antwortete der 60-Jährige. „Ja, in der Anfangszeit im Februar und März 2020, als wir Menschen in Alten- und Pflegeheimen alleine haben sterben lassen. Das ist irreversibel, das kann man nie mehr gut machen. Dafür muss man sich bei den Angehörigen entschuldigen, die Verstorbenen kann man nicht mehr erreichen.“

Angesprochen auf die umstrittene Kandidatur Hans-Georg Maaßens sagte Laschet: „Ich teile einige Aussagen von ihm nicht“, innerhalb einer Partei müsse man aber auch unterschiedliche Meinungen aushalten. Mit dem Vorwurf konfrontiert, die CDU würde durch diese Kandidatur näher an die AfD heranrücken entgegnete der gebürtige Aachener: „Wenn Sie Armin Laschet wählen, dann können Sie sicher sein, dass es mit der AfD nicht irgendein Gespräch oder eine Koalition oder sonst etwas geben wird.“

Angesprochen auf seine Ziele für eine mögliche Kanzlerschaft sagte der CDU-Chef: „Wir müssen uns als Land modernisieren, in allem digitaler werden. Mein Traum wäre, die Klimaziele zu erreichen und trotzdem, noch Industrieland zu bleiben.“ Zudem wünsche er sich, dass „Europa noch enger zusammenwächst“ und „dass wir ein Land sind, das trotz unterschiedlicher Religionen und Menschen zusammenhält.“

Armin Laschet bei ProSieben und Zervakis - warum der Auftritt für die Union so wichtig ist 

Erstmeldung: München - Armin Laschet steht am Montagabend (17. Mai, 20.15 Uhr) dem Privatsender ProSieben Rede und Antwort. Der CDU-Chef wird in der Sondersendung „ProSieben Spezial Live. Der Kanzlerkandidat im Interview“ von Linda Zervakis und Louis Klamroth interviewt. Zuvor hatte der Sender bereits SPD-Anwärter Olaf Scholz sowie Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock zu Gast. Das Gespräch dauert 45 Minuten.

ProSieben: Laschets große Chance - kann er die jüngere Zielgruppe von sich überzeugen?

Laschet hat damit wie Scholz und Baerbock die Chance, sein Image bei einer womöglich jüngeren Zielgruppe aufzupolieren. Im Vergleich zu den etablierten öffentlich rechtlichen Sendern ARD und ZDF sind die Zuschauer:innen bei ProSieben deutlich jünger. Das Publikum von ARD und ZDF ist im Mittel 62 Jahre alt, bei der ProSiebenSat.1-Gruppe ist es 25 Jahre jünger.

Für Laschet und die CDU/CSU gilt es in dieser Bevölkerungsgruppe besonders zu punkten. Bei der Bundestagswahl 2017 war die Union zwar in allen Altersgruppen stärkste Partei, verzeichnete aber insbesondere bei älteren Wähler:innen große Zustimmung. Die CDU holte 36,5 Prozent der Stimmen der über 70-Jährigen und auch die CSU schnitt wie ihre Schwesterpartei vor allem bei älteren Wählerinnen und Wählern gut ab. So erreichte sie bei den über 70-Jährigen mit ihrem in Bayern erzielten Ergebnis auf Deutschland bezogen starke 8,1 Prozent.

Gleichzeitig verloren beide Parteien insbesondere bei den Altersgruppen zwischen 25 und 34 Jahren sowie zwischen 35 und 44 Jahren. Soll heißen, die Union-Zustimmung der älteren Bevölkerung ist traditionell größer als die von jüngeren Generationen. Nun kann Laschet bei einem jüngeren Publikum für sich werben.

ProSieben: Laschet im Interview - „wollen auch weiter politische Themen besetzen“

ProSieben gibt dem Unions-Kandidaten diese Möglichkeit gerne, da man davon ausgeht, von den Interviews zu profitieren. „Damit unterstreichen wir, dass politische Interviews zu unserem Verständnis der Medienmarke ProSieben gehören“, sagt ProSieben-Chef Daniel Rosemann. Vor der Bundestagswahl werde man zudem „weiter politische Themen besetzen, die den Menschen unter den Nägeln brennen“. Einen Vorgeschmack auf mögliche Themen des Abends gab Laschet bereits einen Vorgeschmack: Bei einer Pressekonferenz am Montagmittag äußerte er sich zum Problem des Antisemitismus und über Wahlkampf-Forderungen seiner Kontrahenten.

Womöglich nimmt dann erneut Linda Zervakis die Rolle der Moderatorin ein. Für die gebürtige Hamburgerin ist das Laschet-Interview nach der Scholz-Sendung der zweite große Auftritt nach dem Wechsel von der ARD-Tagesschau ins Privatfernsehen. Beim Baerbock-Gespräch hatten noch Katrin Bauerfeind und Thilo Mischke die Fragen gestellt - und Kritik geerntet. Aber auch über den ersten Auftritt von Zervakis mit Klamroth gab es Unmut. Im Laufe des Jahres soll außerdem ihr Format „Zervakis & Opdenhövel. Live“ auf Sendung gehen. (as)

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