„AstraZeneca hat im Zeitraum...“

EU „als Sündenbock“? Von der Leyen jetzt mit heftiger Astrazeneca-Kritik 

  • vonDana Popp
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Ursula von der Leyen kritisiert den Impfstoff Hersteller AstraZeneca und verteidigt das Exportverbot der EU. Gleichzeitig räumt die EU-Kommissionspräsidentin Fehler ein.

Brüssel - Die EU-Kommission wurde viel für den langsamen Beginn der Coronavirus-Impfungen in Europa kritisiert. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen weist die Kritik nun zurück und kritisiert den britisch-schwedischen Hersteller AstraZeneca harsch. „AstraZeneca hat im Zeitraum von Dezember bis März der EU weniger als zehn Prozent der bestellten Menge geliefert“, sagte von der Leyen am Montag der Wirtschaftswoche. „Wir sind nicht länger bereit, als Sündenbock herzuhalten“, betont sie.

Ursula von der Leyen rechnet mit weiteren Exportstopps für AstraZeneca

Von der Leyen rechtfertigt zudem die Exportblockaden für den Corona-Impfstoff AstraZeneca. In Italien wurde vergangene Woche, das erste Mal ein AstraZeneca Export nach Australien gestoppt. Der britisch-schwedische Hersteller liegt hinter seinem Lieferplan, daher hat die EU-Kommission bereits Anfang des Jahres einen Exportmechanismus eingeführt. Unternehmen die Corona-Impfstoffe verkaufen, müssen seitdem ihre Exporte an Drittländern anmelden und genehmigen lassen.

„Das war kein Einzelfall.“, so Ursula von der Leyen gegenüber der Wirtschaftswoche. Sie rechnet mit weiteren Exportstopps für den Hersteller AstraZeneca. Die anderen Corona-Impfstoff-Hersteller, wie Biontech/Pfizer werden voraussichtlich von dem Exportmechanismus nicht betroffen sein, da sie ihre Quartalsziele versuchen einzuhalten „Wenn Unternehmen ihre Verträge einhalten, stehen die Türen für den Export offen“, sagte von der Leyen. Angst vor Auseinandersetzungen mit anderen Ländern aufgrund des Exportmechanismus hat sie nicht. Ihrer Meinung nach geht es dabei nicht um Länder, sondern um Unternehmen.

Corona-Impfstoff: Warum liegt AstraZeneca soweit zurück mit den Lieferungen?

Dieser Frage versuchen von der Leyens Beamte zu beantworten. „Das Unternehmen hat vor der Zulassung nicht ausreichend Impfstoff vorproduziert, wie dies im Vertrag vereinbart worden sei“, wirft sie AstraZeneca vor. In Brüssel haben viele die Vermutung, dass der in der EU hergestellte Impfstoff von AstraZeneca nach Großbritannien geliefert wurde. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen räumt jedoch auch ein, dass sie einen Fehler gemacht hat.

Es wurde zu wenig darauf geachtet, dass die Produktionsstätten des Corona-Impfstoffes ausgebaut werden. In Brüssel wurde der Produktionsprozess unterschätzt. Länder wie die USA oder Großbritannien haben das Thema Produktion viel mehr im Fokus gehabt und dadurch die Produktion von Impfstoff besser hochgefahren. Die USA wollen bis Ende Mai alle Erwachsenen geimpft haben, davon ist Europa noch weit entfernt. Der Impfstoff AstraZeneca hat außer den Lieferschwierigkeiten auch noch ein Imageproblem. Vor allem die Liste an Nebenwirkungen hatte immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.(Dana Popp)

Rubriklistenbild: © Aris Oikonomou/dpa/picture alliance

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