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Beim Einzug in die Dreiländerhalle in Passau gab es für CSU-Ministerpräsident viel Applaus.

Seehofer: Beinahe-Kollaps beim Aschermittwoch

Passau - Wegen einer Virus-Erkrankung hat CSU-Chef Horst Seehofer seine Rede beim politischen Aschermittwoch nach eigenen Angaben nur mit Mühe zu Ende bringen können.

Politischer Aschermittwoch der anderen Parteien:

Die Grünen

Die FDP

Die Freien Wähler

Die SPD

Wegen einer Virus-Erkrankung hat CSU-Chef Horst Seehofer seine Rede beim politischen Aschermittwoch nach eigenen Angaben nur mit Mühe zu Ende bringen können. Er habe zwischenzeitlich schon an Franz Müntefering gedacht, sagte Seehofer nach seinem Auftritt in der Passauer Dreiländerhalle. Der SPD-Vorsitzende war 2005 auf einer Wahlkampfveranstaltung zusammengebrochen. Seehofer sagte, es habe während seiner rund 80-minütigen Rede "manche schwierige Situation" gegeben. Tatsächlich hatte der CSU-Chef zwischenzeitlich auffallend langsam und leise gesprochen.

Am Dienstagmorgen habe er noch "gar nicht reden" können, berichtete Seehofer vor tausenden CSU-Anhängern. "Ich danke dem Herrgott, dass ich heute wieder die Kraft habe."

Die besten Sprüche der Politiker

Nach der Rede gönnte er sich und seiner Stimme aber erst einmal einen kräftigen Schluck aus dem Maßkrug. Darin war Bier, wie Seehofer in Anspielung auf seinen Vor-Vorgänger Edmund Stoiber versicherte: Stoiber wird nachgesagt, seinen Krug im Bierzelt auch mal mit Wasser gefüllt zu haben.

Die Inhalte der Seehofer-Rede

Sieben Monate vor der Bundestagswahl hat der Seehofer angesichts der Wirtschaftskrise einen parteiübergreifenden Pakt für Deutschland vorgeschlagen. Gerade in Zeiten der grenzenlosen globalen Krise dürfe man sich nicht im kleinteiligen politischen Gezänk verlieren, sagte er Seehofer bei seiner ersten Rede in Passau vor mehreren tausend Anhängern. Mittelstand, Unternehmen, Arbeitnehmer und Politik müssten jetzt gemeinsam Entscheidungen treffen. Dann werde man "die größte Krise in der Geschichte der Bundesrepublik überwinden". Nach dem Wahldebakel der CSU im vergangenen Herbst machte Seehofer seiner Partei Mut und kündigte einen harten Kurs in der großen Koalition an.

Während Seehofer gegen die SPD harte Attacken ritt, vermied er weitgehend Angriffe auf die FDP, mit der die CSU seit der Landtagswahl in Bayern zusammen regiert. Der SPD im Bund warf der bayerische Ministerpräsident in seiner fast eineinhalbstündigen Rede Unglaubwürdigkeit im Umgang mit der Linken vor. "Wir wollen nicht, dass aus Ypsilanti in Hessen ein Tricksilanti in Deutschland wird." Zugleich forderte Seehofer die SPD auf, die Kandidatur ihrer Bewerberin Gesine Schwan für das Bundespräsidentenamt zurückzuziehen. "Versenkt endlich den Schwan, damit Horst Köhler am 23. Mai wieder Bundespräsident wird."

"Ich bin authentisch"

Seehofer setzt im Superwahljahr 2009 bei der CSU auf inhaltliche Erneuerung und Verjüngung. "Die CSU ist wieder da", rief er. Mehrmals lobte er den neuen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und brachte ihn indirekt bereits als seinen möglichen Nachfolger ins Spiel. Nach dem Wahldebakel vom September verordnete Seehofer den Christsozialen Bescheidenheit. Die CSU habe Fehler gemacht, das habe sich an der Wahlurne gezeigt. "Wir sind nach wie vor selbstbewusst, aber nicht überheblich." Seehofer wies Vorwürfe des politischen Gegners zurück, ein Wendehals zu sein. "Ich möchte mich so vermitteln, wie ich bin - authentisch."

Agrardiesel und Pendlerpauschale: Kritik an Merkel

In der Berliner Koalition will die CSU ihre und Bayerns Interessen mit Nachdruck durchsetzen. Beim Koalitionsausschuss am 4. März erwarte er von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass die Ungerechtigkeit bei der Besteuerung des Agrardiesels zurückgenommen werde, sagte Seehofer. Die CSU werde keine Benachteiligung der bayerischen Bauern hinnehmen. Seehofer kritisierte die monatelange Ablehnung Merkels, zur alten Pendlerpauschale zurückzukehren. Letztlich hatte das Bundesverfassungsgericht die Kürzung der Pauschale rückgängig gemacht. "Das hätte uns erspart bleiben können", sagte Seehofer.

"CSU ist Anwalt für die redlichen Bürger"

Der CSU-Chef beklagte eine wachsende soziale Ungerechtigkeit in Deutschland. Er verstehe es nicht, wenn einer Kassiererin wegen 1,30 Euro gekündigt werde und Manager, die Milliarden verscherbelt hätten, noch im Amt seien. Die CSU wolle sich als "Anwalt für die redlichen Bürger und den gesunden Menschenverstand" profilieren.

Abstimmung über EU-Beitritt der Türkei

Seehofer forderte zudem, die Bundesbürger über einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union abstimmen zu lassen. Europa brauche viel mehr Bürgernähe, begründete er. Wenn die Bundesrepublik Hoheitsrechte nach Brüssel abgebe oder neue Mitglieder aufnehme, sollte es auch in Deutschland wie schon in einigen anderen EU-Ländern ein Referendum geben. "Ich will, dass das deutsche Volk gefragt wird, ob die europäische Familie durch die Türkei vergrößert wird. Das soll das Volk entscheiden", sagte Seehofer unter dem Beifall seiner Parteikollegen.

"Bayern steht zum Pontifex Bavariae"

Auch zum Wirbel um den Holcocaust-Leugner und Traditionalistenbischof Richard Williamson äußerte sich der CSU-Chef: Er versicherte Papst Benedikt XVI. uneingeschränkte Solidarität. "Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Integrität des Heiligen Vaters und seine Einstellung gegenüber dem Holocaust und Antisemitismus in irgendeiner Weise in Zweifel gezogen wird." Im Vatikan seien Fehler gemacht worden, sagte er. Der Papst aber habe die Solidarität Bayerns. "Wir stehen zu dem Pontifex Bavariae."

mm

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