Schere zwischen Bundesländern wächst

Armutsquote erreicht neuen Rekordwert

Berlin - Die Kluft zwischen Arm und Reich wird nach einer Studie der Wohlfahrsverbände immer größer. Auch zwischen den Bundesländern verschärft sich die Situation.

Angesichts einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich hat der Paritätische Wohlfahrtsverband vor der sozialen Verödung ganzer Regionen in Deutschland gewarnt. Zwischen 2006 und 2012 sei die Armutsquote bundesweit von 14 auf den neuen Rekordwert 15,2 Prozent gestiegen, berichtete der Verband bei der Vorstellung seines Armutsberichts 2013 am Donnerstag in Berlin. Dabei sei auch der Abstand zwischen Wohlstands- und Armutsregionen deutlich gewachsen.

Zur Berechnung der relativen Armutsquoten wurden in dem Bericht Menschen in Haushalten gezählt, deren Einkommen bei weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland liegt. Die geringste Armutsquote wies im vergangenen Jahr demnach Baden-Württemberg mit 11,1 Prozent auf, die höchste Bremen mit 23,1 Prozent. Damit vergrößerte sich der Abstand zwischen dem erst- und dem letztplazierten Bundesland auf zwölf Prozentpunkte - 2011 hatte er noch 11,1 Prozentpunkte betragen.

Sinkende Armutsquoten wurden dem Bericht zufolge in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen verzeichnet, in Nordrhein-Westfalen veränderte sich die Quote nicht. In den übrigen elf Ländern stieg die Armutsquote hingegen an. Auch das Ausmaß der regionalen Zerrissenheit innerhalb der Bundesländer habe eine neue Qualität erreicht, warnte der Wohlfahrtsverband. Keine Entwarnung gebe es insbesondere für das Ruhrgebiet als "armutspolitische Problemregion Nummer eins". So stieg die Armutsquote in der Region Dortmund um 1,2 Punkte auf 22,8 Prozent.

"Deutschland war noch nie so gespalten wie heute", warnte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider. "Ganze Regionen befinden sich in Abwärtsspiralen aus wachsender Armut und wegbrechender Wirtschaftskraft." Um deren Verödung entgegenzuwirken, seien eine gezielte finanzielle Förderung und soziale Programme erforderlich.

Auch die Nationale Armutskonferenz, der Wohlfahrtsverbände und kleinere Betroffenenorganisationen angehören, wertete die Befunde als alarmierend. "Der Bericht zeigt, dass wir in Deutschland weiter von einer chancengerechten Gesellschaft entfernt sind als je zuvor", erklärte der Sprecher des Bündnisses, Joachim Speicher. Notwendig seinen unter anderem höhere Regelsätze für Bezieher staatlicher Leistungen, Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose sowie eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus. Gemeinsam kritisierten Schneider und Speicher den Verzicht der neuen Bundesregierung auf Steuererhöhungen für große Vermögen und Einkommen, um solche Maßnahmen zu finanzieren.

AFP

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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