Kommentar zum Drama in Syrien

Assad-Truppen erobern Aleppo: Symbol des Scheiterns

München - Eine Rebellenhochburg fällt: Aleppo wird zu einem Symbol für eine gescheiterte westliche Orient-Strategie, findet Merkur-Autor Werner Menner.

Aleppo steht vor dem Fall, die Niederlage der Aufständischen ist vollständig. Und die Chancen des Diktators Assads, den Syrien-Krieg als (wenn auch stark lädierter) Sieger zu überstehen, steigen täglich. Jetzt stellen sich Fragen: Wie werden sich die Türken und die Kurden verhalten? Wird die Unterstützung des Terrors durch Saudi-Arabien anhalten? Wie lange kann sich der IS noch halten, und wie lange wird der Kreml sich noch eindeutig hinter Assad stellen? Die Antworten werden sich auch auf Europa gravierend auswirken. Ihre Komplexität schließt eine friedliche Lösung leider so gut wie aus.

Eine wichtige Frage wurde nie gestellt

Es ist der Fluch der vermeintlich guten Tat, der die Alliierten einholt und das Syrien-Problem nahezu unlösbar macht. Man wollte Diktator Assad stürzen und hat dabei auf eine zerstrittene, von Terrorgruppen und IS-Sympathisanten durchsetzte Opposition gebaut. Nicht gestellt wurde die Frage: Was kommt dann? Nicht beachtet wurde auf westlicher Seite, dass Russland, der Iran, die Araber, Kurden und Türken sich selbst dann nicht neutral verhalten konnten, wenn sie es gewollt hätten.

Jetzt, nach fast sechs Jahren Krieg, ist Syrien zerstört, Hunderttausende wurden getötet, der Orient steht in Flammen – und Assads von Russland unterstützte Truppen werden in Aleppo nicht Halt machen. Sein Angebot der „nationalen Versöhnung“ an die Rebellen verfällt in dem Augenblick, in dem sich die Aufständischen ergeben. Und Aleppo, bisher ein Symbol für die Grauen des Krieges, wird zu einem weiteren Symbol für eine gescheiterte westliche Orient-Strategie.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Asylstreit-Hammer: Erster CSU-Minister fordert Merkels Ablösung
Die Asyl-Krise zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer spitzt sich zu. Am Sonntag sollen bei einem Mini-Gipfel in Brüssel Lösungen gefunden werden. Alle Entwicklungen …
Asylstreit-Hammer: Erster CSU-Minister fordert Merkels Ablösung
„Merkel wird von eigener Partei zur Hassfigur gemacht“: Lindner-Zitat lässt aufhorchen
100 Tage neue Große Koalition. Was bleibt davon hängen? Die Opposition meint: Nicht viel! Und schimpft vor allem auf Kanzlerin Merkel und Innenminister Seehofer.
„Merkel wird von eigener Partei zur Hassfigur gemacht“: Lindner-Zitat lässt aufhorchen
Grünen-Chef wittert Putsch: „CSU-Akteure wollen Merkel stürzen - oder demütigen“
Sandra Maischberger lud am Donnerstagabend zur Talk-Sendung mit dem passenden Titel „Merkel gegen Seehofer: Endspiel für die Kanzlerin?“ Dementsprechend hitzig ging es …
Grünen-Chef wittert Putsch: „CSU-Akteure wollen Merkel stürzen - oder demütigen“
Generalbundesanwalt warnt vor Anschlägen mit Bio-Waffen
Ein Islamist soll einen Anschlag mit einer Biobombe geplant haben. Der Rizin-Gift-Fund von Köln hat aufgeschreckt. Sicherheitsbehörden sehen eine neue Bedrohung durch …
Generalbundesanwalt warnt vor Anschlägen mit Bio-Waffen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.