+
Der langjährige Trump-Leibwächter Keith Schiller (r.) und Ronny Jackson, Bornsteins Nachfolger als Leibarzt des US-Präsidenten. Foto: Alex Brandon/AP

Bedrohungsvorwurf

Arzt: Trump diktierte sein Gesundheitszeugnis selbst

Ein ehemaliger Arzt von Donald Trump erhebt Vorwürfe gegen den US-Präsidenten und dessen langjährigen Bodyguard. Seine Praxis sei durchsucht worden, er habe sich bedroht gefühlt. Auch sein Gesundheitszeugnis stellt er infrage. Aber was steckt dahinter?

Washington (dpa) - Donald Trump hat sein positives Gesundheitszeugnis während des US-Wahlkampfes nach Angaben seines damaligen Arztes selbst diktiert. "Er hat den gesamten Brief diktiert. Ich habe diesen Brief nicht geschrieben", sagte Harold Bornstein dem Sender CNN.

Warum Bornstein gerade jetzt an die Öffentlichkeit ging, war zunächst nicht bekannt.

In einem Brief hatte der Arzt dem Präsidentschaftskandidaten Trump im Dezember 2015 attestiert, er sei der "gesündeste Kandidat, der jemals in das Präsidentenamt gewählt werde". Später räumte Bornstein ein, das Schreiben in nur fünf Minuten verfasst zu haben, während vor der Praxistür Trump-Vertraute warteten. Jetzt korrigierte der Arzt seine Aussage. Trump habe den Brief diktiert, Bornstein habe ihm nur gesagt, was er "nicht reinschreiben" könne.

Zuvor hatte der Arzt im Sender NBC News einen langjährigen Bodyguard des US-Präsidenten beschuldigt, seine Praxis durchsucht und Patientenakten Trumps mitgenommen zu haben. Bornstein sagte dem Sender, Trumps Personenschützer Keith Schiller und ein anderer Mann seien im Februar 2017 in seine Praxis in New York gekommen und hätten die Akten geholt. "Sie müssen 25 oder 30 Minuten lang hier gewesen sein. Das hat großes Chaos angerichtet", sagte er. Er habe sich bedroht gefühlt.

Bornstein sprach im Sender NBC von einer Durchsuchung seiner Praxis. Trumps Sprecherin Sarah Sanders wies diese Darstellung zurück. Es habe sich nicht um eine Durchsuchung gehandelt. Es sei Standard, dass der medizinische Stab des Weißen Hauses die Krankenakte eines neuen Präsidenten in Besitz nehme.

NBC News berichtete, der Vorfall habe sich ereignet, nachdem Bornstein einer Zeitung gesagt hatte, dass er Trump über Jahre ein Haarwuchsmittel verschrieben habe.

Der an der mutmaßlichen Durchsuchung beteiligte Keith Schiller war lange Trumps persönlicher Bodyguard und galt als äußerst loyal zu dem Unternehmer. Nach Trumps Amtsantritt im Januar 2017 bekam er einen Posten im Weißen Haus, den er aber im September schon wieder verließ.

Es ist nicht das erste Mal, dass Schiller in die Schlagzeilen gerät. Als Trump im Mai 2017 den damaligen FBI-Chef James Comey entließ, war es Schiller, der das Entlassungsschreiben persönlich vom Weißen Haus in die nicht weit entfernt gelegene Zentrale des FBI brachte.

CNN-Bericht

NBC-Bericht

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„... das stimmt nicht, weil er vor allem Politiker ist“: Putin von Trump nach Treffen überzeugt
Donald Trump und Wladimir Putin trafen sich am Montag zum mit großer Spannung erwarteten Gipfel in Helsinki. Wir berichten auch am Tag danach noch über die Nachwehendes …
„... das stimmt nicht, weil er vor allem Politiker ist“: Putin von Trump nach Treffen überzeugt
„Ich wurde entführt und nackt ausgezogen!“ Abgeschobener Sami A. erhebt heftige Vorwürfe
Am Freitag wurde der frühere Bin-Laden-Leibwächter Sami A. abgeschoben - trotz gerichtlichen Verbots. Jetzt muss er nach Deutschland zurückgeholt werden. Doch das ist …
„Ich wurde entführt und nackt ausgezogen!“ Abgeschobener Sami A. erhebt heftige Vorwürfe
Kein Treffen von Seehofer mit NRW-Flüchtlingsminister Stamp
Das Gespräch von Seehofer und dem NRW-Flüchtlingsminister war seit längerem geplant. Thema sollten etwa schnellere Asylverfahren sein. Der umstrittene Fall Sami A. hätte …
Kein Treffen von Seehofer mit NRW-Flüchtlingsminister Stamp
„Er ist ein Täter! Er muss vor Gericht": Flüchtlingsschiff-Kapitän klagt Seehofer an
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder macht Innenminister Horst Seehofer indirekt für schlechte CSU-Umfragewerte verantwortlich. In der Partei gärt es nach den …
„Er ist ein Täter! Er muss vor Gericht": Flüchtlingsschiff-Kapitän klagt Seehofer an

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.