„Impfbrücke“ mit den USA

Söder fordert Astrazeneca-Impfung für alle Politiker - dann sorgte Spahn für den plötzlichen Kurswechsel

  • Josef Forster
    vonJosef Forster
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert den Exportstopp für AstraZeneca-Impfstoff. Doch wenig später sorgt das Gesundheitsministerium für einen Paukenschlag.

München - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert, die Ausfuhr des AstraZeneca-Vakzins aus der EU zu stoppen. „Es kann nicht sein, dass aus Europa heraus ständig Impfstoff abfließt“, so Söder am Montag. Er regte an, Vorbilder wie Politiker ganz gezielt mit AstraZeneca zu impfen. Es brauche eine klare Aussage, „ist der Impfstoff gut oder schlecht“, sagte er. Nur wenige Stunden nach Söders Statement sorgt das Bundesgesundheitsministerium für einen Paukenschlag.

AstraZeneca-Impfungen in Deutschland „vorsorglich“ gestoppt

Wie das Bundesgesundheitsministerium am Montagnachmittag mitteilte, setzt Deutschland die Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin „vorsorglich“ aus. Das Ministerium verwies auf eine Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts, das weitere Untersuchungen durchführen wolle.

Schon am Donnerstag hatte Dänemark die Impfungen mit dem AstraZeneca-Präparat eingestellt, Norwegen, Island sowie die EU-Länder Bulgarien, Irland und am Sonntagabend dann auch die Niederlande. Österreich, Estland, Lettland, Litauen und Luxemburg verzichteten auf die Nutzung einer bestimmten Charge,  Italien und Rumänien sahen von der Verimpfung einer weiteren AstraZeneca-Lieferung ab. Die Länder verwiesen auf auf mehrere Fälle von schweren Blutgerinnseln nach Impfungen mit AstraZeneca.

Nun folgt also die Bundesrepublik. Markus Söder hatte vor der Bekanntgabe des Impfstopps noch angeregt, Vorbilder wie Politiker gezielt mit dem AstraZeneca-Vakzin zu impfen. „Ich glaube, da braucht es jetzt auch Statements dafür, dass dieser Impfstoff wirksam ist und auch funktionieren kann“, merkte Söder am Montag an. Nur wenig später machte Jens Spahns Gesundheitsministerium die Aussagen des bayerischen Ministerpräsidenten vorerst obsolet. Dabei hatte der CSU-Politiker in das Vakzin große Hoffnungen gesetzt.

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach zu AstraZeneca-Entscheidung: „Das hätte ich nicht gemacht“

Gegenüber Merkur.de kritisiert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Entscheidung des Gesundheitsministeriums, die Impfungen mit dem AstraZeneca-Präparat zu stoppen. „Das hätte ich nicht gemacht. Eine Prüfung bei laufenden Impfungen wäre angesichts der Seltenheit der auftretenden Fälle besser gewesen. Angesichts dessen, dass die Fälle bei Geimpften wie bei Nicht-Geimpften gleich hoch ist, hätte ich die Impfung weiterlaufen lassen.“ Der SPD-Politiker beklagt einen „Vertrauensverlust“ in das Vakzin. „Unsere Impfstrategie fällt in sich zusammen, wenn der Impfstoff von AstraZeneca nicht weiter verwendet werden würde“, mahnt Lauterbach.

Dann käme es auch nicht zu Impfungen in den Arztpraxen. „Wir setzen nur für kurze Zeit aus“, schätzt der SPD-Politiker. Die Impfreihenfolge müsse nun umso genauer eingehalten werden, um Sterbefälle zu verhindern. Lauterbach merkt an: „Es zeigt sich nun immer stärker, dass es ein Fehler vonseiten der EU war, nicht mehr Kapazitäten für Moderna, Johnson & Johnson und Biontech durch Kapazitätsausbau zur Verfügung zu stellen.“

Markus Söder forderte Exportstopp für AstraZeneca-Impfstoff

Im Hinblick auf das schleppende Impftempo in Deutschland forderte Markus Söder eine „Impfbrücke“ mit den USA. „Gute Partnerschaft bedeutet auch, im Impfen eine Brücke über den Atlantik zu bauen.“ Europa müsse dafür „alle Hebel“ in Bewegung setzen. Für den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder ist für das langsame Anlaufen der Impfkampagne nicht nur die Bundesregierung verantwortlich.

Er wirft den USA mangelnde Kooperation bei der Verteilung des Impfstoffes vor. „Es kann nicht sein, dass die USA an der Stelle Impfstoff vielleicht hortet und umgekehrt Europa darauf wartet“, klagt der CSU-Politiker. Bislang haben in den USA mehr als 69,7 Millionen Menschen die erste Impfung gegen das Virus erhalten, rund 37,4 Millionen schon beide Impfdosen, wie aus Daten der Gesundheitsbehörde CDC hervorgeht. In Deutschland sieht die Lage hingegen anders aus. Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts wurden bislang etwa 9,3 Millionen Menschen geimpft (Stand 15. März).

In den USA werden drei Impfstoffe verabreicht: Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson. Auf die Verimpfung des AstraZeneca-Präparats verzichtete die USA. (jjf/dpa)

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